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StartseiteKommentare und Themen der WocheDraghis neue Sorge ist übertrieben07.09.2017

EZB-Zinswende bleibt ausDraghis neue Sorge ist übertrieben

Die Europäische Zentralbank hält an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest - EZB-Chef Mario Draghi kündigt immerhin für Oktober "mögliche Entscheidungen" an. Doch es ist bereits höchste Zeit, den Krisenmodus endlich zu beenden, meint Eva Bahner.

Von Eva Bahner

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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) (dpa / picture-alliance / Arne Dedert)
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Archiv (dpa / picture-alliance / Arne Dedert)
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Mario Draghi hat wieder einmal kalte Füße bekommen. Der EZB-Präsident verschiebt den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik erneut. Und dabei wäre es höchste Zeit, den Krisenmodus endlich zu beenden. Nicht nur, weil der Instrumentenkasten der EZB weitgehend ausgeschöpft ist.

Das Anleihekaufprogramm, mit dem die europäische Zentralbank Monat für Monat Milliarden Euro in die Märkte pumpt, stößt schon rein technisch an seine Grenzen. Und nicht nur, weil Sparer, Versicherungen und Banken seit Jahren unter den niedrigen Zinsen leiden. Sondern vor allem weil die ökonomischen Rahmenbedingungen seit der Finanzkrise 2008 nie günstiger waren als heute für eine Rückkehr zur Normalität: Die Gefahr der Deflation ist weitgehend gebannt, die Arbeitslosigkeit niedrig, die Eurozone legt derzeit einen stabilen Aufschwung hin.

Geradezu absurdes Argument

Doch nun hat der Währungshüter Draghi eine – wie er es formuliert – "neue Quelle der Unsicherheit" entdeckt: den starken Euro. Zugegeben, der Euro hat in der Tat seit Trumps Amtsantritt in den USA eine rasante Aufwertung erfahren – doch die Sorge, dass ein zu starker Euro das Wachstum und die Inflationsentwicklung in der Eurozone ausbremsen könnte, ist übertrieben.

Zum einen, weil die europäischen Exporteure größtenteils im Euroraum Geschäfte machen. Zum anderen, weil der derzeit starke Binnenkonsum etwaige Exportrückgänge in Europa locker ausgleichen könnte. Dass nun eine erstarkte europäische Gemeinschaftswährung herhalten muss als Argument gegen eine Rückkehr zur geldpolitischen Normalität, ist geradezu absurd. 

EZB braucht einen Plan

Nicht ohne Grund halten sich Notenbanker in der Regel zurück mit Aussagen zum Außenwert einer Währung, denn nicht selten geht der Schuss nach hinten los. So auch heute: Nach Draghis Aussagen stieg der Euro erneut, und das obwohl die Aussicht auf steigende Zinsen mit dem heutigen Tag wieder in weite Ferne gerückt ist. 

Gegen den starken Euro hat Draghi derzeit wenig in der Hand, solange der Dollar geschwächt wird durch geopolitische Unwägbarkeiten und eine bislang wenig überzeugende US-Regierung.

Die europäische Notenbank sollte sich auf das konzentrieren, worauf es in den nächsten Wochen ankommt, nämlich einen Plan zu entwickeln, wie das viele billige Geld in Europa wieder eingesammelt werden kann. Mit Augenmaß, aber auch mit Entschlossenheit. Im zehnten Jahr nach der Finanzkrise ist es dafür höchste Zeit.

Eva Bahner (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner wurde 1973 in Baden-Württemberg geboren. Sie studierte Volkswirtschaft in Tübingen und Boston, danach Volontariat in der n-tv-Wirtschaftsredaktion und an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Heute arbeitet sie in der Deutschlandfunk-Wirtschaftsredaktion.

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