Samstag, 16.12.2017
StartseiteDlf-MagazinEin ukrainischer Millionär sucht Unterschlupf23.11.2017

Exil im EmslandEin ukrainischer Millionär sucht Unterschlupf

Oleksandre Onischtschenko ist reich, gilt als Pferdenarr und Russlandfreund und wird per Haftbefehl von der ukrainischen Justiz wegen Wirtschaftskriminalität gesucht. Seit kurzem ist der Ukrainer offizielle im Dorf Herzlake im Emsland gemeldet. Dort ist der Millionär gern gesehen.

Von Hedwig Ahrens

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Porträt von Oleksandr Onischtschenko (Deutschlandradio / Hedwig Ahrens)
Der ukrainische Oligarch Oleksandr Onischtschenko hat sich im Emsland niedergelassen (Deutschlandradio / Hedwig Ahrens)

Gut versteckt hinter hohen Hecken liegt das Reitergut Einhaus in Herzlake. Die Holzpforte des hochherrschaftlichen Anwesens öffnet sich nur für angemeldete Gäste: Durch eine baumgesäumte Auffahrt führt ein gepflasterter Weg zu Fachwerkgebäuden, deren Türen und Sprossenfenstern mit Sandstein eingefasst sind.

Bei der Durchfahrt schlagen Kaukasische Hirtenhunde an: Sie gehören neben einem Sicherheitsdienst zum Überwachungssystem von Oleksandre Onischtschenko: Der Urkainer hat das Gut vor drei Jahren für einen zweistelligen Millionenbetrag gekauft: er züchtet dort Turnierpferde.

"Das meiste, was ich in Herzlake mache, ist mit meiner Zucht. Ich mach schon lange Zeit eigene Zucht. Junge Pferde, Fohlen, solche Sachen. Ja, ich kann sagen: In den letzten zehn Jahren die besten Pferde der Welt aus meinem Stall kommen."

In einem weihnachtlich geschmückten Kaminzimmer prasselt ein offenes Feuer. Onischtschenko setzt sich auf einen rehbraunen Ledersessel, von dort blickt er durch ein Fenster in die Reithalle.

"Wir haben Turnierplätze gebaut - auf der anderen Seite, das ist ein großer Reitplatz - 120 mal 80. Und dann der Abreitplatz."

Dafür hat der Ukrainer eine Million Euro bezahlt: In seiner Heimat zählt er zu den 50 reichsten Männern. Die ukrainische Justiz wirft ihm Wirtschaftskriminalität vor und sucht ihn per Haftbefehl. Das spielt für den Bürgermeister von Herzlake keine Rolle: Hans Bösken ist an den Investitionen des Ukrainers interessiert.

Ein Weg führt zu einem Gutshof im Emsland (Deutschlandradio / Hedwig Ahrens)Auf seinem Gut im Emsland züchtet Oleksandr Onischtschenko Turnierpferde (Deutschlandradio / Hedwig Ahrens)

"Ja, Herzlake liegt ja im Ostbereich des Landkreises Emsland und hat seit Jahren und Jahrzehnten eine große Tradition im Reitsport. Auch bedingt seit vielen Jahren durch das Gut Einhaus. Und auch unter diesem Aspekt sehen wird diese ganze Situation derzeit."

Diese Situation - damit meint der Bürgermeister die mediale Aufmerksamkeit, die der ukrainische Gutsbesitzer derzeit auf sich zieht. Auf Böskens Schreibtisch stapeln sich Anfragen von ukrainischen und russischen Fernsehsendern: Sie haben erfahren, dass Onischtschenko jetzt offiziell in Herzlake gemeldet ist.

"Herr Onischtschenko ist vor einigen Wochen bei uns in der Verwaltung der Gemeinde Herzlake gewesen und hat sich dort offiziell angemeldet - als Bürger der Gemeinde Herzlake und hat aber parallel auch einen Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung gestellt."

Der Ukrainer gilt als Russlandfreund

Für diesen Antrag beim Landkreis Emsland hat Bösken eine wohlwollende Stellungnahme verfasst. Ihm gehe es ausschließlich um das Reitergut, so Bösken. Onischtschenko beschäftigt nicht nur die Ukrainische Justiz - auch die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat mehrmals gegen ihn wegen Geldwäsche ermittelt. Der Ukrainer gilt als Russlandfreund, all das interessiert Bösken nicht. Und er weiß den Gemeinderat hinter sich.

"Letztendlich sind das Dinge, die ihn persönlich betreffen. Es ist eine Verpflichtung für uns als Gemeindeverantwortliche, dass wir - wenn Unternehmer an uns herantreten - dieses erst einmal grundsätzlich positiv sehen. Und da ist mir letztendlich auch egal, ob dieser Unternehmer Herr Onischtschenko, Meyer oder Müller heißt."

Onischtschenko selbst bezeichnet sich als politisch Verfolgter. Er habe Asyl in Spanien erhalten, so der Unternehmer, der den Winter lieber im Süden Europas verbringt. In der Ukraine engagiert er sich in der Opposition gegen Präsidenten Poroschenko: Gegen ihn will er bei den Wahlen 2019 kandidieren, erzählt er am Kaminfeuer.

"Ja, ich gehe zu Präsidentenwahl für meine neue Partei. Die Partei heißt 5 Punkt 10. Das ist unser Ziel: Maximum Freiheit geben für Investition und für Steuern, dass viele fremde Firmen in der Ukraine investieren können. Und wir wollen den Leuten besseres Leben geben."

Für die 4500 Einwohner in Herzlake ist die Ukraine weit weg und damit auch die Diskussion um den Unternehmer, der sich nur selten in ihrer Gemeinde blicken lässt. In der Ortsmitte winken viele Passanten bei der Frage nach dem umstrittenen Besitzer des Guts Einhaus ab.

"Das Investieren ist das Wichtige - der Ruf letztendlich, wenn da Geld irgendwo herkommt - ist mir dann egal."

"Wir haben da wenig mit zu tun - ist zu abgelegen."

"Im Grunde sage ich nix dazu. Nur, man muss wissen, wo das Geld herkommt. Wenn da investiert wird, dann sollte man ehrliches Geld nehmen und das sollte vorher geprüft werden."

Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat die Ermittlungen gegen Onischtschenko inzwischen eingestellt. Ein Rechtshilfeersuchen aus der Ukraine liege dort nicht vor, sagt der zuständige Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer. Den beantragten Aufenthaltstitel wird der Landkreis Emsland vorerst nicht erteilen, denn: der Ukrainer besitze kein Visum für Deutschland, begründet eine Kreissprecherin die Absage. In Herzlake plant Onischtschenko trotzdem schon Reitevents für das kommende Jahr: Er hat zwei Turniere angemeldet. Bürgermeister Bösken rechnet dann mit jeweils 20.000 Besuchern in Herzlake - ein Grund mehr für ihn, den Ukrainer als neues Gemeindemitglied willkommen zu heißen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk