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StartseiteInterview"Ideologien sind ein wichtiger Motor von Gewalt"25.03.2016

Evolutionsforscher zum Terror"Ideologien sind ein wichtiger Motor von Gewalt"

Terroristische Gewalt wie bei den Anschlägen in Brüssel habe mit dem Ursinn von Gewalt zur Selbstverteidigung des Menschen nicht mehr viel zu tun, sagte der Evolutionsforscher Franz Wuketits im DLF. Heute gehe es vor allem um ideologische, religiöse Motive - und um Zugehörigkeit.

Franz Wuketits im Gespräch mit Maja Ellmenreich

Eine Trage mit einem Todesopfer wird am 23.03.2016 in Brüssel (Belgien) vor der Metrostation Maelbeek in einem Leichenwagen der Polizei geladen. (picture alliance / dpa / Federico Gambarini)
Bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in der Metro wurden mindestens 31 Menschen getötet und 300 verletzt. (picture alliance / dpa / Federico Gambarini)
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Alle Evolutions- und Gewaltforscher seien sich darin einig, dass Ideologien – säkulare wie religiöse – ein wichtiger Motor von Gewaltakten sind, sagte der Autor des Buches "Mord, Krieg, Terror – Sind wir zur Gewalt verurteilt?" im DLF. Eine wichtige Rolle spiele aber auch das Zugehörigkeitsgefühl, das dem Menschen von der Evolution mitgegeben worden sei. "Keiner von uns möchte das sprichwörtliche fünfte Rad am Wagen sein." Aber die Evolution habe dem Menschen nicht gezeigt, wo und wem er sich anschließen solle oder nicht. 

Selbstmordattentate stellen laut Wuketits in der Evolutionsgeschichte kein neues Phänomen dar. Der Mensch könne zwar außerordentlich hilfsbereit und empathisch sein, genauso verhalte er sich aber auch grausam. "Es gibt kein Säugetier, das sich mit vielen Individuen zusammenrottet, um andere Individuen seiner Spezies in Konzentrationslager zu stecken und dort zu foltern und zu quälen." Die Wissenschaft gehe davon aus, dass etwa drei bis vier Prozent aller Menschen Soziopathen seien, also Menschen ohne Gewissen. Die Zahl klinge wenig, sei angesichts einer Weltbevölkerung von 7,4 Milliarden jedoch nicht unerheblich.

Für eine friedlichere Welt braucht es laut Evolutionsforscher Wuketits eine gerechtere Verteilung der Ressourcen – jeder müsse genug Platz und Nahrung haben. Zudem müssten Ideologien entschärft und der religiöse Fundamentalismus beseitigt werden. Nur sei eine friedlichere Welt heute offenbar nach wie vor eine Utopie.

Das Gespräch können Sie mindestens sechs Monate in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

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