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StartseiteVerbrauchertippRechtzeitig Testament ändern oder aufsetzen28.03.2017

Erbrecht bei Trennung und ScheidungRechtzeitig Testament ändern oder aufsetzen

Die Ehe ist gescheitert, die Ehepartner haben sich getrennt. Stirbt einer von ihnen, wird der andere in der Trennungsphase Erbe. Das ist vielen scheidungswilligen Paaren nicht bewusst. Wollen sie das nicht, müssen sie handeln. Es gibt Feinheiten zu beachten.

Von Hilde Braun

Symbolfoto zum Thema Scheidung, aufgenommen am 26.02.2007. (picture alliance / dpa report / MAXPPP / BERTRAND BECHARD)
Wer nicht will, das der Ex-Partner während der Trennung oder nach dem Tod Vermögen erbt, muss handeln. (picture alliance / dpa report / MAXPPP / BERTRAND BECHARD)
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Hat ein Ehepartner in früheren Zeiten ein Testament gemacht und will dieses ändern, kann er es widerrufen, soweit er es allein verfasst hat. Aber er sollte sich beeilen, erklärt Notar Klaus Peter Lindow:

"Sobald klar ist, die Trennung ist endgültig, sollte man handeln. Das würde ich unbedingt vor Ablauf des Trennungsjahres tun, gerade das Trennungsjahr bis der Scheidungsantrag beim Gericht platziert ist, ist gerade die gefährliche Phase, wo jemandem was zustoßen kann und der Noch-Ehegatte erbt."

Widerruf bei einem gemeinsamen Testament möglich

Bei einem gemeinsamen Testament wird der Widerruf komplizierter. Reden die Eheleute noch miteinander und sind sich einig, können sie das Testament gemeinsam aufheben. Wenn der andere nicht dazu bereit ist, hat der andere Ehepartner aber doch noch eine Möglichkeit sich von dem gemeinsamen Testament zu lösen. Er muss ein Widerrufstestament machen, dieses muss vom Notar beurkundet werden.

"Und dieser Widerruf – notariell beurkundet, muss dann dem Anderen förmlich zugestellt werden."

Testament muss vollständig handschriftlich sein

Liegt kein Testament vor, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft, das heißt, der Noch-Ehepartner wird neben Kindern und Eltern Miterbe. Will man das verhindern, sollte man in der Trennungsphase ein Testament erstellen, in dem der Noch-Ehegatte nicht bedacht wird. Das geht entweder beim Notar oder so:

"Man kann es auch privat schriftlich erstellen. Ganz wichtig ist dann, dass das Testament vollständig handschriftlich geschrieben, mit Ort, Datum und Unterschrift. Also bloß nicht eine Mischform wählen, mit Computerausdruck und Unterschrift, das ist formunwirksam – ein nichtiges Testament."

Erb-Reihenfolge kann man festlegen

Will man, dass die Kinder erben und der Ehegatte nicht zum Zuge kommt, kann er trotzdem noch Erbe werden, und zwar in dem unglücklichen Fall, bei dem das Kind noch vor dem Ehegatten stirbt. Doch auch dieses Erbe lässt sich verhindern. Der Vorgang ist jedoch so kompliziert, dass unbedingt ein Notar zu Rate gezogen werden sollte, rät Rechtsanwältin Sybille Köhnen:

"Das kann man dann eben machen, beispielsweise mit der Anordnung von Vor und Nacherbschaft. Das heißt, das man bestimmt, erst erbt mein Kind und nach dem Tode meines Kindes erbt irgendeine andere Person, die man bestimmt hat."

Verzicht auf Pflichtteil muss auch beurkundet werden

Dennoch hat der ehemalige Ehegatte in diesem Fall ein Anrecht auf den sogenannten Pflichtteil. Dieser kann nur ausgeschlossen werden, wenn der Ehegatte erklärt, dass er darauf verzichtet und auch das muss notariell beurkundet werden, erklärt Rechtsanwältin Sybille Köhnen:

"Gegen den Willen des Pflichtteilsberechtigten, geht das gar nicht, denn das ist ja gerade der Sinne und Zweck des Pflichtteils, gegen seinen Willen kann man diesen Pflichtteil nicht ausschließen."

Nach Scheidung das gemeinsame Testament widerrufen

Sind die Eheleute geschieden und haben ihr jeweiliges Testament oder ihr gemeinsames Testament nicht widerrufen, sollten sie auch in diesem Fall handeln. Denn auch nach der Scheidung kann der ehemalige Ehepartner Erbe werden. Das ehemalige Testament könnte in diesem Fall doch noch wirksam werden, weil ein sogenannter Fortführungswille angenommen wird. 

"Es gibt Konstellationen wo die Rechtssprechung nichts desto trotz sagt: Es ist anzunehmen, dass der Erblasser an dem Testament hätte festhalten wollen, und wenn man jegliche Problematik in diese Richtung ausschließen will, dann unbedingt müsste dieses Testament - wenn es nicht vorher schon aus der Welt geschafft wurde - dann aus der Welt geschafft werden, eben mittels Widerruf und Neuerrichtung eines Testaments."

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