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StartseiteForschung aktuellEuropa in der Klima-Mangel05.02.2007

Europa in der Klima-Mangel

Experten diskutieren Klimawandel in Europa

<strong>Umwelt. - Deutsche Klimaforscher erörterten heute in Hamburg die Ergebnisse des ersten Teils des IPCC-Klimaberichts. Demnach drohen Teilen Europas Dürren, Stürme und steigende Meeresspiegel. Dazu der Wissenschaftsjournalist Frank Grotelüschen im Gespräch mit Gerd Pasch.</strong>

Der Klimawandel wird für Südeuropa Dürren und Trockenheit bringen, so IPCC-Experten. (AP)
Der Klimawandel wird für Südeuropa Dürren und Trockenheit bringen, so IPCC-Experten. (AP)

Gerd Pasch: Am vergangenen Freitag wurde in Paris der jüngste Bericht des UN-Expertenrats für Klimaforschung (IPCC) vorgestellt. Die Resultate sind deutlich: Der Treibhauseffekt ist zu 90 Prozent menschgemacht, verursacht vor allem durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Und: Global muss sich die Menschheit bis zum Jahr 2100 auf einen Temperaturanstieg zwischen 2,5 und vier Grad Celsius gefasst machen. Heute nun veranstalteten die deutschen Klimaexperten, die an dem UN-Bericht beteiligt waren, in Hamburg einen Workshop, um die Ergebnisse noch einmal im Detail vorzustellen. Frank Grotelüschen, Sie haben die Veranstaltung besucht. Wie wird sich der Klimawandel in Europa beerkbar machen?

Frank Grotelüschen: Das muss man durchaus differenzieren. In Mitteleuropa, also bei uns, werden die Sommer trockener werden und die Winter dafür feuchter, sagen die Experten. Vielleicht wird auch die Intensität der Winterstürme bei uns zunehmen. Das ist noch etwas unklar, da sind sich die Experten nicht einig. Das würde bedeuten, dass wir es öfters mit Orkanen zu tun bekommen wie mit "Kyrill" vor einigen Wochen. Aber für Mitteleuropa sieht das noch ganz "gut" aus, denn was im Sommer an Wasser fehlt, das kommt im Winter dann runter und die Wasserbilanz ist damit ausgeglichen. Wir haben also Trinkwasser in Mitteleuropa. Schlimmer wird es, so die Experten, die Mittelmeerregion treffen. Da wird Dürre und Trockenheit herrschen, auch Wassermangel. Diese Länder werden also stärker betroffen sein als wir, darunter Italien, Spanien, aber auch Nordafrika. Und auch die Polarregion wird darunter zu leiden haben. Der Nordpol werde im Sommer zumindest komplett eisfrei sein, mit drastischen Auswirkungen für die Umwelt: zum Beispiel der Eisbär wird kaum eine Überlebenschance haben.

Pasch: Wie stark wird denn der Meeresspiegel in unseren Breiten steigen?

Grotelüschen: Im globalen Mittel schwanken die Angaben zwischen 18 und 59 Zentimeter für das Jahr 2100. Aber nicht überall auf dem Planeten wird das gleich sein aus folgendem Grund: der Hauptgrund für den Anstieg des Meeresspiegels ist die thermische Ausdehnung des Wassers. Wenn sie eine Badewanne mit kaltem Wasser haben und das heiß machen, dann wird der Pegel auch dort steigen. Diese thermische Ausdehnung macht rund 70 Prozent des Anstiegs aus. Nun werden nicht alle Meeresregionen gleich stark erwärmt werden, denn wir haben ja Meeresströmungen, die sich mit dem Klimawandel womöglich verschieben. Manche Regionen dürften mit Ansteigen der Durchschnittstemperatur sogar kälter werden. Die Nordsee aber dürfte sich, so sagen die Experten, wahrscheinlich stärker erwärmen als der Durchschnitt. Daher rechnen Fachleute mit einem zehn Prozent höheren Meeresspiegelanstieg als im globalen Durchschnitt. Das würde beispielsweise bedeuten, wenn es global um 50 Zentimeter ansteigt, dann wären es bei uns 55 Zentimeter.

Pasch: Triff der UN-Bericht auch Voraussagen über einzelne Regionen wie etwa die deutsche Nordseeküste oder die Alpen?

Grotelüschen: Nein, dazu sind die Modelle nicht, oder noch nicht, kann man sagen, genau genug. Die Forscher arbeiten dabei mit einem Raster, sie legen quasi ein Netz über den Globus und rechnen nur für die Knotenpunkte das künftige Klima aus, sonst schaffen das die Rechner nicht. Und je engmaschiger das Netz ist, desto genauer ist die Rechnung. Üblich ist bislang eine Maschenweite von 200 Kilometern Abstand. Das ist zu weit für einzelne Inseln wie etwa Sylt. Aber genau das ist das Ziel der Forscher, so ein engmaschiges Netz, um regionale Aussagen zu treffen. Aber wie sich das Klima auswirkt auf eine bestimmte Region wie die Alpen oder den Oberrhein, das dürfte Gegenstand sein des zweiten IPCC-Berichts, der im Mai erscheinen soll und die wahrscheinlichen Folgen des Klimawandels beschreiben wird. Der erste Teil hat sich ja nur auf die Klimaprojektion beschränkt.

Pasch: Der UN-Bericht sagt ja voraus, dass sich die Temperatur auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts im Mittel um zwei bis 4,5 Grad Celsius erhöhen wird. Woher kommt die relativ große Schwankung?

Grotelüschen: Das hat zwei Gründe. Zum einen haben die Experten unterschiedliche Emissionsszenarien durchgerechnet, denn sie wissen ja nicht, wie viel Kohlendioxid wir in 20 oder 50 Jahren ausstoßen werden, und sie haben einmal gerechnet, dass wir weiter ungebremst so weiter machen. Dann wären es vier Grad, vielleicht sogar sechs Grad. Dann haben sie ein moderates Szenario zugrunde gelegt, bei dem wir die Emissionen in den kommenden Jahrzehnten relativ wenig steigern. Dann landen wir vielleicht bei drei Grad. Oder aber wir treten auf die Bremse und senken den Kohlendioxidausstoß bis Ende des Jahrhunderts, dann sind es vielleicht nur zwei Grad Celsius, und mit ganz viel Glück nur ein Grad. Aber es gibt noch einen zweiten Grund für die Schwankungen, denn es gibt durchaus einige klimarelevante Prozesse, die die Forscher noch nicht genug verstanden haben, insbesondere wie sich die Sache mit den Wolken entwickeln wird, denn Wolken haben deswegen einen großen Einfluss auf das Klima, weil sie das Licht von der Sonne zurück in den Weltraum reflektieren und dadurch für Abkühlung sorgen. Das Problem ist, dass keiner heute weiß, ob es - wenn wir die Durchschnittstemperatur auf der Erde steigern - mehr Wolken geben wird oder weniger. Das ist die große Unsicherheit und es besteht sehr viel Forschungsbedarf.

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