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Europa darf auf Obama hoffen - aber nicht ohne Gegenleistungen

Zur Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama

Von Stephan Detjen, Hauptstadtstudio

Als Präsidenschafts-Bewerber sprach Barack Obama 2008 vor Hundertausenden in Berlin.
Als Präsidenschafts-Bewerber sprach Barack Obama 2008 vor Hundertausenden in Berlin. (AP)

Das wahre Gesicht amerikanischer Präsidenten hat die Welt oft erst in ihrer zweiten Amtszeit kennengelernt. Das Wissen darum, dass die amerikanische Verfassung eine dritte Wiederwahl verbietet, wirkt außenpolitisch befreiend, in manchen Fällen entfesselnd.

Für Barack Obama ist auch die andauernde Begrenzung seiner innenpolitischen Handlungsspielräume ein weiteres Motiv dafür, politische Wirkmacht und historische Größe – mehr als es der innenpolitisch dominierte Wahlkampf erahnen ließ– auf dem Feld der Außenpolitik zu suchen. Manche Erwartung, die sich in Deutschland und Europa bereits vor vier Jahren auf Obama richtete, darf deshalb noch einmal neu formuliert werden.

Trotz aller Ernüchterung war Obama auch im zurückliegenden Wahlkampf aus hiesiger Sicht der mit weitem Abstand beliebtere Kandidat. Seine auf Ausgleich zielende Rhetorik, seine sozialpolitischen Visionen, seine Gesundheitsreform ließen ihn als den europäischeren Kandidaten erscheinen. Doch tatsächlich ist Obama schon jetzt als der Präsident in die Geschichte eingegangen, der mit seinen Verweisen auf die pazifische Orientierung der Vereinigten Staaten die historisch gewachsenen transatlantischen Bindungen gelockert hat. Das Amerika Obamas tritt Europa nicht mehr als Schutzmacht gegenüber, sondern als ein in viele Richtungen vernetzter Akteur. Auf den Feldern der globalen Sicherheitspolitik und Weltwirtschaft ringen die USA um den eigenen Status.

Die weltweite Finanz- und Schuldenkrise hat in den vergangenen Jahren tief verwurzelte Unterschiede in den Kulturen des Wirtschaftens und Haushaltens dies und jenseits des Atlantiks aufgedeckt. Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU werden in den nächsten Jahren der aussagekräftigste Test dafür sein, ob sich beide Seiten als Konkurrenten oder Partner im globalen Wettbewerb gegenüberstehen.

Gerade Obama wird Europa – ob es will oder nicht – auch militärisch zu einem partnerschaftlicheren Selbstverständnis drängen und stärkeres Engagement einfordern. Er wird die Hoffnungen, die hier auf ihn gesetzt werden, nicht ohne Gegenleistungen erfüllen.

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