Kommentar /

 

EM 2020: Ein europäisches Fußballfest?

Michel Platinis clevere Idee hat so manchen Haken

Von Andrea Schültke

Was bedeutet eine europaweite Fußball-EM für die Fans?
Was bedeutet eine europaweite Fußball-EM für die Fans? (picture alliance / dpa/Michael Reichel)

Auf den zweiten Blick kommen Zweifel an Michel Platinis Idee einer Fußball-EM in ganz Europa. Wie sollen die Fußball-Anhänger die Euros für die Reise durch ganz Europa aufbringen? Wie soll Stimmung aufkommen, wenn die EM auf alle europäischen Metropolen verteilt wird? Und das Wichtigste überhaupt: Was ist mit der Sicherheit?

Die Euro für Europa. Unter diesem Motto soll die Fußball-Europameisterschaft 2020 stattfinden - in bis zu 14 europäischen Metropolen. Eine Idee von Uefa-Präsident Michel Platini aus dem Sommer. Sie hat sich überraschend schnell durchgesetzt - wird als Fußball-Revolution gepriesen.

Die Euro für Europa - auf den ersten Blick eine clevere Idee. Aus mehreren Gründen: Platini kann nur Zustimmung ernten: Denn jedes Mitgliedsland macht sich nun Hoffnungen, ein oder mehrere Spiele auszutragen. Unter anderem auch Deutschland, das nach der WM 2006 und der Frauen-Fußball-WM 2011 als Einzelausrichter erstmal keine Chance gehabt hätte auf ein internationales Turnier. Aber auch kleinere Länder, die das ganze Spektakel nicht stemmen könnten, haben so die Möglichkeit, wenigstens EM-Spielort zu werden. Ein Dankeschön vor allem an sie von Präsident Platini. Denn als der Franzose 2007 den Uefa-Thron erklomm, waren es vor allem die Stimmen der kleineren Länder, die ihm geholfen haben.

Die Euro für Europa ist eine clevere Entscheidung. Auch, weil die Finanzlast auf mehreren Schultern liegt. Kein Risiko, dass der EM-Ausrichter, kurz vor Anpfiff des Spektakels pleite ist. Die Euro für Europa ist eine clevere Entscheidung, weil nachhaltig. Keine extra gebauten überdimensionierten Stadien für nur ein oder zwei Vorrundenpartien. Denn in den europäischen Metropolen existieren die Spielstätten längst. Also keine Infrastruktur, die nach der EM nicht mehr gebraucht wird. Und damit auch keine Schuldenberge, die in Zeiten der Finanzkrise nicht abgetragen werden können.

Aber auf den zweiten Blick kommen die Zweifel und damit die Fragen: Wie sollen die Fußball-Anhänger die Euros für die Euro aufbringen? Ihre Reisekosten könnten steigen, wenn sie in ganz Europa unterwegs sein müssen. Wie soll Stimmung aufkommen, wenn die EM zerstückelt wird, über viele Metropolen verteilt? Macht dann nicht jede Stadt ihr eigenes Euro-Ding und die EM wird zur Champions League ohne Champions? Ohne die Begeisterung, die – wenn es gut läuft - ein ganzes Land mitreißen kann?

Und das Wichtigste überhaupt: Was ist mit der Sicherheit? Bei der EM im Sommer in Polen und der Ukraine wurden die polizeibekannten gewaltbereiten Fußballfans bereits an den Ländergrenzen aufgehalten. Wie soll das funktionieren bei Reisen zu einer Euro in ganz Europa? Alle Grenzen dicht machen? Trennen, was sich zusammengerauft hat?

Es sind solche offenen Fragen und es ist die Schnelligkeit der Entscheidung, die die "Fußball-Revolution" entlarven als cleveren Schachzug. Denn es geht weniger um einen Wandel der Europameisterschaft an sich als um positive Schlagzeilen und den Machterhalt von Uefa-Präsident Michel Platini.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kommentar

Argentinien vor Staatspleite"Geier-Fonds" sind Sündenböcke

Protestplakat gegen Hedgefonds in Argentinien

Die Wut der Argentinier auf die Hedgefonds sei verständlich, kommentiert Benjamin Hammer. Doch der Fehler liege nicht bei den Investoren, sondern im System. Die internationalen Institutionen müssten endlich ein globales Insolvenzrecht umsetzen.

Sanktionen gegen RusslandPutin steckt in einem Dilemma

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einer Pressekonferenz

Russlands Präsident Putin stecke in einem Dilemma, kommentiert Gesine Dornblüth. Sein Volk erwartet Stärke, seine Wähler werden ihm die Folgen der Sanktionen anlasten. Wären die Sanktionen früher gekommen, hätte er in der Ostukraine womöglich eingelenkt.

Nahost-KonfliktWoran Kerry hätte denken müssen

US-Außenminister John Kerry spricht mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu über ein Waffenruhe in Gaza.

Außenminister John Kerry wollte einen Waffenstillstand, und zwar schnell. Leider hat er dabei wichtige Player in der Region brüskiert, darunter Israel, kommentiert Marcus Pindur. Die Beziehung zwischen Obama und Netanjahu sei nie besonders gut gewesen, aber nun sei sie besonders schlecht.