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StartseiteUmwelt und VerbraucherDie versteckten Kosten von Kohle und Atomstrom15.01.2015

Energie-StudieDie versteckten Kosten von Kohle und Atomstrom

Der jüngste Orkan "Elon" brachte einen Windstrom-Rekord: Rechnerisch lieferten die Anlagen so viel Windstrom wie 25 Atomkraftwerke. Dennoch gibt es immer wieder den Vorwurf: Die Erneuerbaren sind zu teuer. Eine Greenpeace-Studie widerspricht: Subventionen, Müllentsorgung und Umweltschäden kosten die Stromkunden mehr als die EEG-Umlage.

Von Philip Banse

Das Braunkohle-Kraftwerk der RWE in der Ortschaft Neurath. (picture alliance / dpa /Hans-Joachim Rech)
Preisfrage: Wer ist billiger? Greenpeace hat die versteckten Kosten von Kohle, Gas und Strom berechnet. (picture alliance / dpa /Hans-Joachim Rech)
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Die 258 Windenergie-Anlagen auf Nord- und Ostsee können jetzt mehr als ein Gigawatt Strom produzieren. Das wertet die Windenergiebranche als großen Erfolg. Der Ausbau der Windkraft auf dem Meer laufe sehr gut, sagt Andreas Wagner von der Stiftung Offshore Windenergie, vor allem seien die Probleme beim Anschluss der Windräder ans Stromnetz überwunden. Zwar stünden derzeit immer noch 268 Windräder im Meer, die nicht ans Stromnetz angeschlossen sind, aber:

"Das sind die Altlasten aus der Vergangenheit. Es gab ja massive Verzögerungen bei der Netzanbindung, bei der Fertigstellung der Netzanbindung. Diese Verzögerungen, da erwarten wir, dass die sich in den nächsten Jahren auflösen werden. Und es ist ja auch durch das neue Netzanbindungsregime, das auch in der EEG-Novelle 2014 festgeschrieben worden ist, noch eine stärkere Synchronisation geplant zwischen dem Netzausbau und der Windpark-Realisierung, sodass dieses Problem eigentlich der Vergangenheit angehören sollte."

Gedeckeltes Wachstum

Ende dieses Jahres sollen die deutschen Windräder auf dem Meer nicht wie aktuell ein Gigawatt, sondern drei Gigawatt Strom liefern können. Doch das Wachstum der erneuerbaren Energien ist gedeckelt. Die Bundesregierung hat den Ausbau nach oben begrenzt. Begründung: Die Kosten sollen nicht zu stark steigen. Denn die Kosten für die erneuerbaren Energien zahlen wir alle mit der EEG-Umlage: derzeit gut sechs Cent je Kilowattstunde, die mit jeder Stromrechnung eingezogen werden. Diese Deckelung der erneuerbaren Energien und die Begründung mit zu hohen Kosten seien falsch, sagt Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy, dem Stromunternehmen von Greenpeace:

"Unsere Studie zeigt, dass es umgekehrt richtig ist: Je schneller, je energischer wir die erneuerbaren Energien ausbauen, desto sauberer wird unsere Stromversorgung natürlich, aber sie wird auch günstiger. Die Verbraucher, die Steuerzahler sparen erheblich Geld, wenn die erneuerbaren Energien schnell ausgebaut werden."

Wie das? Die erwähnte Studie ist eine heute vorgestellte von Greenpeace und sie zeigt: Erneuerbare Energien kosten zwar Geld, aber konventionelle Energien sind noch viel teurer. Während aber die Kosten der erneuerbaren Energien für jeden nachvollziehbar in der Stromrechnung auftauchen, seien die Kosten von Strom aus Kohle, Gas und Atomkraft versteckt: Steuervergünstigungen, Umweltschäden, Subventionen, Kosten für Müllentsorgung – all das würde nicht auf der Stromrechnung auftauchen, klagt Swantje Küchler vom Forum Ökologisch-soziale Marktwirtschaft. Deswegen hat sie eine "Konventionelle-Energien-Umlage" errechnet. Was würde also auf der Stromrechnung auftauchen, wenn auch die Mehrkosten von Strom aus Gas, Kohle und Atomkraft dort eingezogen würden?

10,6 Cent versteckte Kosten

"Im Ergebnis haben wir eine Konventionelle-Energien-Umlage von im letzten Jahr 10,6 Cent pro Kilowattstunde, die jetzt in diesem Jahr noch steigen wird voraussichtlich. Und damit ist diese Konventionelle-Energie-Umlage fast doppelt so hoch wie die EEG-Umlage. In Summe können wir hier zeigen, dass die erneuerbaren Energien schon heute günstiger sind als die konventionellen Energien, wenn man eben genau diese versteckten Zusatzkosten einbezieht."

Deswegen sei es falsch, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu drosseln, wie es die Bundesregierung ins Gesetz geschrieben hat. Dabei führe selbst die Bundesregierung in Paragraf 1 des Erneuerbaren Energien Gesetzes an: Die Energiewende sei notwendig, auch weil die konventionellen Energien auf Dauer zu teuer würden, sagt Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy:

"Gleichwohl ist dieser Fakt in der öffentlichen Wahrnehmung immer weiter an den Rand gedrängt worden. Vielen Menschen ist heute gar nicht mehr bewusst, dass konventionelle Energien hohe Kosten verursachen. Es wird nur fokussiert auf die Kosten der erneuerbaren Energien."

Und natürlich hat die Politik auch schon etwas unternommen, um die Nebenkosten der konventionellen Energien auf die Stromrechnung zu bekommen: Der Emissionshandel soll eigentlich dazu führen, dass jede Tonne CO2, die in die Luft geblasen wird Geld kostet und so Gas- und Kohlestrom verteuert. Das Problem sei aber, dass der Emissionshandel nicht funktioniere, sagt Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy. Dass CO2 viel zu billig ist, das sei ein Skandal.

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