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StartseiteKalenderblattEntdeckung der Neuen Welt20.01.2011

Entdeckung der Neuen Welt

Vor 525 Jahren stellte Christoph Kolumbus sein Seefahrtprojekt vor

In Portugal hatte man ihn verlacht, und so verließ er das. Christoph Kolumbus stellte am 20. Januar 1486 dann dem spanischen Hof seinen Plan vor, Indien auf dem Seeweg nach Westen zu erreichen.

Von Günther Wessel

Eine undatiertes Porträt von Christoph Kolumbus (AP Archiv)
Eine undatiertes Porträt von Christoph Kolumbus (AP Archiv)

Christoph Kolumbus: "Ich nenne mich Cristobal Colón, bin ein Seefahrer aus Genua und muss betteln, weil die Könige die Reiche, die ich ihnen anbiete, nicht annehmen wollen."

So bittet – seinem Biografen Jakob Wassermann zufolge – Christoph Kolumbus im Frühjahr 1485 im Franziskanerkloster La Rábida nahe des südspanischen Palos de la Frontera um Unterkunft. Die Mönche staunen und sind bewegt. Der Fremde und seine Geschichte faszinieren sie.

Kolumbus kommt aus Portugal, wo er, der gebürtige Genuese, die letzten acht Jahre gelebt hat. Als Seefahrer, dann habe er das Land verlassen, weil der portugiesische König João II. seinem Vorschlag nicht folgen wollte. Er habe dem König empfohlen, statt nach Süden um Afrika herum nach Indien zu segeln, seine Karavelle einfach nach Westen zu schicken. So würden sie schneller an die Ostküste Asiens gelangen. Doch wie Kolumbus in einem Brief schrieb:

"Der Herr verschloss König João Augen und Ohren, um ihn nicht verstehen zu lassen, was ich sagte."

Der portugiesische Hofchronist João de Barros sieht das anders. Er meinte, Kolumbus habe

"mit dem, was er sagte, eher überspannt und fantasiebesessen als präzise gewirkt."

Zwei Klosterbrüder in La Rábida finden Kolumbus Ideen nicht so abwegig. Prior Pater Juan Pérez und Pater Antonio de Marchena, die beide gute Kontakte zum spanischen Hof haben, diskutieren tagelang mit Kolumbus und einigen Seefahrern. Kolumbus berichtet von Beobachtungen auf Madeira, von fremden roten Holzstücken, die weit westlich im Wasser trieben, und zwei Leichen, die auf einer Azoreninsel angespült wurden und nicht wie Europäer aussahen.

Sie sprechen über die Behauptung des Aristoteles, dass man den Ozean zwischen Gibraltar und Asien innerhalb weniger Tage durchsegeln könne. Kolumbus zeigt Briefe des Mathematikers Paolo dal Pozzo Toscanelli aus Florenz, in denen dieser die Entfernung von Portugal bis nach Cipangu – dem heutigen Japan – mit etwa 4000 Seemeilen angibt, was in etwa der Strecke von Portugal bis nach Südwestafrika entspricht. In der "Imago Mundi" des Kardinals Petrus von Ailly heißt es sogar, dass zwischen den Kanarischen Inseln und Cipangu nur 58 Längengrade lägen – was laut Kolumbus' Rechnung in etwa 2700 Seemeilen sind.

Christoph Kolumbus: "Es ist offensichtlich, dass man mit günstigem Wind das Meer in wenigen Tagen durchqueren kann",

kritzelt der Seefahrer an den Rand des Buches. Und dann folgt Kolumbus stärkstes Argument für die Franziskanerbrüder. Der Seefahrer verweist auf die Bibel. Im Buch Esra des Alten Testaments heißt es, dass die Welt zu sechs Teilen aus Land und zu einem Teil aus Wasser besteht. Sie sind sich einig: Asien kann nicht weit sein, die Erde ist nicht groß, das Meer klein.

Durch die Vermittlung der Brüder und des Herzogs von Medinaceli bekommt Kolumbus tatsächlich einen Termin am spanischen Hof. Wenn er sich einbildet, direkt mit dem Königspaar sprechen zu können, dann hat er sich geirrt. Ihn empfängt am 20. Januar 1486 Alonso de Quintanilla, der Verwalter der Krongüter. Kolumbus erklärt sein Vorhaben, und der Verwalter vermittelt schließlich ein Treffen mit dem Königspaar, über das Andrés Bernáldez, Hofchronist und ein Vertrauter von Kolumbus, schrieb:

"Er erzählte ihnen, was er sich ausgedacht hatte. Und sie schenkten ihm nicht viel Glauben. Er sprach mit ihnen und beteuerte, dass das, was er sagte, wahr sei und er zeigte ihnen die Weltkarte. Auf diese Weise weckte er in ihnen den Wunsch, von diesen Ländern sprechen zu hören."

Es dauert weitere sechs Jahre, bis der Spanische Hof sich wirklich entschließt, Kolumbus Entdeckungsreise zu finanzieren. Wir wissen, dass seine Entfernungsangaben nicht stimmten, da er zwei gewaltige geografische Fehler beging: Er unterschätzte den Umfang der Erde und überschätzte die Ausdehnung des Doppelkontinents Eurasien. Das Ergebnis ist bekannt: Kolumbus entdeckte die Neue Welt und machte Spanien dadurch reich und mächtig. Der Seefahrer selbst glaubte, wirklich nach Asien gesegelt zu sein. Sein Irrtum hielt ihn gefangen - bis ans Ende seiner Tage.

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