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StartseiteForschung aktuellEuropa soll Vorbild sein17.06.2011

Europa soll Vorbild sein

Klimaverhandlungen in Bonn stecken fest

Klima. - 18 Monate nach dem krachenden Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen, sechs Monate nach dem Formelkompromiss-Erfolg von Mexiko stecken die Klimaverhandler in der Klemme. Auf einen Weg zum in Mexiko verkündeten Zwei-Grad-Ziel konnten sie sich wieder nicht einigen.

Von Volker Mrasek

Der CO2-Ausstoß ist wieder kräftig gestiegen. (AP)
Der CO2-Ausstoß ist wieder kräftig gestiegen. (AP)

Wissenschaftliche Beobachter sind einmal mehr enttäuscht. Auf dem letzten Klimagipfel im Dezember in Mexiko hat sich die Staatengemeinschaft darauf geeinigt, die globale Erwärmung möglichst auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Doch Fortschritte auf dem Weg dorthin waren jetzt in Bonn nicht zu erkennen. Niklas Höhne, Physiker und Direktor für Energie- und Klimapolitik bei der Fachberatungsfirma Ecofys:

"Es ist deutlich aufgerufen worden, daß sich alle Industrieländer überlegen sollen, ob sie nicht ihr Ambitionsniveau erhöhen können. Weil insgesamt doch alle zustimmen, daß – wenn man alles zusammenrechnet – es nicht ausreicht, den Klimawandel auf zwei Grad zu begrenzen. Nur leider ist das nicht passiert. Kein einziges Industrieland hat das Ambitionsniveau erhöht, oder hat nachgelegt, oder hat in Aussicht gestellt, das Ambitionsniveau zu erhöhen."

Auf solche Signale warten vor allem Länder wie China und Indien. Eher sind die aufstrebenden Wirtschaftsmächte nicht bereit, selbst stärkere Anstrengungen im Klimaschutz zu offerieren. Deshalb steckten die Verhandlungen weiterhin in einer Sackgasse, sagt Bill Hare, australischer Physiker und Direktor von Climate Analytics, einem Expertenbüro mit enger Bindung an das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung:

"Die meisten Industrieländer steigern ihren Treibhausgas-Ausstoß auch heute noch. Die USA, Australien, Kanada, Japan – sie alle legen weiter zu, obwohl schon seit 20 Jahren über das Problem diskutiert wird. Hätten diese Länder ihre Emissionen in den letzten Jahren reduziert, was von ihnen eigentlich verlangt war, dann wäre es viel leichter, auch die Entwicklungsländer stärker einzuspannen."

Zum Abschluss der Bonner Verhandlungen legen die Forscher noch einmal konkrete Zahlen vor. Demnach stiegen die globalen CO2-Emissionen in den letzten fünf Jahren noch einmal um zehn Prozent. In China und Indien gingen die Emissionen dabei sogar um 40 bis 45 Prozent nach oben. Spitzenreiter unter den Industriestaaten sind den Daten zufolge die USA. Den CO2-Ausstoß wirklich zu vermindern – das gelang im letzten Jahrzehnt offenbar nur der Europäischen Union und einigen kleineren Ländern. Mit Sorge sieht Niklas Höhne, ...

"daß sozusagen die Rezession nur einen kleinen Dämpfer gegeben hat, aber der Trend sich weiter nach oben fortsetzt. Und das ist sehr alarmierend. Denn wir wissen: Um den Klimawandel auf zwei Grad oder noch weniger zu begrenzen, muss dieser Trend umgekehrt werden, müssen globale Emissionen ein Maximum erreichen in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Eher fünf Jahre. Und dann drastisch gesenkt werden. Also, dieser ansteigende Trend ist deutlich entgegen dem, was eigentlich passieren müsste."

Demnach dürfen die globalen Treibhausgas-Emissionen also nur noch kurze Zeit steigen, und das höchstens bis auf ein Niveau von 40 bis 44 Milliarden Tonnen pro Jahr, wie die Forscher ausgerechnet haben. Dieser Wert ist heute schon fast erreicht. 2010 lag der globale CO2-Ausstoß bereits bei 33 Milliarden Tonnen. Und auch die Emissionen von Lachgas, Methan und anderen Klimagasen dürften weiter zugenommen haben. Bill Hare geht fest davon aus:

"Wir haben keine brandaktuellen Daten. Aber die jährliche Emission aller Treibhausgase zusammen liegt vermutlich schon jetzt zwischen 36 und 39 Milliarden Tonnen, auf Kohlendioxid umgerechnet. Typischerweise folgen diese Gase in ihrem Trend dem CO2-Ausstoß. Nun, diese ganzen Emissionen werden auch in den nächsten Jahren noch steigen. Für die Politik wird es zu einer immer größeren Herausforderung, diesen Trend schnell umzukehren."

Von den USA sind keine neuen Impulse zu erwarten. Das zeigte die Bonner Verhandlungsrunde sehr deutlich. So wollte sich die US-Delegation auch nicht mit einem neuen Bericht des Weltklimarates über die Chancen Erneuerbarer Energien befassen. Darüber könne man vielleicht in zwei Jahren reden, ließ man verlauten. Viele hoffen nun auf die Europäische Union. Sie solle ihr aktuelles Reduktionsziel von minus 20 Prozent bis 2020 erhöhen, auf 30 Prozent, was machbar sei. Ein solcher Schritt, hieß es heute in Bonn, könne vielleicht doch noch Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen bringen.

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