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StartseiteForschung aktuell"Es war halt dieser harte Konkurrenzkampf"04.10.2011

"Es war halt dieser harte Konkurrenzkampf"

Astronom über die Arbeit der drei Physik-Nobelpreisträger in ihren zwei Gruppen

Drei Wissenschaftler aus zwei verschiedenen Forschungsgruppen bekommen den Nobelpreis für Physik. Beide Gruppen haben die Expansion des Universums erforscht. Der Astronom Bruno Leibundgut ist Teil einer dieser Arbeitsgruppen. Er berichtet, dass beide Parteien zwar im Konkurrenzverhältnis zueinander standen, jedoch auch gegenseitiger Austausch stattfand.

Bruno Leibundgut im Gespräch mit Christiane Knoll

Hier forschten beide Gruppen: Teleskope auf dem Berg Paranal in Chile.  (ESO)
Hier forschten beide Gruppen: Teleskope auf dem Berg Paranal in Chile. (ESO)

Christiane Knoll: Mit Bruno Leibundgut vom Eso in Garching sind wir jetzt verbunden. Guten Tag Herr Leibundgut.

Bruno Leibundgut: Guten Tag.

Knoll: Erst einmal herzlichen Glückwunsch auch Ihnen. Sie sind Teil der Arbeitsgruppe um Brian Schmidt und Adam Riess. Dieser Preis gehört ja auch ein ganz klein wenig Ihnen.

Leibundgut: Ja, vielen Dank. Der gehört uns allen. Es ist schon spannend das zu hören, wenn man ein Leben lang auf etwas hingearbeitet hat, dass dann so etwas auch wirklich anerkannt wird.

Knoll: Wussten Sie in den Anfängen, dass Sie auf einen großen Umsturz hinarbeiten könnten?

Leibundgut: Nein, absolut nicht. Also wir haben ein Experiment zusammengestellt, das darauf ausgelegt war - wie schon erwähnt - die Ausdehnung, die Abbremsung der Ausdehnung zu messen, um damit die Materiedichte des Universums zu bestimmen. Das war damals eine ziemlich große Frage. Das Experiment selber war auch sehr gut. Das hat das .... ursprünglich vorgeschlagen und wir haben das dann auch, wenn Sie wollen, nachgemacht. Dass dann aber eine Beschleunigung daraus kommt, das konnte niemand erwarten.

Knoll: Wie muss man sich Ihre Arbeit konkret vorstellen? Haben Sie am Computer gearbeitet? Waren Sie unter der Kuppel tätig?

Leibundgut: Beides. Die Arbeit für den Beobachter sieht so aus, dass sie typischer Weise Beobachtungszeit beantragen. Und dann bekommen Sie die Beobachtungszeit zugesprochen. Und dann fahren Sie dann in meinem Fall nach Chile zur Eso nach Paranal oder nach La Silla und verbringen dann die Nächte da am Teleskop. Da ist man zwar nicht mehr in der Kuppel selbst, aber direkt am Teleskop an einem Computer und macht dann die Beobachtungen da.

Knoll: Es ist ja kein Geheimnis, dass es eine große Konkurrenz gab zu der Arbeitsgruppe von Saul Perlmutter. Wir haben Perlmutter vorhin auch telefonisch erreicht und ihn dazu gefragt. Hören wir uns erstmal an, was er sagt:

O-Ton Saul Perlmutter: Ein harter Wettbewerb war es vor allem in der Phase, als wir die ersten Messungen durchführten. Wir arbeiteten in unabhängigen internationalen Teams. Einig waren wir uns nur über die Techniken, die unsere Entdeckungen ermöglichten. Beide Teams mussten die Beobachtungen und Ergebnisse geheim halten. Andererseits ergänzten wir uns auch. Hatte die eine Seite schlechtes Wetter, versuchte die andere oft zu helfen. Wir wussten schließlich, wie schwierig unsere Aufgabe war - bei gutem und bei schlechtem Wetter.

Knoll: Das hört sich jetzt nicht so hart an. Es ist aber bekannt, dass es zum Teil heftige Kämpfe gab zwischen den beiden Gruppen. Wie sehen Sie das?

Leibundgut: Ich würde nicht behaupten, dass es Auseinandersetzungen gegeben hat. Der Saul hat das sehr schön beschrieben. Es gab diese Konkurrenz. Jeder wollte der erste sein oder jede Gruppe wollte die erste sein, die halt das Resultat zusammenbringt. Saul Perlmutter und seine Gruppe hatten einen gewissen Vorsprung. Die hatten zum Beispiel sieben Supernovae schon 1992 publiziert, 1995 publiziert. Wir hatten da noch gar nichts. Und dann hatten wir unser Resultat 1996, 1998 publiziert. Das war dann zum Beispiel gegensätzlich zu dem, was die ursprünglich gefunden hatten. Die Konkurrenz war da. Aber es hat diesen Austausch gegeben, den Saul auch beschrieben hat. Also wenn es nicht oft passiert, dass wenn das Wetter schlecht war, dass man dann den anderen ausgeholfen hat. Aber es ist auch passiert, was halt klar war, dass das Experiment wichtig war, dass die Leute in der Astrophysik und in der Kosmologie da sehr gut hingeguckt haben, was wir machen, und dass diese Konkurrenz vorhanden war. Ich würde nicht behaupten, dass es jemals bösartig war. Es war halt dieser harte Konkurrenzkampf. Das ist, wenn Sie einen 100-Meter-Lauf machen wollen, dann wollen Sie auch der erste sein.

Knoll: Sie haben ja zum Teil die selben Geräte benutz, die selben Daten. Wie muss man sich das vorstellen, sind Sie sich dabei begegnet?

Leibundgut: Ja, wir sind uns oft begegnet. Also teilweise haben wir die Nächte nicht geteilt, aber es war halt so: Wir müssen für diese Beobachtung die Neumondnächte benutzen- Also Vollmond oder auch nur Teilmond - da ist der Nachthimmel zu hell, da können wir die Beobachtungen nicht machen, dann machen wir es bei Neumond. Das sind dann typischer Weise sieben Tage, die da zur Verfügung stehen. Und da war es oft so, dass ich zum Beispiel in meinem Programm zwei Nächte hatte und dann mein Kollege auch bei der Eso zum Beispiel, in der selben Organisation oder in der selben Uni waren die beiden Teams vertreten. Dann ist da mein Kollege die nächsten zwei Nächte dahin gekommen und hat dann mit dem selben Teleskop andere Supernovae beobachtet. Aber den Austausch haben wir immer gehabt. Und ich habe auch mit den Kollegen in dem anderen Team regelmäßig gesprochen.

Knoll: Schmidt, Riess, Perlmutter. Aus Ihrer Sicht: Hat das Nobelkomitee die richtigen Leute geehrt?

Leibundgut: Ich glaube schon. Also die drei sind wirklich herausragend. Saul Perlmutter hat sehr früh dieses Experiment angeregt. Wie gesagt damals zur Messung der Materiedichte, also um die Abbremsung zu messen. Er hat sehr, sehr lange daran gearbeitet, hat das Projekt lange aufgebaut. In diesem Supernova Cosmology Project, das er gemacht hat. Von der anderen Seite: Der Brian Schmidt hat dieses High-Z Supernova Search Team zusammengestellt. Der hat also diese ganze Arbeit, das Team zusammengestellt, auch die ganze Hintergrundarbeit gemacht - wie die Supernovae gefunden werden, die Software-Entwicklung und so weiter. Und der Adam Riess war damals Postdoc. Der hat dann die Daten genommen und entsprechen aufgearbeitet, analysiert und publiziert. Das war damals schon ein ziemlich großes Ereignis. Und der Adam ist dann weitergegangen, hat jetzt verschiedene Projekte immer noch laufen, die halt diese ganze Kosmologie mit den Supernovae weiter untersuchen. Also Details sind absolut richtig, ganz toll.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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