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StartseiteForschung aktuellExotisches Virus sucht Italien heim03.09.2007

Exotisches Virus sucht Italien heim

Tropisches Virus infizierte zahlreiche Menschen

<strong>Medizin. - Dezember 2005 infizierte das so genannte Chikungunya-Fieber innerhalb weniger Monate rund 300.000 Menschen im französischen Réunion. Jetzt tauchte das zwar nicht tödliche, aber dennoch sehr unangenehme Virus in Italien auf und löste erstmals in Europa eine kleine Epidemie aus, berichten Forscher auf einem Virologenkongress in Nürnberg. Der Wissenschaftsjournalist Martin Winkelheide erläutert die Erkenntnisse im Gespräch mit Monika Seynsche.</strong>

Die auch in Teilen Europas beheimatete Tigermücke verbreitete bei Ravenna das Chikungunya-Fieber. (CDC)
Die auch in Teilen Europas beheimatete Tigermücke verbreitete bei Ravenna das Chikungunya-Fieber. (CDC)

Monika Seynsche: Herr Winkelheide, was ist denn da passiert?

Martin Winkelheide: Es heißt, dass Ende Juni ein Mann aus Indien Verwandte besucht hat in der Nähe von Ravenna und in der Folge kam es dann in zwei Kleinstädten zu Fällen von Chikungunya-Fieber. Es soll über 100 Krankheitsfälle gegeben haben, 30 Fälle wurden bestätigt, das heißt, da wurde das Virus auch tatsächlich nachgewiesen.

Seynsche: Wie äußert sich dieses Fieber?

Winkelheide: Es ist so, dass man nach einem Mückenbiss, denn die Krankheit wird nur von Mücken übertragen, nach ein bis zwei Tagen einen plötzlichen Fieberschub und Kopfschmerzen bekommt. Dann kommt es zu Muskel- und Gelenkbeschwerden. Das Fieber geht dann in der Regel auch zurück, aber selbst wenn das Fieber zurückgeht - die Muskelschmerzen kommen wieder, nämlich mit dem nächsten Fieberschub. Es kann auch zu Hautflecken kommen, aber das Schlimmste sind eben die großen Gelenkbeschwerden. Die Menschen haben große Schmerzen und können sich schlecht bewegen.

Seynsche: Sie sagten gerade, das Fieber wird über Mücken übertragen. Bedeutet das denn jetzt, dass es, wenn es einmal in Europa aufgetreten ist, sich jetzt auch in Europa fortpflanzen kann?

Winkelheide: Darüber streiten die Experten zurzeit. Was man auf jeden Fall sagen kann, es muss eine Mücke wohl den kranken Mann gebissen haben, die Mücke nahm das Virus auf und hat es auf andere Menschen übertragen. Und es war eben eine asiatische Tigermücke, die ist in Italien im Sommer weit verbreitet, sie ist aber auch in zwölf anderen europäischen Ländern verbreitet. Die italienischen Behörden haben jetzt angefangen, die Mücken zu bekämpfen. Das heißt, sie haben Insektizide versprüht, um die Mücken abzutöten, und so hofft man, dass man diese doch sehr kleine Epidemie jetzt unter Kontrolle hat. Die Frage ist, sind wirklich alle Mücken erwischt worden, die das Virus in sich tragen. Da muss man abwarten.

Seynsche: Wie kann man sich gegen dieses Virus schützen?

Winkelheide: Es gibt keinen Impfstoff, der vor einer Ansteckung mit dem Virus schützt. Es gibt auch keine Medikamente, die direkt zum Beispiel die Virusvermehrung blockieren. Man kann also eigentlich nur, wenn man sich infiziert hat, Medikamente nehmen, die die Schmerzen lindern und die Entzündung hemmen. Das Beste ist natürlich, man lässt sich nicht von einer Mücke beißen, die das Virus in sich trägt. Das heißt, man muss konsequent auf Mückenschutz achten. Das Problem ist, dass diese Tigermücke nicht einfach nur nachts aktiv ist, wie man vielleicht von Mücken erwartet, sondern sie ist auch tagaktiv. Da ist es also schon wichtig, dass man langärmlige Sachen trägt und die Mücken mit Abwehrsubstanzen vertreibt.

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