Kultur heute / Archiv /

 

"Enormes Potenzial an Spitzenforschung"

Ehemaliger DFG-Präsident lobt Erfolge der Exzellenzinitiative

Wolfgang Frühwald im Gespräch mit Karin Fischer

Blick in ein Labor an der  TU Dresden. Die Hochschule ist jetzt eine "exzellente" Universität.
Blick in ein Labor an der TU Dresden. Die Hochschule ist jetzt eine "exzellente" Universität. (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Der negative Aufruhr über den Kampf der Universitäten um viel Geld und den Titel "Exzellenz" sei einem positiven Eindruck gewichen, sagt Wolfgang Frühwald, Ex-Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Auch die Geisteswissenschaften hätten sich rege "in den Wettbewerb bewegt".

Karin Fischer: Deutsche Universitäten auf dem Weg in die internationale Forschungselite zu fördern, ist das Ziel der Exzellenzinitiative, die immerhin 2,4 Milliarden schwer wiegt. In den vergangenen Jahren gab es Muster, ein deutliches Nord-Süd-Gefälle, der Osten war kaum vertreten. Heute war es wieder so weit. Die Exzellenzuniversitäten – Sie haben das in den Nachrichten gehört – wurden gekürt, und jetzt scheint sich etwas geändert zu haben. Die HU Berlin, die TU Dresden sowie die Unis von Bremen, Tübingen und Köln wurden neu aufgenommen.

Den ehemaligen Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Wolfgang Frühwald, habe ich vor der Sendung gefragt, ob diese Exzellenzkür den Universitäten und der Wissenschaft insgesamt gut getan haben.

Wolfgang FrühwaldWolfgang Frühwald (dpa / picture alliance / Sören Stache)Wolfgang Frühwald: Also die anfänglichen Zweifel sind doch insgesamt einer positiven Einschätzung gewichen, und wenn ich mir vorstelle, dass jetzt endlich auch eine Hochschule aus den neuen Bundesländern, also aus dem Osten Deutschlands, nämlich Dresden, einen enormen Erfolg errungen hat, dass Chemnitz ein Exzellenzcluster hat, dass die Humboldt-Universität Berlin in den Kreis der Elitehochschulen aufgenommen wurde, dann ist das doch ein enormer Wettbewerb und ein enormes Potenzial an Spitzenforschung, das sich langsam über ganz Deutschland zu verteilen beginnt, und ich finde, das kann man nur positiv werten.

Fischer: Ich habe die Ängste früherer Jahre auch schon formuliert: Weil es um viel Geld geht, natürlich, kippt das nicht Evaluierbare auch gern mal hinten rüber, Literaturwissenschaft, Aramäisch, Philosophie. Gibt es diese Gefahr nach wie vor?

Frühwald: Diese Gefahr ist natürlich nach wie vor vorhanden. Ich hatte in meiner aktiven Dienstzeit immer wieder Kollegen getroffen, die stolz darauf waren, zeit ihres Lebens keinen Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft gestellt zu haben. Es hat sich die Zeit verändert. Wenn es um Spitzenforschung geht, geht es um Wettbewerb, und Wettbewerb heißt, dass die Geisteswissenschaften auch mit den Lebenswissenschaften und den Naturwissenschaften konkurrieren.

Es gibt zahlreiche Graduiertenschulen auch in den Geisteswissenschaften, sogar in den Altertumswissenschaften, den Literaturwissenschaften, den Philologien, der Geschichte, der Soziologie. Und der Prozess der Antragstellung, der Prozess, sich in den Wettbewerb hinein zu bewegen, der hat viele Universitäten so in Aufruhr und in Bewegung gebracht, dass ich finde, das ist ein enormer Erfolg dieser Exzellenzinitiative.

Fischer: Manchmal, Herr Frühwald, auch in negativen Aufruhr, denn dieses Programm oder Projekt "Deutschland sucht die Superuni", dieses Ranking hat ja auch tatsächlich zur Folge, dass immer mehr teuer bestallte Uniprofessoren ihre Zeit damit verbringen, sich diese schönen Projekte alle auszudenken. Ist denn schon evaluiert, ob die Antragsprosa sich in exzellenten Forschungsergebnissen niederschlägt?

Frühwald: Das ist noch nicht evaluiert, das muss evaluiert werden. Aber wenn ich bedenke, dass die Gutachtergruppen, die ja nicht nur bewertet haben, was geschieht jetzt in der nächsten Antragsphase, sondern die auch bewertet haben, was ist bisher geschehen, können wir weiter fördern, oder müssen wir eine Förderung einstellen, dass diese Gutachtergruppen zu 87 Prozent aus ausländischen Kolleginnen und Kollegen bestanden, dann halte ich das schon für ein ganz gutes Zeichen für die deutsche Wissenschaft. In diesen Exzellenzclustern und Graduiertenschulen arbeiten insgesamt 17.500 meist junge Leute, und das finde ich doch eine enorme Zahl. Und der negative Aufruhr ist insgesamt doch eher einem positiven Eindruck gewichen.

Ich habe mit vielen Kollegen in letzter Zeit gesprochen, die waren alle ungeheuer gespannt: Schaffen wir es noch mal, oder schaffen wir es nicht mal, schaffen wir es erstmals. Diejenigen, die sich die Mühe der Anträge gemacht haben, die werden, auch wenn sie es nicht geschafft haben, diese Anträge nicht einfach ad acta legen, sondern werden versuchen, die Projekte auch so durchzusetzen. Und ich kann nur sagen, ich gratuliere denen, die es geschafft haben, ganz herzlich und hoffe, dass diejenigen, die es nicht geschafft haben, das nächste Mal dabei sein werden.

Fischer: Wolfgang Frühwald, langjähriger Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zum Exzellenzranking der deutschen Universitäten.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kultur heute

Dennis StockDer Fotograf des jungen Amerika

Eine Frau blickt auf ein Schwarz-Weiß-Bild mit James Dean, der den Times Square entlang geht.

Dennis Stock war lange Zeit ein Unbekannter der Fotografie - dabei sind seine Arbeiten, vor allem die von Filmstars, legendär. Das Aachener Suermondt-Museum zeigt jetzt eine Reihe dieser Werke, darunter Aufnahmen von James Dean und Marylin Monroe - aber auch seine erste große Reportage, die ihm den Durchbruch brachte.

Kultur heute Die Sendung vom 31. Oktober 2014

Dardenne-FilmAuf der Suche nach Solidarität

Die belgischen Brüder Jean-Pierre (l) and Luc Dardenne (r) bei der Vorstellung ihres Films "Zwei Tage, eine Nacht" beim Valladolid International Film Festival in Spanien, aufgenommen am 18.10.2014

48 Stunden bleiben Sandra, um ihre Kollegen davon zu überzeugen, auf ihre Prämie zu verzichten - damit sie ihren Job behalten kann. Der neue Film "Zwei Tage, eine Nacht" von den Dardenne-Brüdern aus Belgien zeigt, wie die Protagonistin Sandra um ihren Job kämpft und dabei in die Lebenswelten ihrer Kollegen eindringt.

 

Kultur

SpanienImmer neue Korruptionsfälle erschüttern das Land

Ein Osborne-Stier, das Markenzeichen von Andalusien und ganz Spanien, steht auf einem Hügel bei Almeria in Andalusien

51 Kommunal- und Regionalpolitiker und Unternehmer aus ganz Spanien hat die spanische Guardia Civil am Montag festgenommen. Sie interessiert sich vor allem für die Auftragsvergabe bei den Kommunen und wirft den Festgenommenen Bestechung vor. Für viele Spanier keine echte Überraschung.

IntegrationRotterdams "Marsch für die Einheit"

Blick auf die Erasmusbrücke in Rotterdam

Vor zehn Jahren wurde der islamkritische Regisseur Theo van Gogh von einem Islamisten in Amsterdam regelrecht hingerichtet. Danach wuchs die Kluft zwischen Alteingesessenen und Zuwanderern in den Niederlanden. Rotterdams Bürgermeister - selbst marokkanischer Abstammung - hat jetzt zu einem "Marsch der Einheit" aufgerufen.

Dardenne-FilmAuf der Suche nach Solidarität

Die belgischen Brüder Jean-Pierre (l) and Luc Dardenne (r) bei der Vorstellung ihres Films "Zwei Tage, eine Nacht" beim Valladolid International Film Festival in Spanien, aufgenommen am 18.10.2014

48 Stunden bleiben Sandra, um ihre Kollegen davon zu überzeugen, auf ihre Prämie zu verzichten - damit sie ihren Job behalten kann. Der neue Film "Zwei Tage, eine Nacht" von den Dardenne-Brüdern aus Belgien zeigt, wie die Protagonistin Sandra um ihren Job kämpft und dabei in die Lebenswelten ihrer Kollegen eindringt.