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StartseiteHintergrundEtikettenschwindel bei grünem Strom?08.02.2008

Etikettenschwindel bei grünem Strom?

Das europäische Ökostrom-Zertifikat RECS in der Kritik

Das Geschäft mit Strom aus regenerativen Energiequellen boomt. Doch genau wie beim ökologischen Landbau gibt es keine einheitliche Orientierung für den Kunden, sondern zahlreiche konkurrierende Markenzeichen. Äußert umstrittten ist RECS, das Renewable Energy Certification System.

Von Detlef Grumbach

Windrad. (AP)
Windrad. (AP)

"Ich achte schon darauf, was ich wo kaufe und welche Dienstleistung ich in Anspruch nehme."

Jens Kretschmer, Mitte 40, wurde in den 80er Jahren von der Anti-Atomkraft-Bewegung geprägt. Schon vor Jahren ist er von den Hamburger Elektrizitätswerken HEW, heute Vattenfall Europe, zum Grünstromanbieter Lichtblick gewechselt. Seine damalige Frage:

"Gibt es eine Alternative zu Stromkonzernen, die vielleicht umweltverträgliche und sichere und nachhaltigere Energiequellen nutzen und die ihre Gewinne dann auch einsetzen für den Bau neuer Wind-, Solar- und sonstiger Anlagen."

Die Debatten über die Gefahren der Atomkraft; neue Erkenntnisse über den CO2-Ausstoß fossiler Brennstoffe und den Klimawandel: Immer mehr Verbraucher denken und handeln so wie Jens Kretschmer. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, der wohl profilierteste Energiepolitiker im deutschen Parlament, propagiert dies schon seit vielen Jahren:

"Diejenigen, die grünen Strom haben wollen, wollen damit auch einen Beitrag leisten, dass herkömmlicher Strom, fossiler wie Atomstrom, abgelöst wird durch erneuerbare Energien. Und das kann man nur feststellen, wenn man den Anbieter sich näher anschaut."

Grünstrom ist in, das Geschäft mit Strom aus regenerativen Energiequellen boomt. Doch genau wie beim ökologischen Landbau gibt es keine einheitliche Orientierung für den Kunden, sondern zahlreiche konkurrierende Markenzeichen. Diese werden unter anderem von Grüner Strom, OK-Power, vom TÜV oder auch von RECS ausgestellt. RECS, das heißt: Renewable Energy Certification System. Christof Timpe vom Öko-Institut in Freiburg, das einst aus der Umweltbewegung hervorgegangen ist:

"Wir haben das Problem im Ökostrom-Markt, dass der Begriff Ökostrom in keiner Weise allgemein definiert ist. Das heißt, jeder Anbieter oder jeder Gütezeichengeber oder Gütesiegelgeber kann sich das selber definieren, und das heißt, leider muss der Kunde dann etwas genauer hinschauen und sich überlegen, welche Kriterien stecken dahinter?"

Vor allem dort, wo grüner Strom besonders billig ist, billiger teilweise als sogenannter grauer Strom aus Atom-, oder Kohlekraftwerken, sind RECS-Zertifikate im Spiel. Das gilt für Tochterunternehmen großer Energieversorger wie Vattenfall oder E.ON, für zahlreiche Stadtwerke, aber auch dort, wo große Unternehmen höhere Kosten scheuen und trotzdem mit grünem Image punkten wollen.

Auch die Städtischen Werke Kassel, die die kommunale Versorgung als erste Großstadt auf grünen Strom umgestellt haben, erklärten im Dezember, dass etwa 50 Prozent ihres Stromangebots durch RECS zertifiziert ist. Die andere Hälfte würden sie direkt bei Wasserkraftwerken beziehen, um, so wörtlich, "Öko wasserdicht zu machen".

"Die Ökostrom-Lüge: 'Schmutziger' Strom wird in Deutschland massenhaft zu Ökostrom umetikettiert. Der Schwindel hat einen Namen: RECS-Zertifikate."

Mit dieser Meldung schreckte der Journalist und Energieexperte Lars Lange im November letzten Jahres die Öffentlichkeit auf. Der "Spiegel" zog Anfang Januar nach und meldete:

"Stromanbieter verkaufen Atomstrom als Ökostrom."

So unterschiedlich die Kriterien für Ökostrom auch sind, die meisten beinhalten, dass tatsächlich in neue Kraftwerke mit erneuerbarer Energie investiert werden muss, Kohle- und Atomenergie somit abgelöst wird - bis auf RECS. Das Renewable Energy Certification System wurde bereits 2002 in 15 Ländern Europas eingeführt - initiiert und maßgeblich getragen von großen europäischen Stromproduzenten wie E.ON, RWE und Vattenfall. Und so funktioniert es:

Das System erfasst Strom aus regenativer Energie bei der Einspeisung ins Netz und trennt beim Handel im Nachhinein jede physikalisch hergestellte Kilowattstunde von dem ökologischen Nutzen, der damit verbunden ist, dass kein CO2 ausgestoßen wurde. Der virtuell abgetrennte ökologische Nutzen wird dann in Form des Zertifikats europaweit vermarktet. Der ursprüngliche Strom verliert damit seine Qualität als Ökostrom. Die kann nun mit Hilfe des Zertifikats auf beliebige andere Stromlieferungen übertragen werden. Hermann Scheer erläutert den Hintergrund dieser Geschäftsidee:

"Es gibt in Europa viele herkömmliche Stromunternehmen, die haben als Teil ihres Angebots einen bestimmten Anteil Wasserkraft. Und nun gibt es eine laufend sich steigernde Praxis, dass Stromkonzerne das, was sie in ihrem bisherigen Angebotsmix an Wasserkraft hatten, ohne neu investiert zu haben, dass sie das extra verkaufen als grünen Strom, dafür mehr Geld kriegen aufgrund der Bereitschaft der Kunden, einen Beitrag zu erneuerbaren Energien zu leisten; und dass sie das, was sie dann an Wasserkraft weniger in ihrem bisherigen Angebot haben, durch herkömmliche Stromangebote aus Kohle- oder Atomkraftwerken auffüllen. Das heißt, sie verkaufen grünen Strom, ohne dass der Anteil erneuerbarer Energien in der Stromproduktion dadurch wächst. Es ist also ein Versuch, die Grünstrom-Kunden an der Nase herumzuführen und Zusatzgeschäfte zu machen."

Diese getrennte Vermarktung von Strom und Umweltzertifikat bezeichnen Kritiker als Etikettenschwindel und unseriöse Konkurrenz. Denn RECS macht den so kreierten Ökostrom auch noch besonders billig.

Alte Wasserkraftwerke produzieren günstig, und die Stromproduktion wird durch das Zertifikat nicht teurer. Kostet die Herstellung einer Kilowattstunde Strom in Europa etwa 6 Cent, ist ein RECS-Zertifikat für nur 0,05 Cent oder sogar noch billiger erhältlich. Stromhändler haben so die Chance, den billigsten Strom auf dem Markt zu kaufen - Kohle oder Atom -, dazu die billigsten RECS-Zertifikate. Beides zusammen bieten sie dem Verbraucher als Ökostrom an, dessen Geld fließt zum allergrößten Teil in die Kasse eines konventionellen Umweltsünders.

Bei seriösen Ökostromanbietern wie Naturstrom, Lichtblick oder Greenpeace Energy stößt solches Vorgehen auf Kritik, aber auch das Vorgehen großer Stromkunden, die sich nur ein grünes Mäntelchen umhängen wollen, ohne in zusätzlichen Ökostrom zu investieren. So erklärt Gero Lücking, der Sprecher der Hamburger Firma Lichtblick:

"Das, was die Städtischen Werke Kassel machen, was die Vattenfall-Tochter WEMAG macht, was Bochum macht, das bringt der Umwelt überhaupt nichts, weil nur das Erzeugungsportfolio, wie es sich im Markt ergibt, entmischt wird. Die Stadt Hamburg hat beides gemacht. Sie hat erst eine öffentliche Ausschreibung gemacht für den Strombezug, physikalisch, ohne jedwede Anforderung an die Qualität, und hat dann in einem zweiten Schritt eine Ausschreibung nachgeschoben für RECS-Zertifikate. Das entspricht nicht unserem Geschäftsmodell, deshalb haben wir uns da auch nicht dran beteiligt."

Ohne dass das Angebot sich dadurch verändert, werden nur bestimmte Eigenschaften des Stroms herausgefischt und wie auf einem Verschiebebahnhof neu sortiert. Nur so können wie im Fall Hamburg, sogar der Strom und bestimmte Eigenschaften getrennt bestellt werden. Stefan Zisler, der für den Energiekonzern Vattenfall bei der deutschen Sektion von RECS den Vorsitz führt, räumt ein, dass RECS für die Umwelt nicht viel bedeutet, versteht aber die Aufregung nicht. Denn er betont, dass RECS gar kein dem Grünen-Strom-Label, dem OK-Power Label oder Greenpeace-Kriterien vergleichbares Zertifikat ist:

"Das ist richtig. RECS ist kein Qualitätssigel im Sinne des Produktes, das der Kunde kauft, sondern RECS ist ein reiner Herkunftsnachweis, der eine Rückverfolgung ermöglicht, wo ist eine bestimmte Menge Strom ins Netz eingespeist worden? Achten Sie als Konsument darauf, mit welchen Qualitätskriterien Ihnen das Grünstromprodukt angeboten wird. Nur wenn Sie dort ein Qualitätssiegel mit den entsprechenden Aussagen bekommen, dass durch Ihren Grünstrombezug auch Neuanlagen gefördert werden, nur dann können Sie auch sicher sein, dass dem so ist."

Das klingt scheinheilig, sagen die Kritiker. Denn RECS wirbt damit, den Strom quasi grün zu veredeln. Immer mehr Ökostromanbieter und Nutzer berufen sich auf RECS und benutzen dabei auch den guten Namen des Freiburger Öko-Instituts. Denn das Öko-Institut ist zum großen Unmut zahlreicher Umweltaktivisten mit von der Partie bei RECS. Das Öko-Institut gilt in Deutschland als Garant für korrekte Zertifizierung, verdient auch daran, muss deshalb, so Kritiker, ein Interesse am Vormarsch von RECS-zertifiziertem Strom haben. Christoph Timpe, Mitglied des Vorstands von RECS Deutschland, zu den Vorwürfen:

"Die ganze Tätigkeit der RECS-Zertifizierung beziehungsweise die Ausstellung von Herkunftsnachweisen ist für uns ein völlig nebensächliches Geschäft, wenn es um die ökonomischen Aspekte geht. Es ist aber viel wichtiger, dass die Entscheidung, ob ein Ökostrom-Anbieter RECS-Zertifikate beziehungsweise elektronische Herkunftsnachweise nutzt, diese Entscheidung liegt ausschließlich beim Ökostromanbieter, und wir machen da keine Vorschriften. Der Begriff Etikettenschwindel trifft überhaupt dann generell auf Produkte zu, die Kunden Strom aus erneuerbaren Energien anbieten und möglicherweise den Kunden nicht klar genug sagen, dass damit kein Ausbau erneuerbarer Energien verbunden ist, sondern eigentlich nur Kraftwerke und Kunden anders einander zugeordnet werden."

Timpe und andere RECS-Befürworter argumentieren mit dem Bild eines Sees. Überall tröpfelt Strom in diesen See, aus Kohle- Atom-, Wasser- und anderen Kraftwerken. Wer diesem See irgendwo Strom entnimmt, kann nicht mehr feststellen, wo er seinen Ursprung hat. Deshalb könne man nur im Nachhinein produzierte und verbrauchte Strommengen zuordnen. Wachsende Nachfrage nach den Zertifikaten führe dann auch zu einem Ausbau regenerativer Energie, weil ja auch an RECS-Zertifikaten verdient wird. Das könnte theoretisch stimmen, aber sogar im Bundesumweltministerium muss Sprecher Tobias Dünow einräumen, dass es ein deutliches Überangebot an Wasserkraft in Europa gibt, dass deswegen mittelfristig kein neues Kraftwerk gebaut werden muss:

"Der Ökostrom ist doch da. Wir haben doch die Situation, dass wir einen Überschuss an Ökostrom haben. Der Ökostrom ist da, der wird relativ billig produziert in Wasserkraftanlagen in Norwegen oder in Österreich. Dass es die etwas skurrile Situation geben kann, dass diese Anlagen von Konzernen betrieben werden, die ansonsten mit Kohle- und Atomstrom verdienen, steht auf einem anderen Blatt. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass Strom, der mit Wasserkraft produziert wird, grundsätzlich erstmal CO2-neutral ist."

Die von RECS veröffentlichten Zahlen über Angebot und Nachfrage sprechen eine deutliche Sprache. Wurden hierzulande im Jahr 2005 noch 25.000 Megawattstunden Strom durch RECS-Zertifakte als Ökostrom ausgewiesen, waren es 2007 schon über fünf Millionen Megawattstunden, fünf Millionen Megawattstunden Öko-Strom fürs gute Gewissen - ohne Öko-Effekt. Der Markt gibt aber mehr her. So wurden 2007 vor allem in Norwegen, Schweden und Finnland Zertifikate für knapp 300 Millionen Megawattstunden angeboten, in ganz Europa aber nur für etwa 150 Millionen Megawattstunden tatsächlich gehandelt. Das zusätzlich frei handelbare "Überangebot" umfasst also etwa 150 Millionen Megawattstunden, ohne dass ein Atomkraftwerk oder Kohlekraftwerk abgestellt werden muss.

RECS ist dementsprechend auch das bevorzugte System zur "Förderung" Erneuerbarer Energien der vier großen Konzerne auf dem deutschen Strommarkt, weil es an den Verkauf der schmutzigen Altenergien gekoppelt ist und sie so ihre schädlichen Altanlagen länger laufen lassen können.

Von einem Überangebot an Ökostrom zu sprechen, klingt angesichts der Klimadiskussion zynisch. Robert Werner von Greenpeace Energy bleibt deshalb beim Vorwurf des Etikettenschwindels. Greenpeace Energy ist eine Genossenschaft, die in eigene Kraftwerke - Wind-, Wasser- und Solarenergie - investiert, die eigene, strenge Maßstäbe für grünen Strom entwickelt hat und Wert auf den Nachweis legt, dass schon im Augenblick des Verbrauchs eine entsprechende Menge Grünstrom produziert, eingespeist und bezahlt wird.

"Wenn wir Ökostromanbieter unseren Kunden Strom anbieten, dann geht der Kunde davon aus, völlig zu Recht, dass sein Geld in Ökokraftwerken landet. Und wenn das ein Modell ist, wo das nicht der Fall ist, dann ist es unglaubwürdig. Unsere Vorstellung von glaubwürdigem Ökostromhandel ist die, dass der Ökostromhändler direkt beim Ökokraftwerk einkauft, denn nur so kann der Kunde gewiss sein, dass sein Geld vollständig für Ökokraftwerke aufgewendet wird."

Die EU hat das Ziel formuliert, dass bis zum Jahr 2020 der Anteil erneuerbarer Energie bei der Stromproduktion auf 20 Prozent wachsen soll. Deutschland kann dieses Ziel beim gegenwärtigen Tempo des Ausbaus neuer Kraftwerke bis 2013 schaffen. Hermann Scheer hält es sogar für möglich, innerhalb der nächsten 15 Jahre auf bis zu 80 Prozent zu kommen. Das ließe sich allerdings nur erreichen, wenn laufend neue regenerative Energiequellen erschlossen würden. Doch der Handel mit RECS-Zertifikaten und die damit verbundenen Öko-Stromangebote bremsen diesen Prozess. RECS-Strom ist billiger und erweckt den Eindruck, man könne auch ohne große Anstrengung etwas für die Umwelt tun. Außerdem setzt er die Ökostrom-Wirtschaft politisch unter Druck: Die großen Energiekonzerne wollen mit RECS zeigen, dass eine Förderung neuer, meist kleiner Ökostromanlagen gar nicht nötig ist. Gefördert wird der Ausbau von Ökostromangeboten in Deutschland und einigen anderen EU-Ländern dagegen mit Hilfe des sogenannten EEG, eines Gesetzes für den Vorrang Erneuerbarer Energien:

Das EEG garantiert den Betreibern alternativer Energieanlagen einen festen Preis, zu dem sie ihren Strom ins Netz einspeisen können. Dieser Preis liegt über dem Marktpreis, er berücksichtigt, dass neue Wind-, Solar- Wasser- oder auch Biogaskraftwerke in der Produktion zunächst teurer sind als alte, herkömmliche Anlagen. Und es eröffnet neuen Investoren neue Möglichkeiten.

Das Gesetz regelt aber auch, dass die Mehrkosten für diesen Strom auf alle Stromkunden umgelegt werden, weil die Energiewende nicht zum Nulltarif zu bekommen ist und alle Kunden einen Teil dieses Stroms automatisch beigemischt bekommen. Hermann Scheer:

"Jeder deutsche Stromkunde ist zu Teilen Ökostromkunde. Auf der Basis dieses Gesetzes steigt der Anteil erneuerbarer Energien, er steigt systematisch, er ist jetzt gestiegen auf knapp 15 Prozent. Also ist jeder deutscher Stromkunde, das muss er wissen, zu 15 Prozent ohnehin, ohne sonst etwas tun zu müssen, Ökostrom-Bezieher."

Das EEG ist den Hütern freier Märkte ein Dorn im Auge. Es bevorzugt kleine, dezentrale Anbieter und verdirbt großen Energiekonzernen wie E.ON und Vattenfall einen Teil ihres Geschäfts. Die großen Konzerne setzen deshalb auf RECS, wollen RECS-Zertifikate zum Standard im europäischen Ökostromhandel machen und Einspeisungsgesetze ablösen.

Gerade auf sie aber setzten Ökostromanbieter mit dem Gütesiegel von Grüner Strom oder OK-Power, aber auch Greenpeace Energy. Sie verpflichten sich, mindestens 30 Prozent - manche gar 50 Prozent - des Stroms aus Anlagen zu liefern, die nicht älter als fünf oder sechs Jahre sind. Diese Anbieter müssen also ständig auf den Bau neuer Anlagen drängen oder wie Greenpeace Energy selber neue Anlagen bauen. Durch Dumpingangebote von RECS-zertifiziertem Ökostrom geraten aber seriöse Anbieter mittlerweile unter Druck. Und schon bricht Lichtblick ein Tabu. Bei den Privatkunden setzt Lichtblick weiter auf die Glaubwürdigkeit des Angebots. Großen Firmen und Kommunen bietet das Unternehmen jedoch günstigen Strom aus alten Anlagen an. Gero Lücking, Pressesprecher von Lichtblick:

"Im Sondervertragskundenbereich ist die Lage differenzierter, da gehen wir auf die Wünsche der Kunden ein. Das heißt, wir können einem Sondervertragskunden, wenn er das wünscht, eine physikalische Lieferung aus alten Wasserkraftwerken liefern, da ist der Umweltnutzen vergleichsweise gering oder auch nicht gegeben."

Die Wirkung auf den Kunden ist fatal. Wo Lichtblick draufsteht, ist also nicht mehr unbedingt auch ein Beitrag zur Energiewende drin. Lichtblick-Kunde Jens Kretschmer ist jedenfalls irritiert. Er fordert eindeutige und klare Angebote:

"Von Anbietern von Ökostrom möchte ich nicht im Kleingedruckten, sondern auf der ersten Seite in Zwölf-Punkt-Schrift beschrieben haben, deswegen bin ich ja auch zu Lichtblick gegangen, dass da dann neue ökologische Solar-, Wind-, Biomasseanlagen gebaut werden."

Im Interesse der Stromkunden ist die Debatte um RECS-Zertifikate für grünen Strom längst überfällig. Zum einen wird deutlich: Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Kunden, die etwas erreichen wollen, müssen sehr genau hinschauen und dürfen nicht beim billigsten Angebot zugreifen. Zum anderen sind aber auch die Politiker gefordert. Wenn Europa seine energiepolitischen Ziele umsetzen will, muss die Gemeinschaft jetzt sicherstellen, dass die Ausweitung des Ökostromangebots mit Hilfe des EEGs weiterhin gefördert wird - am besten einheitlich in ganz Europa. An sich sind RECS-Zertifikate nichts Verwerfliches. So gekennzeichneter Strom bringt allerdings keinen Vorteil für die Umwelt. Deshalb fordert Robert Werner von Greenpeace Ernergy eine eindeutige Klarstellung der verschiedenen Stromangebote:

"Und da wäre auf EU-Ebene in der Tat angebracht, die Verfahren zur Stromkennzeichnung so zu präzisieren, dass eben keine Umetikettierung möglich ist. Sie müssen sich ja vorstellen, dass Ihnen als Ökostromhändler RECS-Zertifikate angeboten werden für Stromlieferungen im Nachhinein. Das heißt, für Zeiträume im abgelaufenen Jahr 2007 können Sie im Nachhinein Ihren Strom grünwaschen. Und das kann nicht sein. Das geht nicht."

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