• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 02:30 Uhr Zwischentöne
StartseiteForschung aktuellEnde der Altlast01.02.2010

Ende der Altlast

Die USA geben das Endlager Yucca Mountain auf

Energie.- Als George W. Bush 2002 das Atomendlager von Yucca Mountain – 160 Kilometer von Las Vegas entfernt – billigte, sorgte das für starken Protest. Zwei Jahre später wurde in einem Prozess entschieden, dass die Sicherheitsvorkehrungen dort nicht ausreichend seien. Nun ist das Endlager tot. Die Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich berichtet im Gespräch mit Gerd Pasch

Die Wüste von Nevada in der Nähe des Yucca Mountain. Offenbar ist der Standort nicht ideal für ein Atomendlager.  (AP)
Die Wüste von Nevada in der Nähe des Yucca Mountain. Offenbar ist der Standort nicht ideal für ein Atomendlager. (AP)

Gerd Pasch: Im Jahr 2002 hatte der damalige US-Präsident Bush das Atomendlager von Yucca Mountain gebilligt – 160 Kilometer von Las Vegas entfernt. Mitten in der Wüste sollten die radioaktiven Abfälle der Strommeiler verbuddelt werden. Nach Protesten und einem Prozess vor dem obersten US-Bundesgericht kam dann die Forderung, den landeseigenen Horizont von 10.000 Jahren für die Sicherheitsbetrachtung dem international üblichen von Hunderttausenden bis eine Million Jahre anzupassen. Ein schwerer Schlag für die Befürworter von Yucca Mountain. Dagmar Röhrlich, jetzt hat US-Präsident Obama das Endlager komplett aus den Planungen herausnehmen lassen. Wieso und mit welchen Folgen?

Dagmar Röhrlich: Das Department of Energy hat jetzt bekannt gegeben, dass man dem Wunsch von Präsident Obama entspricht und das Ganze aus dem Etat rausnimmt, der Mittelansatz wird einfach rausgestrichen. Und stattdessen wird ein Gremium eingesetzt, das nach einer Lösung suchen soll, was in aller Welt nun mit hochaktiven Brennelementen und dem ganzen anderen Abfall geschehen soll. Damit geht der Sonderweg der USA eigentlich zu Ende. Denn alle anderen Nationen schauen entweder im Ton nach oder im Salz oder im Granit, um einen Endlagerstandort zu finden. Und die USA hatten das Ganze im vulkanischen Tuff machen wollen, halt in diesem Bereich Yucca Mountain. Das Positive dieses Endlagers ist, dass es 1987 gesetzt worden ist, vom Kongress, weil es weit weg von allen Siedlungen ist und dass dort seit 12.000 Jahren Wüste ist. Und dann ist man mit den Pros schon am Ende. Contras gibt es sehr viele. Dort gibt es Erdbeben, es ist ein vulkanisch aktives Gebiet, man weiß, dass dort im Untergrund vulkanische Quellen sprudeln, das Grundwasser zirkuliert viel schneller als man gedacht hat. Das heißt, all diese geologischen Hindernisse sprachen eigentlich dagegen, überhaupt dort ein Endlager zu errichten, so dass die Experten da gar nicht glücklich mit gewesen sind. Dass man länger als die 10.000 Jahre hinaus kommt – kann man nicht. Das ist eh schon sehr optimistisch, 10.000 Jahre anzunehmen. Das Klima durfte sich nicht ändern. Ja und jetzt ist dieser Sonderweg zum Ende gekommen.

Pasch: Warum die Entscheidung gegen Yucca Mountain gerade jetzt, Dagmar Röhrlich?

Röhrlich: Damit erfüllt Obama ein Wahlversprechen. Das ist die eine Sache. Zum anderen ist so, dass er einen Neustart der Nuklearindustrie möchte, und dafür muss einfach der Weg freigemacht werden. Man muss sich von diesem Yucca Mountain dann befreien, dieser Altlast. Es sollen neue Reaktoren entwickelt werden, neue Reaktorgenerationen, neue gebaut werden. Man will – das hat schon unter Präsident Bush angefangen – alte länger laufen lassen, 60 Jahre Laufzeit. Jetzt denkt man sogar über 80 Jahre Laufzeit nach. Es ist also so eine Art Renaissance der Nuklearindustrie in den USA.

Pasch: Eine ähnliche Diskussion haben wir hier auch. Aber wohin soll denn der Müll stattdessen?

Röhrlich: Auf jeden Fall denkt man im Moment, dass es das Beste wäre, ihn nicht mehr sofort endzulagern, wie das international eigentlich zurzeit so dem gängigen Mainstream-Wissen entspricht, sondern man möchte jetzt erst einmal wiederaufarbeiten, recyclen, um die Masse zu reduzieren. Und was dann noch an hochaktivem Müll da ist, das soll in ein Endlager, das gesucht werden muss rein. Man denkt wieder an Salz, denn man hat bereits ein Endlager im Salz. WIPP heißt das, ist in Carlsbad in New Mexico, und da gehen die Abfälle aus der Waffenproduktion hin. Ist die Frage, ob das vielleicht eine Option ist, nicht dort, aber so etwas Ähnliches zu suchen.

Pasch: Blicken wir hier auf Europa. In Deutschland schlagen wir uns ja auch mit ungelösten Endlager-Fragen rum. Wie sieht es denn da mit der Entsorgung generell aus?

Röhrlich: Ja also in Gorleben ist im Moment noch Moratorium, aber die Arbeiten laufen, dass dieses Moratorium aufgehoben werden kann und dann zu Ende erkundet werden kann oder weiter erkundet werden kann. Ansonsten überlegt man in Deutschland auch noch, ob man nicht vielleicht lieber in den Ton reingeht oder Salz, ein anderer Salzstock. Also da ist man noch in einer Diskussionsphase. In der Schweiz und in Frankreich hat man keine geeigneten Salzstöcke. Dort möchte man in den Ton reingehen. Frankreich hat auch schon einen Standort, Bure. Der wird zurzeit erkundet, und wenn sich da jetzt nichts Negatives mehr zeigt, könnte es sein, dass dieser Standort auch das Endlager dann bekommt. Finnland hat ein[en] Endlager[standort], Schweden auch. Und das ist so im Grunde genommen der Stand international gesehen.

Pasch: Vielen Dank, Dagmar Röhrlich.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk