• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 07:00 Uhr Nachrichten
StartseiteInterview"Er hat die Strafe wahrlich verdient"24.03.2016

Ex-Außenminister Kinkel zu Radovan Karadzic"Er hat die Strafe wahrlich verdient"

Der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel hat die Verurteilung des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic zu 40 Jahren Haft begrüßt. Karadzic habe "furchtbare Schuld" auf sich geladen, sagte der frühere FDP-Politiker im DLF. Kinkel betonte, er leide bis heute darunter, dass der Völkermord in Srebrenica nicht verhindert wurde: "Es war auch mein Versagen."

Klaus Kinkel im Gespräch mit Matthias von Hellfeld

Klaus Kinkel, Bundesaußenminister a.D. (FDP), während einer Veranstaltung im November 2014. Matthias Balk/dpa (picture-alliance/ dpa / Matthias Balk)
Klaus Kinkel, Bundesaußenminister a.D. (FDP), begrüßt das Urteil gegen Karadzic. (picture-alliance/ dpa / Matthias Balk)
Mehr zum Thema

Urteil gegen Radovan Karadzic Ein Zeichen gegen das Vergessen

Urteil gegen Radovan Karadzic Ein Zeichen gegen das Vergessen

UNO-Kriegsverbrechertribunal 40 Jahre Haft für Karadzic

Erhard Busek über Karadzic-Prozess: "Beklagenswert, dass es so lange gedauert hat"

Urteil gegen Radovan Karadzic Aufarbeitung eines grausamen Völkermords

Urteil gegen Radovan Karadzic Schuld und späte Sühne

Den Haag Die Welthauptstadt des Friedens und des Rechts

20 Jahre Dayton-Vertrag Wieder am Scheideweg

"Ich habe gedacht, Karadzic bekommt lebenslänglich", sagte der frühere Bundesaußenminister. Schließlich sei der heute 70-Jährige politisch dafür verantwortlich gewesen, dass in Bosnien 100.000 Menschen umgekommen seien. Bei einem späteren Treffen anlässlich des Friedensabkommens von Dayton habe er ihm bewusst nicht die Hand gegeben, erklärte Kinkel.

Der FDP-Politiker betont aber auch die Schuld des Auslands: Die von der UNO in Srebrenica eingerichtete Sicherheitszone sei zum Schutz der Muslime völlig unzureichend gewesen. "Es war ein totales Versagen der Völkergemeinschaft insgesamt, der Vereinten Nationen, der NATO, der Europäer - auch mein Versagen", sagte Kinkel im DLF, "obwohl ich im Einzelnen nicht gewusst habe, was da ablief in den schrecklichen Tagen von Srebrenica". Bis heute leide er darunter, dass der Völkermord nicht verhindert wurde.

Nach Srebrenica habe sich die Völkergemeinschaft geschworen, so etwas nie wieder zuzulassen. Doch auch in Syrien habe sie wieder "gigantisch versagt", kritisierte Kinkel. "250.000 Menschen sind für meine Begriffe unnötig ums Leben gekommen." Auch die deutsche Außenpolitik habe er manchmal nicht verstanden, sagte der FDP-Politiker: "Man hätte - trotz des Einspruchs der Russen und der Chinesen im Sicherheitsrat - was Flugverbotszonen anbelangt und Medikamenten- und Lebensmittelversorgung, für meine Begriffe mehr erreichen können."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk