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StartseiteNachrichten vertieftErdogans Kritik Ansporn für deutsche Satiriker29.03.2016

"extra-3"-VideoErdogans Kritik Ansporn für deutsche Satiriker

Nachdem die türkische Regierung wegen eines Satire-Videos der NDR-Sendung "extra 3" den deutschen Botschafter einbestellt hat, sehen sich deutsche Medien nicht gerade veranlasst, umzuschwenken. Im Gegenteil: Der Zorn des türkischen Präsidenten Erdogan ist Anlass für neuen Spott.

 Moderator Christian Ehring moderiert am 17.03.2016 im NDR Studio in Hamburg während der Sendung "extra 3" den satirischen Song: "Erdowie, Erdowo, Erdogan" an.  (NDR)
Christian Ehring moderiert in der Sendung "extra 3" den satirischen Song: "Erdowie, Erdowo, Erdogan" an. (NDR)
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Das "extra-3"-Video, das die türkische Regierung offenbar so stark erzürnt hat, dass sie den offiziellen Weg über den deutschen Botschafter gesucht hat, kritisiert unter dem Titel "Erdowie, Erdowo, Erdogan" den Umgang mit der Pressefreiheit in der Türkei. Erdogan trete in Sachen Pressefreiheit und Menschenrechte "ziemlich verhaltenskreativ auf". Im Video heißt es: "Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast."

Der deutsche Botschafter in der Türkei, Martin Erdmann, musste sich am vergangenen Dienstag für die Satire rechtfertigen. Ein türkischer Diplomat, der anonym bleiben wollte, sagte nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP: "Wir haben verlangt, dass die Sendung gelöscht wird." Im DLF machte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Frank Überall, darauf aufmerksam, dass wohl ein Missverständnis vorliege - und Erdogan den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für "Staatsfunk" halte.

"Extra 3" legte nach, und veröffentlichte das Video mit englischen Untertiteln, damit auch die nicht-deutschsprachige Welt erfährt, welche Inhalte die türkische Regierung zu solch drastischen diplomatischen Maßnahmen bewegen.

Allerdings zeigt man sich auch "besorgt":

Die "heute show" des ZDF findet noch mehr Dinge, an denen sich der türkische Präsident möglicherweise stören könnte.

Der "Postillon", dessen Satiremeldungen schon häufiger für bare Münze genommen wurden, verfasste eine Meldung über eine vermeintliche eigene Meldung. Darin heißt es: "Ob 'die Mimose vom Bosporus', wie Erdogan an anderer Stelle im Artikel genannt wird, wegen dieser zugegebenermaßen eher harmlosen Beleidigungen auch gegen den "Postillon" vorgehen will, ist unklar. Beobachter halten jede Reaktion vom einfachen Ignorieren bis hin zum Krieg gegen die EU für denkbar."

Die gesteigerte Aufmerksamkeit dürfte "extra 3" jedenfalls nicht ärgern. Deshalb fiel der Redaktion die Wahl des "Mitarbeiters des Monats" offenbar leicht.

(vic/tj)

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