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StartseiteKommentare und Themen der WocheMea Culpa und nichts dahinter11.04.2018

Facebook-Chef Mark ZuckerbergMea Culpa und nichts dahinter

Seit über zehn Jahren entschuldigt sich der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit schöner Regelmäßigkeit - und ändern tut sich nichts, kommentiert Brigitte Baetz. Wenn bei Facebook und anderen Datensammlern im Netz etwas passieren soll, müsse die Politik ran. Doch das scheine noch in weiter Ferne.

Von Brigitte Baetz

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Mark Zuckerberg sitzt an einem Tisch in einem Raum des US-Kongresses, hinter ihm eine Gruppe von Menschen (picture alliance / dpa / Alex Brandon)
Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress (picture alliance / dpa / Alex Brandon)
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Ja, er hat es wieder getan: er hat sich entschuldigt. Es sei alles sein Fehler. Dieses Mea Culpa, man könnte es fast Mark Zuckerbergs Mantra nennen. Seit über zehn Jahren entschuldigt sich der Facebook-Erfinder und Gründer des größten Sozialen Netzwerkes der Welt mit schöner Regelmäßigkeit - für Hasskommentare und Falschmeldungen, für illegale Datentransfers, dafür, dass auch Daten von Menschen auf den Facebook-Servern liegen, die sich nie dort angemeldet haben, dafür, dass die Geschäftsbedingungen des Großunternehmens zu unübersichtlich sind, dass es möglicherweise Millionen gefälschter Konten gibt und und und.

Je größer die öffentliche Aufregung, desto gedrechselter die Entschuldigungen, die gleichwohl immer allgemein bleiben. Und: ändern tut sich nichts. Man muss kein Internetguru sein, um zu prognostizieren, dass auch die aktuelle Mea-Culpa-Runde, weltweit übertragen aus dem Kapitol, so schnell nichts ändern wird - zumindest nicht im Sozialen Netzwerk selbst und bei seinen vielen Werbekunden. Denn: die große Flucht aus Facebook bleibt aus.

Es ist bequem, Teil der großen Facebook-Gemeinde zu sein

Obwohl die Nutzer wissen, dass sie das kostenlose Facebook-Angebot mit ihren Daten bezahlen, sich vor einem privaten amerikanischen Unternehmen quasi nackt ausziehen und ihre Vorlieben, ihre Hobbies, Freunde, die Fotos ihrer Kinder, ihre bevorzugten Aufenthaltsorte, ihre sexuellen und politischen Orientierungen preisgeben - also all das tun, was sie in ihrem "wirklichen" Leben tunlichst vermeiden - scheint es sie nicht zu stören.

Der Grund ist einfach: Es ist bequem, Teil der großen Facebook-Gemeinde zu sein, genauso wie es bequem ist, Whatsapp zu benutzen oder auf Instagram Bilder zu posten. Auch diese Unternehmen gehören Facebook.

Skandal betrifft die Politik direkt

Wenn sich bei Facebook und anderen Datensammlern im Netz etwas ändern soll, muss die Politik, müssen die Aufsichtsbehörden ran. Und es ist ziemlich schändlich, dass erst der Cambridge-Analytica-Skandal passieren musste, dass die Politik weltweit aktiv wird. Kein Wunder: betrifft doch dieser Skandal direkt die Politik, scheint er zu beweisen, dass mittels Nutzerprofilen von Facebook eine Beeinflussung von Wahlergebnissen möglich wäre - von rechten Gruppen oder Ländern wie Russland. Ob das stimmt, hat noch niemand verifiziert, aber wenn es geholfen haben sollte, Facebook stärker zu regulieren, so soll das im Sinne der Datensicherheit von knapp zwei Milliarden Menschen recht sein.

Der Auftakt im Kapitol hat allerdings nicht den Eindruck gemacht, dass die befragenden Senatoren sich auf der Höhe der Social-Media-Zeit befinden. Zu erwarten, dass das politische Washington oder die zuständigen Kartellbehörden sich daran machen, den Monopolisten Facebook zu zerschlagen, so wie das zuletzt 1984 mit dem Telefonanbieter AT&T geschah, scheint noch in weiter Ferne. Gleichwohl: ein Anfang ist gemacht.

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