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StartseiteForschung aktuellEndlich aufgewacht05.08.2010

Endlich aufgewacht

Sonne tritt in aktives Stadium ein

Sonnenforschung. - Unsere Sonne scheint nach einer relativ langen Ruhepause in ein aktiveres Stadium einzutreten. Am Wochenende sorgen gleich zwei Explosionen für Aufsehen. Der Wissenschaftsjournalist Dirk Lorenzen berichtet im Gespräch mit Katrin Zöfel über unseren Stern.

Unsere Sonne erwacht wieder. (NASA)
Unsere Sonne erwacht wieder. (NASA)

Zöfel: Herr Lorenzen, zeigen die Explosionen auf der Sonne an, dass der Stern vor unserer Haustür tatsächlich aktiver wird?

Lorenzen: Die Sonne wird in der Tat aktiver. Sie ist in diesem Minimum relativ lange gewesen, aber schon seit einigen Monaten gibt es klare Anzeichen, dass dieses Minimum vorbei ist, dass eine stärkere Sonnenaktivität bevorsteht. Die Explosionen, die es jetzt gegeben hat, die sind an sich etwas ganz normales, in aktiven Sonnenzeiten gibt so etwas fast jeden Tag. Und auch, dass sich dieser Zyklus angeblich so ungewöhnlich lange, dieses Minimum, so angedauert habe, auch das ist ein bisschen übertrieben. Im Schnitt sind es diese berühmten elf Jahre, aber manchmal geht es auch so schnell wie in nur sieben Jahre, manchmal dauert es 13 Jahre. Also die Sonne lässt sich da nicht ganz so gut ausrechnen. Man ist immer noch im ganz normalen Schwankungsbereich.

Zöfel: Können Astronomen inzwischen erklären, warum die Sonnenaktivität überhaupt schwankt?

Lorenzen: Das wüssten sie gerne. Das ist die berühmte Nobelpreisfrage bei der Sonne. Klar ist nur, es muss irgendwie mit dem Magnetfeld der Sonne zusammenhängen. Denn alle elf Jahre, analog zu diesem Zyklus, polt sich das Magnetfeld der Sonne um und dann dreht sich das durch die Rotation der Sonne so ganz merkwürdig auf. Und dieses Magnetfeld ist wirklich der Schlüssel zum Verständnis der Sonne. Aber es ist eben nach wie vor ein vollkommenes, ein ganz großes Rätsel. Das ist ein bisschen die Ironie der Geschichte: vor wenigen Jahren haben, groß von der Nasa verbreitet, US Astronomen behauptet, sie hätten jetzt verstanden, wie dieser Sonnenzyklus funktioniert. Und sie haben genau für dieses Jahr vorhergesagt, dass es ein ganz extrem starkes Maximum geben sollte. Sie sehen, genau das Gegenteil ist der Fall. Also die Sonne ist ein bisschen eine Diva, die sich nicht vorher berechnen lässt.

Zöfel: Lässt sich denn zumindest inzwischen genau beschreiben, was bei einem Sonnensturm im All passiert?

Lorenzen: Da sind die Astronomen wirklich weiter. Sie wissen nicht genau, was den Sturm verursacht, aber man kann klar beobachten, das sind Wolken aus geladenen, sehr energiereiche Teilchen, Strahlung, die eben bei dieser Explosion auf der Sonne entstehen und dann hinausgepustet werden in das Planetensystem. Diese Wolken sind zum Teil gigantisch groß, manchmal 30 Millionen Kilometer lang und rasen eben in manchmal nur einigen Stunden oder zum Teil in mehreren Tagen auf die Erde zu. Das Tempo ist da zum Teil bei 3000 Kilometer pro Stunde, also viel, viel schneller als jeder Hurricane hier auf der Erde.

Zöfel: Und richtet ein Sonnensturm echten Schaden an?

Lorenzen: Wir selber hier unten auf der Erdoberfläche sind sehr gut geschützt durch das Magnetfeld, das lenkt dann eben die geladenen Teilchen ab, kann dann eben zu den berühmten Polarlichter kommen, weil eben nahe der magnetischen Pole, also in den Polargebieten der Erde weiter im Norden und im Süden, da können dann diese Teilchen aus dem Sonnensturm in tiefere Atmosphäre gelangen und hier eben diese Polarlichter verursachen. Aber wir hier auf der Erdoberfläche bekommen wir erst einmal von der Strahlung nicht ab. Ganz anders ist das wirklich im All, da oben die Satelliten, die sind da durchaus schon sehr bedroht. Also manche Satelliten sollen schon aufgrund von solchen Sonnenexplosionen ausgefallen sein. Es gibt... es machen solche Explosion zum Beispiel auch das Signal von GPS-Satelliten unscharf, deswegen wollen die Astronomen sehr genau sehen, was da wird bei der Sonne passiert und es gibt Theorien, dass es so alle 100 Jahre eine ganz extreme Explosion gibt, und da fürchten manche, so eine Explosion könnte alle Satelliten auf der sonnenzugewandten Seite der Erde zerstören. Also diese Explosion können manchmal sehr, sehr stark sein. Aber in der Regel bekommen wir hier unten auf dem Boden nichts mit, Menschen sind nicht betroffen, es gab mal Stromausfälle, dass es in Kanada, in nördlichen Breiten, einfach durch Wechselwirkungen mit der Elektrik, zu Kurzschlüssen gekommen ist. Aber das ist das Schlimmste, was passieren kann.

Zöfel: Gibt es sind zumindest Warnungen vor solchen Ausbrüchen, dass man die Elektronik vor solchen Explosionen schützen könnte?

Lorenzen: Es gibt so eine Art Wetterbericht, immerhin, aus dem Weltall. Die Astronomen räumen aber selber ein, der ist in etwa auf dem Stand, auf dem der irdische Wetterbericht vor 40 Jahren war, und so ganz grob, man kann sagen, da passiert etwas. Aber man geht jetzt wirklich mit Macht da hinein, viele Satelliten sind gestartet, die Nasa wird noch einige weitere Satelliten starten, die Sonne wird extrem gut überwacht, man sieht jetzt wenigstens, was da passiert: Es wird zu Explosionen kommen, man kann genau vorhersagen, wann die die Erde erreichen. Verstanden hat man immer noch nicht, warum, was also wirklich die physikalischen Ursachen sind. Und da will man eben wirklich hin. Die Nasa sagt eben, man muss verstehen, was dieser Stern vor unserer Haustür macht. Wie leben praktisch an seinem Rand, in seiner Atmosphäre, er spendet uns Leben und Licht, aber er kann uns auch bedrohen. Und deswegen sagt die Nasa: Weitere Satelliten hin, genau verstehen, was bei der Sonne passiert, dann gibt es eben auch ein gutes Warnsystem.

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