• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
StartseiteCorso"Es stellen sich Gedanken an ein Rentnerdasein ein"09.05.2016

Eric Burdon wird 75"Es stellen sich Gedanken an ein Rentnerdasein ein"

Einst sang der Brite Eric Burdon in den Bands "The Animals" und "War". Er war mit Jimi Hendrix befreundet und sang ein Duett mit Udo Lindenberg - nun wird er 75. Den Geburtstag wird er vor allem seiner Frau zu Liebe feiern, erzählt Burdon im Corso-Gespräch.

Eric Burdon im Corso-Gespräch mit Uli Kniep

Eric Burdon 2013 mit seiner Band "The Animals" beim Bejar Blues Festival in Spanien. (dpa / Jm Garcia)
Eric Burdon, Frontsänger der "Animals" feiert seinen 75.Geburtstag. (dpa / Jm Garcia)
Mehr zum Thema

Gitarrist Joe Bonamassa Bluesrock im Mainstreamgewand

Warren Haynes neues Album Bluesrock, Folk und filigrane Gitarrensoli

Uli Kniep: Mister Burdon, seit weit über 50 Jahren sind sie trotz eines Asthma-Handicaps eine der verlässlichen Stimmen des Bluesrock. Als 1964 aber die Ballade vom "House Of The Rising Sun" fast über Nacht zum internationalen Hit avancierte, war das eine Überraschung! Chancen, überhaupt veröffentlicht und im Radio gespielt zu werden.

Eric Burdon: Ich kannte das Stück schon seit etlichen Jahren von Folkmusikern und auch von Bob Dylan. Aber schon wegen der Länge von fast fünf Minuten schien es unmöglich, den Song in die Hitparaden zu bekommen. Außerdem schickte sich das Thema nicht: Niemand hatte sich vorstellen können, einen Text über ein Freudenhaus als Single herauszubringen. Entscheidend war dann, dass wir einen Auftritt in der TV-Sendung "Top Of The Pops" bekamen, weil die Redakteure dort auf die Animals standen. Und wenn du Freitagabends im Fernsehen auftratst, konntest du beinahe sicher sein, dass deine Platte anderntags gut verkauft wurde!

Kniep: Sie wurden am 11. Mai vor 75 Jahren im Arbeiterviertel von Newcastle geboren, und schon früh reifte der Wunsch, aus der tristen Umgebung in die weite Welt zu kommen.

Burdon: Ich wurde 1941 im Krieg geboren und das Hospital wurde bombardiert! Außerdem ist Newcastle eine graue regnerische Stadt. So wollte ich hinaus und als ich in Amerika ankam, liebte ich sofort den Strand, die kalifornischen Mädchen, den blauen Himmel und sogar die Wüste! All das ließ mich die negativen Seiten vergessen, obwohl ich geschockt war vom Rassismus in den Südstaaten. Ich kannte ja die Berichte über den Ku-Klux-Klan und die Polizei, die die Schwarzen jagte.

Summer of Love und Jimi Hendrix

Kniep: Umso mehr waren Sie empfänglich für den Traum der Hippies im sogenannten Summer Of Love als sie 1967 beim Festival von Monterey vor einem gemischtrassigen, friedlichen Publikum zusammen mit Otis Redding, The Mamas and the Papas, Jefferson Airplane, The Who und Jimi Hendrix auftraten.

Burdon: Nichts sollte das Monterey Festival toppen können. Ich flog gemeinsam mit Brian Jones und Jimi Hendrix von London Heathrow nach Kalifornien, und wir hatten eine riesige Party an Bord und eine große Zukunft vor uns, wie wir glaubten. Wir waren voller Ideen, und für Jimi war es die erste Heimkehr als Hendrix, zuvor war er ja relativ unbekannt als Jimmy James in New York aufgetreten. Nun brachte Jimi den elektrifizierten Blues Rock zurück in seine Heimat!

Kniep: Sie waren mit Jimi Hendrix schon während dessen Londoner Zeit befreundet. 1969 sollten sie ihn dann ebendort zum letzten Male sehen.

Burdon: Ich hatte gehört, dass Jimi in der Stadt war, und dass es ihm nicht gut ginge. Ich schlug also vor, er solle zum Auftritt mit meiner Band "War" kommen. Es hatte Gerüchte gegeben, dass er mit Heroin zu schaffen hatte. Ich wollte das nicht glauben, denn er war nicht der Typ für diese destruktive Droge, er war eher eine Person, die nach dem Licht strebt. Aber er sah wirklich aus wie ein Geist. Rund 30 Stunden später war er tot.

"Ich wollte zurück nach Europa"

Kniep: In dem Song "27 Forever" haben sie 2013 an die verstorbenen Rockhelden erinnert. Sie gehören zu den Überlebenden, doch geradlinig verlief auch ihre Karriere nicht. Ihre Odyssee führte sie Mitte der 70er-Jahre nach Hamburg – wie kam das?

Burdon: Ich wollte aus verschiedenen Gründen Amerika verlassen und zurück nach Europa. Ich stand damals auf große Autos und hatte meinen Wagen mit Allradantrieb von Kalifornien nach Bremerhaven kommen lassen. Als ich ihn an der Kolumbus Kaje abholte, wusste ich zunächst nicht wohin. Dann aber sah ich die Bronze Statue von Elvis Presley, der ja auch in Bremerhaven angekommen war. Er zeigte in Richtung Hamburg, also fuhr ich dort hin! In der Chicago Bar traf ich auf ein Filmteam. Sie drehten eine Dokumentation über Udo Lindenberg, und der Regisseur fragte mich, ob ich mit Udo spontan ein Duett singen würde. Das tat ich, und fortan war ich ein Rockstar in Deutschland!

Knieb: Nach etlichen Stationen in Europa haben sie sich mit ihrer griechischen Frau wieder in Amerika niedergelassen. Sind sie dort nun heimisch geworden?

Burdon: Wir haben seit einigen Jahren ein eigentlich sehr schönes Haus in Kalifornien, aber noch immer ist es kein wirkliches Zuhause für mich. Dazu bin ich noch zu viel unterwegs. Außerdem stellen sich Gedanken an ein Rentnerdasein ein, an das ich mich noch nicht gewöhnen mag. Was werde ich dann tun: Bleibt nur noch die Gartenarbeit, weil ich kein Motorrad mehr fahren kann? Dann macht man so dumme Sachen, kauft sich ein dickes Auto wie ich es einst hatte, als ich in der Wüste lebte. Eigentlich aber ist das vollkommen nutzlos und wohl nur der Versuch, vergangene Zeiten zurückzukaufen. Das aber geht nun mal nicht!

Knieb: Eric Burdon, vielen Dank für dieses Gespräch – werden sie ihren 75. Geburtstag groß feiern?

Burdon: Eigentlich hatte ich mir gesagt, jenseits der 45 gäbe es eigentlich keinen Anlass mehr zu feiern. Aber meine Frau sieht das anders, und da man seine Frau nicht enttäuschen soll, wird es wohl eine Party geben. Und das Sprichwort, das Keith Richards neulich zitierte, trifft auf mich ebenso zu: Hätte ich gewusst, dass ich so alt werde, hätte ich gesünder gelebt.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk