Donnerstag, 18.01.2018
StartseiteKommentare und Themen der WocheDie drei Fehler des Stephen Bannon10.01.2018

Ex-Breitbart-ChefDie drei Fehler des Stephen Bannon

Erst fiel er als Berater des US-Präsidenten in Ungnade, jetzt als Lenker des rechten Onlineportals "Breitbart" – tiefer hätte Stephen Bannon nicht fallen können, meint Thilo Kößler. Ob er ganz politisch tot sei, hänge an Trump. Denn der greife gerne auf das Personaltableau der Verstoßenen zurück, wenn es nötig sei.

Von Thilo Kößler

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Steve Bannon mit Brille und einem Mikrofon in der Hand (imago stock&people)
Da war er noch Chef des Onlineportals "Breitbart": Stephen Bannon im Dezember 2017 (imago stock&people)
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In dürren Worten verkündete Breitbart, das rechtsextreme Portal des gerade eben geschassten Stephen Bannon, den Abgang ihres Chefs – und teilte dann auch noch mit, dass Präsident Trump offenbar gedenke, im Streit um ein neues Einwanderungsgesetz einzulenken und Konzessionen an die Demokraten zu machen. Gleich eine doppelte Hiobsbotschaft für die Leser dieser Plattform, die Stephen Bannon zum Sprachrohr der scharf rechts angesiedelten Alt-Right-Bewegung gemacht hatte.

In der Tat ist der Rausschmiss des nationalistischen Vordenkers der reaktionären Wende unter Donald Trump nur der letzte Akt im Drama eines atemberaubenden Falls aus dem Olymp der Macht. Stephen Bannon wurde erst unsanft aus dem Amt des Chefstrategen im Weißen Haus komplimentiert, nun muss er auch noch als Chef von Breitbart und damit als Strippenzieher an der politischen Außenlinie den Hut nehmen.

Das ist nicht nur ein politisches Drama mit enormer persönlicher Fallhöhe. Sondern auch eine Zäsur in der nunmehr einjährigen Präsidentschaft Donald Trumps.

Seine Fehler: Illoyalität und Wahlverlust neulich

Stephen Bannon hat sich seinen jähen Absturz in mehreren Teilakten allerdings selbst zuzuschreiben. Er beging drei politische Kardinalfehler, die ihm unter diesem Präsidenten niemals hätten passieren dürfen.

Erstens brach er das Postulat der absoluten Loyalität gegenüber seinem Chef, als er nicht nur wiederholt sensible Details aus dem inneren Machtzirkel durchstach, sondern sich auch noch als der wichtigste Informant des Fire-and-Fury-Autors Michael Wolff entpuppte. Dass er dabei Donald Trump unterstellte, Kenntnis von den Russland-Kontakten seines Sohnes gehabt zu haben, war dem Loyalitäts-versessenen Patriarchen wohl eine Drehung zu viel.

Zweitens verletzte Stephen Bannon das Prinzip der familiären Unantastbarkeit, als er Tochter Ivanka als "doof wie Backstein" titulierte und Ehemann Jared Kushner zum – so wörtlich – Lakaien seines Schwiegervaters degradierte.

Drittens verlor Stephen Bannon eine wichtige Wahl für Donald Trump: Bannon hatte in Alabama unlängst ganz auf den mutmaßlichen Kinderschänder Roy Moore gesetzt und damit einen wichtigen Sitz für die Republikaner im Senat vergeigt.

Ist Bannon politisch tot? Vielleicht noch nicht

Die Republikaner atmen nun hörbar auf. Denn Bannons Pläne, den republikanischen Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, abzusägen und damit auch gleich das gesamte Partei-Establishment auf den Index der allzu Angepassten zu setzen, dürften nunmehr passé sein. Anders die zerklüftete und in sich zerstrittene Szene der rechtsextremen Rassisten, Nationalisten und Neonazis: Sie werden sich nach Bannons Abgang einen neuen Regisseur für die Inszenierung ihrer radikalen Umsturzpläne suchen müssen.  

Dass das Theater um Stephen Bannon damit sein endgültiges Ende gefunden hat, ist allerdings noch nicht gesagt. Donald Trump hat schon mehrfach bewiesen, dass er gerne auf das Personaltableau der Verstoßenen zurückgreift, wenn es ihm ins politische Konzept passt. Ohne Zweifel sind Trump und Bannon enge Brüder im politischen Geiste. Insofern könnte auch für Bannon gelten: Totgesagte leben länger.

Thilo Kößler, Korrespondent in Washington (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Thilo Kößler (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Thilo Kößler begann nach einem Geschichtsstudium seine Rundfunk-Laufbahn 1978 als Reporter im Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks. 1987 wechselte er als Zeitfunk-Redakteur zum SDR nach Stuttgart und war von 1990 bis 1996 ARD-Hörfunk-Korrespondent für den Nahen Osten am Standort Kairo. Seit 1998 arbeitete er als Redakteur im Deutschlandfunk, zunächst im Zeitfunk, dann als Leiter der Europaredaktion. Ab 2007 war er Leiter der Abteilung "Hintergrund". Seit Juni 2016 ist er USA-Korrespondent von Deutschlandradio mit Sitz in Washington.

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