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StartseiteWirtschaft und GesellschaftDeutsche Banken unter den Wackelkandidaten22.10.2014

EZB-StresstestDeutsche Banken unter den Wackelkandidaten

Es sollen mindestens elf Banken aus sechs Euro-Ländern sein, die den seit Monaten laufenden Stresstest der EZB nicht bestanden haben. Nach Recherchen der spanischen Nachrichtenagentur EFE seien es vier griechische, drei italienische, zwei österreichische, eine zyprische und eine portugiesische Bank. Doch auch deutsche Banken könnten durchfallen.

Von Michael Braun

Euro-Skulptur vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. (picture alliance / dpa - Arne Dedert)
Am Sonntag werden die Ergebnisse vom Stresstest durch die EZB bekannt gegeben. (picture alliance / dpa - Arne Dedert)
Weiterführende Information

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(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 29.04.2014)

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Noch sind es nur Gerüchte, gespeist womöglich aus den abschließenden Gesprächen, die die Europäische Zentralbank gestern mit den Chefs der von ihr untersuchten großen Banken geführt hat. Die offiziellen Ergebnisse, wie die 130 größten europäischen Banken die Bilanzprüfung und den Stresstest durch die EZB bestanden haben, gibt es am Sonntag um 12 Uhr. Die Bankvorstände werden schon morgen Mittag informiert: Sie sollen sich darauf vorbereiten können, sollen kurz nach einem möglichen schlechten EZB-Ergebnis mitteilen können, wie sie reagieren wollen. Das soll auch Panik verhindern.

Auch in Deutschland steht das Bankensystem nicht risikofrei da. Vor allem wenn Staatsanleihen stark abgewertet werden müssten, weil nach Griechenland auch Portugal, Spanien und Italien einen Schuldenschnitt beschlössen, dann fehlte den deutschen Instituten viel Kapital. Die Lücke wäre bis zu 92 Milliarden Euro groß, hat Professor Michael Schröder von der Frankfurt School of Finance and Management berechnet:

"Unsere Ergebnisse waren auch für uns überraschend, dass tatsächlich auch Probleme in zum Beispiel Frankreich und Deutschland in größerem Umfang auftreten können."

Stolperkandidaten aus Deutschland

In Deutschland galt bislang vor allem die Hamburger HSH Nordbank als größter Wackelkandidat. Heute aber meldete die Nachrichtenagentur Reuters, die HSH werde es schaffen. Die Nachranganleihen der Bank zogen daraufhin kräftig an: Offenkundig glaubt der Markt die entlastende Botschaft.

Auch das erste deutsche Opfer der aktuellen Finanzkrise, die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, gilt als unsicherer Kantonist im Stresstest. Dazu die NordLB und die zum genossenschaftlichen Bankensektor gehörige Münchner Hypothekenbank. Die hat aber im Frühjahr 400 Millionen Euro neues Eigenkapital eingeworben. Sie könnte also im Stresstest zum Zieldatum 31. Dezember 2013 patzen, aber behaupten, die Risiken seien längst durch neues Kapital gedeckt. Immer wieder mal genannt als bei Stress stolpernde Bank wird auch die Commerzbank, obwohl der Staat noch als Großaktionär dabei ist. Ihre Nachranganleihen mit Laufzeit Ende 2019 werfen derzeit 3,6 Prozent ab. Das klingt nach nicht viel. Aber eine vergleichbare Bundesanleihe bringt nur 0,1 Prozent. Damit verglichen, ist das Commerzbankrisiko deutlich höher.

Insgesamt nehmen 23 deutsche Banken an dem Test teil. Wie die Commerzbank litt die HSH Nordbank vor allem unter Krediten an die seit Jahren kriselnde Schifffahrtsbranche. Der HSH, die mehrheitlich den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gehört, half womöglich die relativ gute Kapitalausstattung, zu der eine staatliche Garantie für riskante Kreditbestände maßgeblich beiträgt.

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