Montag, 11.12.2017
StartseiteEuropa heuteAngepasst an den Ausnahmezustand30.03.2017

Etappe 4 - Von Tain-l’Hermitage nach Aix-en-ProvenceAngepasst an den Ausnahmezustand

In Frankreich herrscht seit den Anschlägen vom November 2015 der Ausnahmezustand, doch viel davon spüren unsere Reporter auf ihrer Reise nicht. In Aix-en-Provence haben sie nachgehakt: Was bedeutet die Anti-Terror-Politik für die Studenten- und Touristenstadt? Anne Raith hat hier vor 13 Jahren studiert und festgestellt, dass sich viel verändert hat – und auch wieder nichts.

Von Anne Raith und Andreas Noll

(Andreas Noll)
Von der Rotonde aus, dem Brunnen, ist die Prachtstraße Cours Mirabeau in Aix-en-Provence aus Sicherheitsgründen gesperrt. (Andreas Noll)
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Hunderte Kilometer sind wir bereits auf der Route Nationale 7 Richtung Süden unterwegs, ohne dass uns der Ausnahmezustand richtig auffällt. Durch die Ausläufer des Zentralmassivs und die Weinberge entlang der Rhône Richtung Provence.

Wie der Terror den Alltag verändert hat

Bei unserem Stopp in Aix-en-Provence wollen wir aber wissen, ob und wie der Terror den Alltag der Franzosen verändert hat. Als wir mit dem Auto auf die Rotonde, den großen Brunnen im Zentrum der Stadt zusteuern, fällt eines gleich ins Auge:

Die Prachtstraße, der Cours Mirabeau, ist für den normalen Verkehr gesperrt. Das war anders, als ich hier vor mehr als zehn Jahren studiert habe. Schwere Betonblöcke versperren den Weg, zwei Polizisten sichern die Einfahrt zusätzlich ab. Das gilt auch für alle Zufahrtsstraßen.

(Andreas Noll)Anne Raith hat vor über zehn Jahren in Aix studiert - damals noch ohne Eisentor und Warnhinweise. (Andreas Noll)

Seit Beginn des Ausnahmezustands wird auch das pittoreske Rathaus von der Polizei bewacht. Jeder, der rein will, muss durch eine Sicherheitskontrolle. In den Straßen sehen wir Streifen der nationalen und der städtischen Polizei. "Hat Eure Regierung keinen Ausnahmezustand verhängt?", fragt uns Christian Rolando ein wenig ungläubig.

Wenig Personal für straffe Sicherheitsmaßnahmen

Schließlich hätten wir ja auch einen Anschlag in Berlin gehabt. Als wir verneinen, schiebt der Sicherheitsbeauftragte der Stadt hinterher: "Seid froh". Er muss zusehen, wie er die Vorgaben des Innenministeriums in Aix umsetzt, mit nur 100 städtischen Polizisten. Das kann dann auch bedeuten, dass eine traditionelle Großveranstaltung wie das jährliche Radrennen ersatzlos gestrichen wird.

(Andreas Noll)Christian Rolando ist zuständig für die Polizei und die Sicherheit in der Stadt. (Andreas Noll)

Und noch etwas hat sich verändert seit meinem Studium: die Uni. Und damit meine ich nicht, dass der unfassbar hässliche Bau, in dem die Geisteswissenschaften damals untergebracht waren, abgerissen und durch mehrere lichte Glasgebäude ersetzt wurde.

Entspanntheit statt Unterwerfung

Ein großes, schweres Eisentor schützt nun den Campus. Am Tor werden die Studenten auf Plakaten aufgefordert, auffällige Gegenstände oder Personen zu melden. Gleich vier Nummern gibt es zur Auswahl, unter denen sie sich melden können.

Die Stimmung in der Stadt scheint auf den ersten Blick nicht zu den Sicherheitsmaßnahmen zu passen. Die Cafés sind voll, auf den Straßen ist viel los, auch auf dem Cours Mirabeau. Die Menschen, mit denen wir ins Gespräch kommen, haben sich längst an all diese Veränderungen gewöhnt. Und wollen sich ihnen nicht unterwerfen.

Das Leben geht weiter, sagt der 19jährige Fahrradkurier Nicolas. Er sitzt auf einer der Betonblockaden, lässt die Beine baumeln und macht Pause.

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