Kommentar /

 

Entscheidungsgesetz wichtiger Schritt weiter

Neuregelung der Organspende entlastet Angehörige

Von Carsten Schroeder, Deutschlandfunk

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zeigt in Berlin einen Organspendeausweis.
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zeigt in Berlin einen Organspendeausweis. (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)

Einen wichtigen und richtigen Schritt weiter ist der Bundestag mit der Neuregelung der Organspende gegangen. Die persönliche Entscheidung des Einzelnen, im Falle seines Hirntodes seine noch funktionierenden Organe einem anderen Menschen zu schenken, damit der weiterleben kann, ist so schwierig und vielschichtig, dass man sich ihr normalerweise nicht stellen mag.

Deswegen ist es richtig und hilfreich, wenn durch die Neuregelung der Einzelne dazu angehalten wird, sich für oder gegen eine Organspende auszusprechen.

Ob aber das zentrale Problem, dass nämlich zu wenig Organe für die Patienten auf den Wartelisten zur Verfügung stehen, durch diese Neuregelung innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre gelöst wird, ist mehr als zweifelhaft. Mehr Organspendeausweise bedeuten nicht automatisch mehr Organspender! Zum einen muss man erst einmal die Entscheidungen der Einzelnen abwarten, zum anderen wird nicht automatisch jeder, der einen Ausweis hat, damit auch zum Organspender. Voraussetzung für eine Organentnahme ist in Deutschland die Feststellung des Hirntodes. Das bedeutet: Das Gehirn ist tot, aber die Körperfunktionen werden noch aufrecht erhalten. Meistens betrifft das Patienten auf der Intensivstation.

Obwohl nur die wenigsten hirntoten Patienten bislang einen Organspendeausweis besaßen, wurden auch ihnen Organe entnommen. Die Entscheidung dafür trafen dann die Angehörigen. Es ist eine der Schwierigsten, die man einem Ehepartner oder Eltern zumuten kann: In einer absoluten Ausnahmesituation, auf einer Intensivstation, im Anblick des völlig lebendig wirkenden Körpers, dessen Funktionen künstlich aufrecht erhalten werden und der noch warm ist, die vermutliche Haltung des Versterbenden zu erahnen und gegebenenfalls zu sagen: "Ja, wir verabschieden uns. Und die Organe unseres Partners oder Kindes sollen einem anderen das Leben retten."

Die meisten haben sicherlich im Sinne des verstorbenen Angehörigen entschieden, auch ohne Organspendeausweis.

Dieser Weg wird zukünftig seltener notwendig werden, weil mehr Patienten zu Lebzeiten ihren grundsätzlichen Willen erklärt haben werden. Das erleichtert es Ärzten und Angehörigen, im Sinne des Verstorbenen zu handeln, aber es werden deswegen in der Summe nicht zwangsläufig mehr Organe gespendet.

Der Vorteil des Organspendeausweises ist ein anderer: Er entlastet die Angehörigen bei einer der schwierigsten Gewissensfragen ihres Lebens, denn er gibt ihnen die Gewissheit, den Willen des Verstorbenen zu erfüllen.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kommentar

Internet-AgendaIm digitalen Märchenland

Zahlreiche Glasfaserkabel unter anderem zur Übertragung von Hochgeschwindigkeitsinternet.

Die Bundesregierung will Deutschland zum IT-Standort Nummer eins machen. Dazu haben gleich drei Ministerien eine "Digitale Agenda" vorgestellt. Konkrete Lösungen fehlen darin. Die Überwachungsproblematik wird komplett ausgespart. Was bleibt, sind wolkige Absichtserklärungen, kommentiert Stefan Römermann.

WaffenlieferungenEntscheidung darf kein Dammbruch sein

Der Raketenwerfer Milan bei einer Heeresübung.

Selten fällt die Argumentation für militärische Unterstützung so leicht wie derzeit. Die Regierung kann Waffenlieferungen offen kommunizieren - dies war nicht immer der Fall. Dennoch bleibt eine besonnene Prüfung auch künftig Maßstab des Handelns, kommentiert Rolf Clement.

Rüstungsexporte Gabriel unter Druck

Sigmar Gebriel

Mit seiner Absicht, künftig weniger Waffenexporte zu genehmigen, zertrümmert Sigmar Gabriel die Rüstungsindustrie, heißt es bei der Union. Die Skrupel, die der SPD-Minister bei Waffenexporten empfindet, wünscht man sich auch bei Politikern aus den Parteien, die das "C" im Namen führen, kommentiert Theo Geers.