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Europäischer Doktortitel

An der Uni Kiel wurde erstmals der "Doktor Communitatis Europeae" verliehen

Von Elin Hinrichsen

Torsten Fischer und sein Doktorvater Professor Thomas Riis vor der Ruine des Domes von Elgin/Schottland
Torsten Fischer und sein Doktorvater Professor Thomas Riis vor der Ruine des Domes von Elgin/Schottland (Dr. (DCE) Linas Eriksonas, Cardiff)

<strong> "Doktor Communitatis Europeae" - ein klangvoller Titel, hinter dem sich der erste europäische Doktorabschluss verbirgt. Europaweit haben Universitäten Netzwerke aufgebaut, und jetzt erstmals diesen gemeinsamen Abschluss auf den Weg gebracht. Ganz vorne dabei ist hier auch die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Dort hat am Freitag Torsten Fischer, der erste deutsche Anwärter auf den Titel, seine Disputation gehalten. </strong>

Freitagmorgen, kurz vor elf. Vor dem Senatsitzungssaal haben sich allerlei Leute versammelt - geschniegelt und gebügelt wollen sie gleich der auf Französisch gehaltenen Disputation von Torsten Fischer beiwohnen. Er selbst kümmert sich noch um die Gäste, ist aber doch etwas blas um die Nase:

Ich bin jetzt nicht mehr ganz so locker wie noch gestern Abend, aber mein Lächeln habe ich mir bewahrt.

Drei Jahre harter Arbeit liegen hinter, die Zielgerade jetzt endlich vor ihm. Schon den normalen Doktortitel gibt es ja nicht umsonst, den Doktor Communitatis Europeae aber schon mal gar nicht, da hängt so einiges dran, sagt Professor Thomas Riis vom historischen Seminar der Uni Kiel, Torstens Doktorvater und Mitbegründer des Northern European Historical Research Networks. Aus persönlichen Kontakten heraus haben sich Universitäten aus dem gesamten Ost- und Nordseeraum zusammengeschlossen, um gemeinsame Doktorprüfungsordnungen auszuarbeiten. Die halten sich an die Anforderungen der europäischen Hochschulrektorenkonferenz, so Professor Riis::

Man muss auf jeden Fall während des Doktorandenstudiums an einer anderen Universität studiert haben, das Thema muss einen europäischen Bezug haben, und die Betreuer müssen auch aus anderen Universitäten kommen als der eigenen.

Konkret heißt das für die Anwärter auf den Europäischen Doktorgrad: Statt gemütliche drei Jahre an der eigenen Uni im eigenen Büro zu arbeiten, müssen sie ständig unterwegs sein. Forschungsaufenthalte an mindestens zwei ausländischen Unis gehören zum Titel dazu. Torsten Fischer war insgesamt ein Jahr lang auf Achse, hat sich in Lyon und Aberdeen mit der Erblichkeit von Armut beschäftigt - und das ging ganz schön ins Geld:

Weil man mehr Ausgaben hat. Lyon war ja nicht die einzige Reise, und Aberdeen auch nicht. Wenn man auf europäischer Ebene arbeitet, sind die Vorträge ja auch nicht um die Ecke.

Wochenlanges Wühlen in französischen Akten des 16., 17. und 18. Jahrhunderts - das war kein Zuckerschlecken, aber hat sich gelohnt:

Ich habe es immer so gesehen, dass es meinen Horizont erweitert, und zwar nicht nur wissenschaftlich, sondern für mein persönliches Interesse. Ich habe mir nie gedacht, am Ende steht jetzt mein Doktortitel, sondern ich habe mir gedacht, das ist eine Bereicherung für mich. Ich gehe jetzt nach Schottland, und ich kenne da zwar niemanden, aber ich werde sicherlich jemanden kennen lernen, da sind sicherlich auch nette Leute. Und so war es auch in Lyon. Das war schon eine schöne Erfahrung.

Schottische Whiskey-Diplomacy hat er kennen gelernt und den harten Wettbewerb im akademischen Frankreich. Und mit dem Europäischen Doktortitel im Lebenslauf läuft es auch gut im Berufsleben:

Ich bin jetzt Programmkoordinator, DFG, sicherlich hat die Entscheidung auch beeinflusst, dass ich in Europa zu Hause bin. Es hat mir bei meinen Praktika geholfen, die auf den Beruf hin geführt haben. Zum Beispiel war ich fünf Monate bei der Europäischen Kommission in Brüssel, und das passt wunderbar zusammen.

Zurzeit arbeiten noch zwei weitere Kieler Historiker an ihrem Europäischen Doktorgrad, und Professor Thomas Riis kann sich durchaus auch andere Gebiete vorstellen, auf der europäische Zusammenarbeit sinnvoll wäre:

Grundsätzlich alle eigentlich. Man kann es zum Beispiel in den Sprachwissenschaften tun, in Erdkunde, den Naturwissenschaften, überall, wo man einen Bezug zum Ausland findet.

Auch der belgische Historiker René Leboutte, der in Aberdeen eine Professur inne hat und heute Torsten Fischer geprüft hat, freut sich über den europäischen Doktor - gerade auch als Anknüpfung an das, was früher schon das Universitätsleben ausgemacht hat. Es bleibt also zu hoffen, dass sich in Zukunft mehr deutsche Universitäten an europäische Netzwerke anschließen und damit der Doktor Communitatis Europeae keine Ausnahme bleibt. Torsten Fischer jedenfalls feiert jetzt gerade - mit schottischem Whiskey, Französischem Champagner und Deutschen Schlagern.

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