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StartseiteBüchermarktLektüre unterm Tannenbaum14.12.2017

Empfehlungen der Dlf-Literaturredaktion Lektüre unterm Tannenbaum

Unter jeden guten Weihnachtsbaum gehört mindestens ein gutes Buch: Deshalb hat die Literaturredaktion des Dlf die besten Bildbände, die unheimlichsten Geschichten und schönsten Prosadichtungen für den 24. Dezember ausgesucht.

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Buch, das in einfachem Packpapier verpackt ist, mit Engelsflügel als Deko (Aufnahme in Dortmund, 14. November 2010). (picture alliance / dpa  / Katharina Heimeier)
Tipps für die Auswahl des Geschenkes Nummer 1. (picture alliance / dpa / Katharina Heimeier)
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Uwe Kopf: "Die elf Gehirne der Seidenspinnerraupe" Von der Bockigkeit des Herzens

Antje Deistler empfiehlt:

Edgar Allan Poe: "Unheimliche Geschichten"

Edgar Allan Poe begründete mit seinen drei Detektivgeschichten um den Ermittler Auguste Dupin das moderne Kriminalgenre. Poe habe "der Angst alles schauerlich-Beschauliche genommen und ihre zuckenden Herzmuskeln freigelegt" – schreibt Andreas Nohl, dessen Neuübersetzung Poes Texte zum Leuchten bringt und seine Bedeutung für die literarische Moderne herausarbeitet. Die bibliophile Ausstattung dieses ersten Teils der Werkausgabe unterstreicht das Morbide auf überraschende Weise. 

Edgar Allan Poe: "Unheimliche Geschichten" 
Herausgegeben von Charles Baudelaire, neu übersetzt aus dem Amerikanischen Englisch von Andreas Nohl,
dtv Literaturverlag München, 424 Seiten. 28 Euro

Jan Drees empfiehlt:

Markus Orths: "Max"

Ein Bildungs- und Bildroman ist "Max" von Markus Orths, einem der interessantesten Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Nach vielen Experimenten, die von der Intimität fremder Transitleben ("Das Zimmermädchen") bis zur Apokalypse ("Alpha & Omega") erzählen, widmet sich der 1969 in Viersen geborene Orths der literarisierten Künstlerbiographie: Er beschreibt das Leben von Max Ernst, dem rheinländischen Maler, Grafiker und Bildhauer (1891-1976), durch den die Zeitläufte hindurchgingen, dessen Leben verknüpft ist mit André Breton, mit Paul Eluard, Hans Arp, Marcel Duchamp und Meret Oppenheim. Orths entwirft entlang von sechs Lieben eine künstlerische Grand Tour. Weshalb seine Romane ausnahmslos formidabel geraten sind, wird ein Geheimnis bleiben, weshalb er nach vielen Jahren bei Schoeffling & Co im Olymp des Hanser-Verlags gelandet ist, erscheint nach der Lektüre von "Max" folgerichtig.

Markus Orths: "Max. Sechs Frauen, sechs Lieben, ein Jahrhundert."
Roman, Hanser Verlag, München, 576 Seiten. 24 Euro

Gisa Funck empfiehlt:

Uwe Kopf: "Die elf Gehirne der Seidenspinnerraupe"

Zugegeben: Ein Roman über einen Sozialverlierer, der sich schon auf Seite 4 erhängt, wirkt erst mal nicht sehr erbaulich. (Zumal der Titel auch nicht gerade schmissig klingt.) Trotzdem bitte nicht abschrecken lassen! Denn der im Januar leider verstorbene Ex-TEMPO-Kolumnist Uwe Kopf erzählt in seinem ersten Roman von Tom, einem Holden Caulfield der Hamburger Vorstadt, der einfach nur nicht die vielen kleinen, miesen, schmierigen Kompromisse des Erwachsenenlebens mitmachen will. Das endet zwar traurig, liest sich aber (dank Kopfs herrlicher Lakonik) gar nicht so, sondern wie packende Popliteratur der existenziellen Variante. 

Uwe Kopf: "Die elf Gehirne der Seidenspinnerraupe"
Roman, Tempo im Hoffmann und Campe Verlag Hamburg, 320 Seiten. 22 Euro

Angela Gutzeit empfiehlt: 

Sepp Dreissinger: "Im Kaffeehaus. Gespräche/Fotografien"

"Besonders gern beobachte ich ahnungslose Leute, die gerade hereinkommen und vom Subtext noch nichts wissen. Das ist ein schwieriges Wort. Ich selbst habe, glaube ich, auch keinen Subtext". Eine wunderbar tiefgründelnde Antwort der Schriftstellerin Ilse Aichinger auf Sepp Dreissingers Frage, was sie denn bei ihren regelmäßigen Kaffeehausbesuchen so mache. Der Wiener Fotokünstler hat über Jahrzehnte Aufnahmen von Autoren, Schauspielern, Performance-Künstlern, Kabarettisten und von denen, die die Kaffeehäuser in Wien betreiben, den sogenannten Cafetiers, gemacht. Und nicht nur das – er hat sein Fotobuch, das er als "Quersumme seiner Portraitkunst" bezeichnet, mit kleinen Geschichten und Interviews angereichert. – Ein schön gemachter Band, der auch Leser interessieren dürfte, die nicht wie Sepp Dreissinger ihre "Sozialisierung im Kaffeehaus" vollzogen haben. 

Sepp Dreissinger: "Im Kaffeehaus. Gespräche/Fotografien"
Album Verlag Wien, 336 Seiten. 39 Euro

Dina Netz empfiehlt:

Gustave Roud: "Lied der Einsamkeit und andere Prosadichtungen"

Gustave Roud hat fast sein ganzes Leben auf einem Bauernhof im Schweizer Waadtland verbracht. Und trotzdem oder vielleicht gerade wegen dieses zurückgezogenen Lebens erzählen seine Prosatexte und Fotografien von universellen Themen: von der Suche nach Ruhe und nach den treffenden Worten, von der Sehnsucht, vom Vergehen der Zeit, dem Tod und vor allem von der Einsamkeit. Sein Stil ist hell und klar wie die Wintertage, die er oft beschreibt. Gustave Roud ist vor mehr als vier Jahrzehnten gestorben. Der Schweizer Limmat Verlag versucht mit diesem Band nun, ihn dem Vergessen zu entreißen. Zu Recht.

Gustave Roud: "Lied der Einsamkeit und andere Prosadichtungen"
Mit Fotografien von Gustave Roud, aus dem Französischen von Gabriela Zehnder, mit einem Vorwort von Philippe Jaccottet, Limmat Verlag, Zürich, 192 Seiten. 29,80 Euro

Hubert Winkels empfiehlt:

Jürgen Kaiser/Florian Monheim: "Die großen romanischen Kirchen in Köln"

Sie sind älter als der Dom und waren stilbildend in ganz Nordwesteuropa: die zwölf großen romanischen Kirchen von Köln. Ein Ensemble, das in dieser Vielfalt in keiner anderen Stadt zu finden ist. Dank der klaren Bildsprache von Florian Monheim und den so präzisen wie erzählerischen Texten von Jürgen Kaiser erschließt das Buch die uralten Kirchen einer neuen Generation. Nahaufnahmen von Details wechseln mit Totalen und Großaufnahmen von Kirchenräumen. Die kunsthistorische und die liturgische Bedeutung werden vorgestellt. Und vor allem die Schönheit in der Formsprache des 10. bis 13. Jahrhunderts. Sie hat gleichgeartete Züge, aber jede Kirche ist sehr individuell und auch individuell erfasst in diesem schönen Buch.

Jürgen Kaiser (Text), Florian Monheim (Fotos): "Die großen romanischen Kirchen in Köln"
Greven Verlag, Köln, 210 Seiten mit 200 Fotos und einer DVD. 39,90 Euro

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