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Seit 03:30 Uhr Forschung aktuell
StartseiteUmwelt und Verbraucher"Essen muss gut, sauber und fair erzeugt sein"14.01.2013

"Essen muss gut, sauber und fair erzeugt sein"

Forderung nach einer umweltverträglichen Landwirtschaft

Ökologisch produziertes Fleisch und Gemüse ist häufig teurer als Produkte aus der Massenproduktion. Das liegt auch an der ungleichen Verteilung von EU-Fördermitteln. Viele Beihilfen gehen an Massenproduktionen und nicht an kleine Betriebe. Dagegen protestiert in Berlin ein breites Bündnis aus Bauern, Umwelt- und Verbraucherschützern.

Von Dieter Nürnberger

Kleinbetriebe in der Landwirtschaft kommen bei Fördergeldern häufig zu kurz. (picture alliance / dpa /  Britta Pedersen)
Kleinbetriebe in der Landwirtschaft kommen bei Fördergeldern häufig zu kurz. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Es ist bereits das dritte Mal, dass ein recht großes Bündnis aus Tierschutzgruppen, Umweltverbänden, kirchlichen Organisationen und auch Verfechtern einer ökologischen, nachhaltigen Lebensmittelerzeugung anlässlich der Grünen Woche hier in Berlin auf die Straße gehen will. Es wird bundesweit organisiert und gerechnet wird wieder mit mehr als 10.000 Teilnehmern, wie schon in den vergangenen beiden Jahren. Die Demonstration am Samstag direkt im Regierungsviertel wird das Motto haben - "Wir haben die Agrarindustrie satt". Die Veranstalter spüren - nach eigenen Angaben - derzeit einen deutlichen gesellschaftlichen Rückenwind. Beispielsweise Rupert Ebner, er ist selbst Tierarzt und im Vorstand der Organisation Slowfood.

"Wir haben jetzt hier die dritte Großdemonstration. Ich bin der festen Überzeugung, dass nach den großen gesellschaftlichen Veränderungen, die die Anti-Atom-Demonstration damals in Wackersdorf oder Gorleben hergebracht haben, unsere Demo langfristig die entscheidende Änderung in der deutschen und europäischen Agrarpolitik herbeiführen wird."

Das sind natürlich recht hohe Ansprüche und Erwartungen. Die Veranstalter der Demonstration hoffen somit auf eine Agrarwende - eine Neuausrichtung der nationalen wie auch europäischen Agrarpolitik. Und sie wollen vor allem eines - gesunde Nahrungsmittel. Noch einmal Rupert Ebner.

"Essen muss gut, sauber und fair erzeugt sein. Gut heißt auch, dass es schmecken muss. Sauber heißt, es muss so erzeugt werden, dass keine Rückstände von Agrochemie, noch von Pharmaka im Fleisch sein sollten. Und es muss fair sein. Das heißt für uns, dass die Menschen, die am Produktions- und Erzeugungsprozess der Lebensmittel beteiligt sind - ob dies nun die Bauern oder die Verarbeiter sind - auch einen gerechten Lohn dafür bekommen."

Wie schon angedeutet - auch kirchliche Gruppen sind am Samstag hier in Berlin mit dabei. Beispielsweise das katholische Hilfswerk "Misereor". Den kirchlichen Vertretern geht es vor allem darum, die wirtschaftlichen Zusammenhänge der derzeitigen Nahrungsmittelproduktion aufzuzeigen: Man setzt sich beispielsweise dafür ein, dass weltweit faire Regeln für eine bäuerliche statt einer allein agrarindustriellen Landwirtschaft aufgestellt werden. Staatliche Subventionen sollten vermehrt an soziale und ökologische Kriterien gekoppelt werden, sagt Volker Kasch - er ist entwicklungspolitischer Beauftragter bei "Misereor". Er nennt Beispiele für aktuelle Fehlentwicklungen.

"Beispielsweise weiten sich derzeit die Flächen zur alleinigen Futtermittelproduktion von Soja - in Brasilien, Argentinien und Paraguay - recht schnell aus. Unsere Politik, unser Bedarf an Futtermitteln, beispielsweise auch die Beimischungsverordnung für Sprit führt dazu, dass wir Anreize bilden, diese Prozesse noch zu verstärken."

Die derzeit günstige und sehr erfolgreiche Fleischproduktion in Europa werde durch umweltschädliche Entwicklungen in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern erst möglich gemacht - so der Vorwurf.

Zusammengefasst fordert das Bündnis also nichts anderes als eine neue, andere Agrarpolitik. Man hofft langfristig auch auf ein geändertes Konsumentenverhalten. Ob man wirklich diesen großen gesellschaftlichen Rückhalt in der Bevölkerung hat, das wird auch die Teilnehmerzahl der Demonstration am kommenden Samstag zeigen. Und damit zurück nach Köln.

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