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Experte zu AfD-Medienoffensive"Parteipropaganda statt Journalismus"

Die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch macht bei der Konstituierenden Sitzung des Bundestages ein Foto mit ihrem Mobiltelefon. (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)
Die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch macht bei der Konstituierenden Sitzung des Bundestages ein Foto mit ihrem Mobiltelefon. (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

Der Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje hat die von der AfD angekündigte Medienoffensive als fragwürdig bezeichnet.

Wenn die AfD erkläre, sie wolle journalistisch informieren, sei das schlichtweg falsch, sagte Hillje im Deutschlandfunk. Das widerspreche dem demokratischen Verständnis von Journalismus. Was eine politische Partei wie die AfD mache, sei Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Deshalb sollte man ihr nicht den Gefallen tun und das von ihr verbreitete Etikett "Newsroom" für ihre ausgeweitete PR-Arbeit übernehmen.

Hillje betonte, natürlich habe die AfD das Recht, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Das machten die anderen Parteien auch. Der entscheidende Unterschied zwischen ihnen sei aber das Selbstverständnis der eigenen Medienarbeit. Die AfD sehe sich "als Korrektiv zu angeblich verzerrenden Medien", erläuterte Hillje. "Und dieses Medienverständnis ist meines Erachtens antidemokratisch. Denn es ersetzt die Medien als vierte Gewalt durch Parteipropaganda."

Vor allem über die sozialen Medien habe sich die AfD in den vergangenen Jahren eine gewaltige Kommunikationsmacht aufgebaut. Auch im Bundestag sei es das primäre Ziel der AfD, ihr Verhalten - ob Reden oder Zwischenfragen - so darzustellen, "dass es sich in der eigenen Echokammer bestmöglich vermarkten lässt". Das, was man sehe, sei so etwas wie "inszenierte Opposition". Die AfD wolle das eigene Image des zuverlässigen Volksvertreters pflegen und zugleich das Feindbild der korrupten etablierten Parteien transportieren.

Fraktionschefin Weidel hatte im Magazin "Focus" erklärt, man plane die Medienoffensive, weil die AfD von vielen Medien ignoriert oder "mit Fake News gezielt schlechtgemacht" werde.

Diese Nachricht wurde am 16.02.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.