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StartseiteUmwelt und VerbraucherExtreme Wetter16.02.2006

Extreme Wetter

Wissenschaftler diskutieren über Klimaveränderungen

Greenpeace rechnet vor, dass die Extremwetter mit Überschwemmungen, Hitzeperioden und Wirbelstürmen schon heute jeden Bundesbürger 24 Euro im Jahr kosten, dreimal so viel wie zwischen 1990 und 2000. Sind die extremen Wetterlagen tatsächlich auf die Erderwärmung zurückzuführen? Beim ersten Extremwetterkongress in Hamburg sind Wissenschaftler dieser Frage nachgegangen.

Von Werner Nording

Häuser der Ortschaft Strassacker unweit von Kelheim sind vom Donauhochwasser teilweise überflutet. (AP)
Häuser der Ortschaft Strassacker unweit von Kelheim sind vom Donauhochwasser teilweise überflutet. (AP)

Das Besondere an diesem Extremwetterkongress, der heute und morgen in Hamburg stattfindet, ist, dass Wetterinteressierte von Wissenschaftlern Fakten aus erster Hand über auffällige Klimaphänomene bekommen können. Themen sind Rekordsommer, Dürren, Hochwasser, Unwetter- und Schneekatastrophen, Hurrikane, Tornados oder Riesenwellen. Organisiert hat den ersten Kongress dieser Art der Herausgeber des Wettermagazins, Frank Böttcher:

"Ziel des Kongresses ist es, dass Professoren und Wissenschaftler aus ihrem Elfenbeinturm herauskommen und erzählen: Was passiert eigentlich bei Extremwetterereignissen, wie entstehen die und wie ordnen sie sich in der Klimaerwärmung ein, was müssen wir in Zukunft erwarten, wo müssen wir in Deutschland mit Extremwetterereignissen rechnen?"

Der Klimaforscher Professor Mojib Latif von der Universität Kiel wird in das Thema einführen. Dabei weist der Wissenschaftler darauf hin, dass der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids trotz aller Appelle massiv angestiegen ist. Mit verheerenden Auswirkungen für die Umwelt:

"Wir erwarten abhängig davon, wie wir uns in der Zukunft verhalten, eine zusätzliche Erderwärmung bis 2100 zwischen 1,4 bis 5,8 Grad. Das heißt, dass wir auf jeden Fall eine zusätzliche Erwärmung bekommen, unabhängig davon, wie wir uns verhalten, diese Erderwärmung wird voraussichtlich mindestens 1,5 Grad betragen. Alles, was darüber hinausgeht, hätten wir im Prinzip noch in der Hand."

Der Polarforscher und Expeditionsleiter Arved Fuchs vertritt dabei einen weiten Begriff von Extremwetterlagen. Extrem sei es, wenn 2002 auf Eiskarten davon gesprochen wurde, dass in der Arktis die Eisdicke einen absoluten Tiefpunkt erreicht habe, dieses Minimum 2005 aber noch deutlich unterschritten wurde:

"Wenn es in Grönland, wo es im Januar 30 Grad kalt sein sollte, plötzlich wärmer wird, wenn das Polareis auf dem Meer um Spitzbergen solide sein sollte und offen ist, dann kann man dort, weil die Temperaturverhältnisse anders sind, von Extremverhältnissen sprechen, Wetterverhältnissen, ich würde dieses Extrem nicht nur auf Stürme und Hurrikane beziehen, sondern auf ungewöhnliche Wetterverhältnisse, die eine gewisse Konstanz aufweisen, beziehen wollen."

Arne Dunker vom Klimahaus Bremerhaven hat bei seinen Reisen um die Erde festgestellt, das die Veränderung des Klimas auch von Menschen wahrgenommen wird, die den Begriff des Klimawandels selbst noch gar nicht kennen:

"So können die Juppic in Alaska schon feststellen, dass sie auf ihrer Insel plötzlich andere Zugvögelarten sehen, die man auf der Insel noch gar nicht kennt, dass die Walrosse nicht mehr kommen, dass Eisbären nur noch selten kommen und Wale ihre Zugrouten verändert haben, und so können Menschen aus ihrem Alltag erzählen, dass sich ihre Kultur und ihr Leben komplett verändert haben."

In Deutschland lasse sich der Klimawandel daran ablesen, dass durch den Anstieg von Westwind-Wetterlagen das Risiko von Stürmen im Winter zunehme, dass es häufiger Überschwemmungen gebe oder speziell in Ostdeutschland auch eine Zunahme von Dürre, sagt der Leiter des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Professor Martin Claußen. Gesichert seien diese Erkenntnisse aber noch nicht:

"Es gibt Trends, die wir beobachten, aber die Zuordnung zum Klimawandel ist schwierig, vielleicht noch etwas verfrüht. Wir wissen noch zu wenig, um gezielte Empfehlungen zu geben an die Wirtschaft, darauf müsst Ihr euch einstellen, da ist leider noch ein wenig Forschung nötig, um gezielte Empfehlungen geben zu können."

Eindeutig beziffern ließen sich dagegen die massiven Schäden durch Extremwetterlagen, die volkswirtschaftlich zu Buche schlügen, gibt Professor Latif zu bedenken:

"Die Elbeflut hat uns zwischen fünf und zehn Milliarden Euro gekostet, das ist ein beträchtlicher Teil des Bundeshaushaltes, deswegen wurde die Steuerreform verschoben, Hurrikan Kathrina, der New Orleans verwüstet hat, hat 100 Milliarden US-Dollar gekostet. Insofern ist es besser, die Schäden nicht immer zu begleichen, sondern vorausschauend zu handeln und das Klima nicht zu sehr sich verändern zu lassen."

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