Montag, 18.12.2017
StartseiteCampus & KarriereEuropäischer Geist im Klassenzimmer15.06.2017

Erasmus+ für SchulenEuropäischer Geist im Klassenzimmer

Austauschen, gemeinsam arbeiten, sich besuchen: Über die Online-Plattform eTwinning können Schüler aus ganz Europa miteinander in Kontakt treten. Das von Erasmus+ geförderte Partnerschul-Programm unterstützt zudem Lehrer dabei, länderübergreifenden Unterricht durchzuführen.

Von Stephan Beuting

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Schüler der vierten Klasse der Grundschule "Wilhelm Busch" Altenburg sitzen in Altenburg (Thüringen) in einem interaktiven Klassenzimmer vor ihren Laptops.  (dpa / picture alliance / Marc Tirl)
Ob aus Spanien, Türkei, Polen, Litauen oder Italien: Über die Online-Plattform eTwinning lernen Schüler aus ganz Europa gemeinsam in Projekten (dpa / picture alliance / Marc Tirl)

"Es ist dunkel, es ist Kriegslärm, und viele Menschen liegen auf der Bühne, Schüler in schwarz gekleidet, die dann nach und nach aufstehen und mit ganz einfachen Sätzen sagen, nie wieder Krieg, wir wollen endlich wieder unsere Häuser aufbauen." Susanne Gründler, Lehrerin aus Mönchengladbach. Sie hat gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern ein Musical auf die Bühne gebracht. Das Thema: Die Geschichte der EU, der Titel: "Join us and move"

Partnerschulen finden via Internet zusammen

Mitmachen, sich bewegen, etwas bewegen. Wenn Europa groß und weit weg scheint und nicht so richtig zu packen ist, dann will das Musical das Ganze plastisch machen und den Schülern die Möglichkeit geben, selbst Erfahrungen zu sammeln.

Susanne Gründler hat schon viele Projekte an ihrer Schule begleitet und dabei gemerkt, dass das immer wieder gelingt. "Durch diese Auseinandersetzung auf der musikalischen Ebene haben die viel mehr Fragen gestellt als sonst jemals im Politik und Geschichtsunterricht. Und sind sehr interessiert gewesen an der neueren Entwicklung eben auch." 

Ob nun aus Spanien, Türkei, Polen, Litauen, Italien, die Schülerinnen und Schüler pflegen Kontakte, besuchen sich, arbeiten über die Entfernung hinweg am Konzept, treffen sich in verschiedenen Ländern und tauschen sich aus. Die richtigen Partnerschulen zu finden, Kontakt aufzubauen und zu halten, dabei hilft Ihnen das eTwinning-Programm im Internet. Das ist eine Art Partnerbörse für Schulen, eine Art Facebook fürs Sprachenlernen und Projektebearbeiten, und zugleich ein Cloud-Dienst für Lehrer, die dort Unterrichtsmaterialien für länderübergreifenden Unterricht finden. 

Erasmus-Projektanträge noch immer kompliziert

"Also im Kern geht es bei Erasmus-Projekten um Austausch zwischen den Schulen und den Menschen, die dort beschäftigt sind." Ulla Ondratschek, Grundschullehrerin aus Berlin. Der Titel ihres Erasmus-Projekts: Back to our future.

"Alle konnten Terra Preta machen, die Erde, die die Indianer machen, alle wussten Bescheid über die Erdbeeren in Rumänien, wir wissen wie die italienischen Kinder arbeiten, dieses vielfältige Wissen können wir nie in einen normalen Unterricht packen und das wird gewährleistet durch diese Erasmus-Geschichte, die wir gemacht haben. "

Die Anträge für Erasmus seien mitunter kompliziert und langwierig, die Dokumentation der Projekte extrem aufwendig. Wenn die Schulen Geld für Reisen und Projekte wollen, bedeute das viele Stunden Papierkram. Die Lehrer, die sich in dem Bereich engagieren, machten viel zusätzlich, das müsse eben noch besser werden, sagt Ulla Ondratschek, aber: "Wenn man drin ist merkt man, wie gut das Ganze ist, diese Kinder sind unglaublich gewachsen, an diesem Projekt."

Weiterbildung auch für Lehrer

Christian Rydberg von der Uni Malmö ist auch ein Teil von Erasmus+ und hilft Lehrern dabei, besser zu werden. Die europäische Vielfalt hilft ihm dabei. "Wer besser lehren möchte, muss seine eigenen Überzeugungen und Vorgehensweisen reflektieren. Gerade die Dinge, die man für selbstverständlich hält."

Christian Rydbergs Beispiel: Schwedische Lehrer seien in Diskussionen immer bemüht, neutral zu sein. Das habe Vorteile, aber auch Nachteile. Für kroatische Lehrer sei es dagegen selbstverständlich, eine Meinung zu haben und auch dazu zu stehen. Im Austausch miteinander könnten beide lernen, in welchen Situationen, bei welchen Themen die eine oder die andere Strategie besser funktioniert.

"Diese Verhaltensmuster im Bereich Erziehung und Lehre ändern, das geht nur in ganz kleinen Schritten."

Aber wer den langen Atem hat und dreißig Jahre lang kleine Schritte geht, der kann, das zeigt Erasmus, am Ende einiges bewegen.



 

 

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