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StartseiteKalenderblatt"Es gibt in meiner Musik den Glauben"10.12.2008

"Es gibt in meiner Musik den Glauben"

Vor 100 Jahren wurde der französische Komponist Olivier Messiaen geboren

Ohne ihn wäre die Geschichte der Musik nach 1945 wohl anders verlaufen. Doch der vor 100 Jahren in Avignon geborene Komponist Olivier Messiaen ist nicht nur der "Erfinder" der seriellen Musik, sondern er ist mit seinen Klavier- und Orgelwerken, seiner Oper "Saint Francois d'Assise" und den großen Orchester-Fresken einer der meist gespielten und beliebtesten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Getragen wurde Messiaens Schaffen durch seinen Glauben.

Von Michael Stegemann

Messiaens Klavier-Etüde "Mode de valeurs et d'intensités" gab den Anstoß zum seriellen Komponieren. (Stock.XCHNG / Stefan Kuemmel)
Messiaens Klavier-Etüde "Mode de valeurs et d'intensités" gab den Anstoß zum seriellen Komponieren. (Stock.XCHNG / Stefan Kuemmel)

"Es gibt in meiner Musik den Glauben. Ich bin Christ und Katholik, und natürlich habe ich versucht, meinen Glauben in meiner Musik auszudrücken, theologische Wahrheiten zu vermitteln. Wenn Sie so wollen, könnte man das eine Botschaft nennen."

Alles bei Olivier Messiaen steht im Zeichen des Glaubens. Vom ersten Orgelwerk des 20-Jährigen - "Le Banquet céleste", "Das himmlische Gastmahl" - bis zur letzten, kurz vor seinem Tod, am 27. April 1992, vollendeten Komposition "Streiflichter über das Jenseits", "Éclairs sur l'Au-Delà" ist das Oeuvre des am 10. Dezember 1908 in Avignon geborenen Franzosen das eines bekennenden Katholiken. Die Quellen und Vorbilder freilich, aus denen sich seine Inspiration speist, sind ebenso vielfältig wie heterogen: Gregorianik und javanische Gamelan-Musik, antike Versmaße und indische Metren, Vogelstimmen - von denen er Hunderte in seinen Werken verarbeitet hat -, Monteverdi und Mozart, Berlioz und Wagner, Debussy und Ravel. Dabei ist seine musikalische Sprache alles andere als eklektizistisch,…

"...wenn sie auch manchen Hörer im Zweifel lässt, ob ihre geistigen Wurzeln nach Indien, Lourdes oder in ein fantastisches Filmland führen,"

so der Musikkritiker Hans Heinz Stuckenschmidt. Fest steht jedenfalls, dass Olivier Messiaen als Komponist, Organist, Pianist und Lehrer die Musik nach 1945 geprägt hat, wie kaum ein anderer.

Die beiden Konstanten seines Lebens und Schaffens waren das Organistenamt an der Pariser Église de la Sainte-Trinité, das er von 1931 an sechs Jahrzehnte lang bekleidete, und die 37 Jahre seiner Lehrtätigkeit am Pariser Conservatoire, wo Komponisten wie Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen oder Iannis Xenakis zu seinen Schülern gehörten.

Seine Klavier-Etüde "Mode de valeurs et d'intensités" gab 1949 bei den "Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik" den Anstoß zum seriellen Komponieren - auch wenn sich Messiaen selbst bald wieder von dieser Richtung distanzierte.

Neben Klavierzyklen und Orgelwerken, Liedern und Kammermusik gehörte Messiaens große Liebe dem Orchester und seiner schier grenzenlosen Farbenpracht der Klänge. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit der Bostoner Uraufführung seiner zehnsätzigen "Turangalîla-Symphonie", unter der Leitung von Leonard Bernstein.

Mehr als einhundert Musiker, mehr als 400 Partitur-Seiten, mehr als zweieinhalb Tausend Takte Musik: Messiaen wird der "Megalomanie" seiner "Turangalîla-Symphonie" zeit seines Lebens treu bleiben, bis hin zu der monumentalen Oper "Saint-François d'Assise" und Orchester-Zyklen wie "Des Canyons aux Étoiles" oder den "Éclairs sur l'Au-Delà".

"Natürlich bringt ein so großes Werk praktische Probleme mit sich und Geldprobleme, aber ich glaube, der Komponist sollte sich nicht darum kümmern: Er muss tun, was er für richtig hält - trotz aller Schwierigkeiten."

"Ad maiorem Dei gloriam", "Zur höheren Ehre Gottes". Und doch muss man wohl weder Katholik noch überhaupt gläubig sein, um Olivier Messiaens Musik zu verstehen und zu lieben.

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