Forschung aktuell / Archiv /

Entdecker einer Jahrhundertseuche

Aids-Forscher Montagnier und Barré-Sinoussi erhalten Nobelpreis

Die französische Medizin-Nobelpreisträgerin Francoise  Barré-Sinoussi
Die französische Medizin-Nobelpreisträgerin Francoise Barré-Sinoussi (AP)

Nobelpreis. - Die zweite Hälfte des Preises teilen sich die französischen Virologen Francoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier für die Entdeckung des Aids-Erregers. HIV ist für eine der gefährlichsten Krankheiten verantwortlich, die die Menschheit derzeit bedroht. Der Wissenschaftsjournalist Martin Winkelheide ordnet die Entdeckung im Gespräch mit Ralf Krauter ein.

Krauter: Die Ausgangslage für die beiden Forscher am Pariser Institut Pasteur, die war Anfang der 80er Jahre ähnlich komplex. Da gab es die mysteriöse Krankheit, und keiner wusste, was die hervorruft?

Winkelheide: Ja und die Krankheit war ja zum ersten Mal im Sommer 1981 aufgetreten. Und sie zeigte sich als sehr komplex, das heißt, da wurden plötzlich Menschen krank, die vorher gesund waren, die hatten merkwürdige Tumorerkrankungen, die hatten merkwürdige Infektionen, und man suchte natürlich nach der Ursache dieser Krankheit. Relativ schnell war klar, das müsste irgend etwas infektiöses, irgend etwas ansteckendes sein, denn man sah, es waren eben nicht nur homosexuelle Männer betroffen, sondern auch Bluterkranke, die Medikamente bekommen hatten, um die Blutgerinnung wiederherzustellen. Dann Menschen, die Bluttransfusionen erhalten hatten, und insofern wusste man schon, in welche man Richtungen so ungefähr suchen musste, da die Medikamente, die Bluter bekommen hatten, gefiltert wurde, war klar, was musste etwas sein, das kleiner ist als ein Bakterium.

Krauter: Also Bakterien schieden aus. Da blieben dann eigentlich nur noch Viren, oder hätten es auch toxische Chemikalien sein können?

Winkelheide: Es war eine ganze Menge in der Diskussion, also Viren waren in der Diskussion, die Frage war, sind es vielleicht giftigen Stoffe Und Luc Montagnier und Francoise Barré-Sinoussi sind der Virushypothese nachgegangen, und sie haben Material von einem Patienten untersucht, der noch nicht krank war. Er hatte geschwollene Lymphknoten, und man wusste, geschwollene Lymphknoten, das ist sozusagen eine Vorstufe zur Immunschwächekrankheit Aids. Und dann haben sie sich die Zellen in den Lymphknoten genauer angesehen und haben versucht, da eben Virusmaterial nachzuweisen, was ihnen dann mit den schwierigen technischen Möglichkeiten, die man damals hatte, Anfang der 80er Jahre, nachher auch gelungen ist. Und es ist ihnen auch gelungen nachzuweisen, dass dieses Virus sich isolieren lässt, dass es andere nichtinfizierte Zellen krankmachen kann und dass es sich dann auch darin weiter vermehrt.

Krauter: Die entscheidende Arbeit wurde 1983 publiziert, Sie haben es gesagt. Wie ist sie denn damals aufgenommen worden?

Winkelheide: Sie ist kaum zur Kenntnis genommen worden. Mindestens ein halbes Jahr lang, auch in Fachkreisen, denn es gab eben noch konkurrierende Virushypothese, wo man andere Viren in den Vordergrund stellte, dies ja vor allen Dingen bei Lymphzellen, also bei T-Zellen, wie die Wissenschaftler sagen. Und es war nicht ganz klar, meint diese Pariser Gruppe nur eine Untergruppe von diesen Viren. Insofern gab es da noch ein bisschen Verwirrung auch bei der Namensgebung dieser Viren. Und man hat nachher erste sozusagen den Endnamen HIV, humanes Immundefizienzvirus, ein paar Jahre später erst geschaffen.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Forschung Aktuell

Umwelt Messkampagne hinterfragt Luftreinigungs-Theorie

Sonnenstrahlen kämpfen sich durch dunkle Wolken.

Salpetrige Säure ist offenbar doch kein Motor der natürlichen Selbstreinigungsprozesse in der Luft. Das besagt eine Publikation von Dr. Franz Rohrer vom Institut für Energie- und Klimaforschung des Forschungszentrums Jülich.

Abnehmende Artenvielfalt Das getarnte Massenaussterben

Blick auf eine einsame Hütte an einem See.

Eine internationale Forschergruppe hat mehr als 100 Datensätze untersucht, um herauszufinden, wie sich Ökosysteme im Lauf der Zeit verändern. Vor allem auf lokaler Ebene, so die Erkenntnisse, scheinen hinzukommende Arten alte Verluste auszugleichen. Genau das aber könnte den Blick auf das große Ganze verstellen.

Teleskop mit Lichtschutzfaktor Die Leuchtkraft ferner Sterne dimmen

Der kugelförmige Sternhaufen NGC 6388, aufgenommen mit dem Hubble-Weltraumteleskop.

Immer wieder klagen Astronomen darüber, dass das Licht ferner Sterne alles andere in ihrer Nähe überstrahlt. Das macht vor allem die Suche nach exosolaren Planeten schwierig. Denn die sind äußerst lichtschwach. Also warum nicht einfach das Sternenlicht abdecken?