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StartseiteKommentare und Themen der WocheUnternehmen müssen umsteuern30.08.2017

FachkräftemangelUnternehmen müssen umsteuern

Die Wirtschaft beklagt Fachkräftemangel. Dabei müsse sie sich an die eigene Nase fassen, da sie jahrelang zu wenig für die Fachkräfteausbildung getan habe, meint Klemens Kindermann. Wegen des schnellen Takts der Digitalisierung müssten Betriebe die Weiterbildung ihres Personals künftig selber in die Hand nehmen.

Von Klemens Kindermann

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Ein Arbeiter trägt eine Palette mit der Aufschrift "Fachkraft" (dpa / Stephanie Pilick)
Drei Millionen Fachkräfte sollen bis zum Jahr 2030 fehlen, sagt das Beratungssunternehmen Prognos (dpa / Stephanie Pilick)
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Es gibt vieles, was der deutschen Wirtschaft gefährlich werden könnte: der starke Euro, der amerikanische Protektionismus, der Brexit oder die Konjunktur in Südeuropa. Die größte Gefahr aber droht ihr nicht von außen, sondern von innen: der Mangel an Fachkräften könnte in den nächsten Jahren dazu führen, dass die Unternehmen hierzulande nicht mehr die menschlichen Ressourcen aufbieten können, um die übervollen Auftragsbücher abzuarbeiten.  

Ob es wirklich drei Millionen Fachkräfte sind, die bis zum Jahr 2030 fehlen werden, wie heute das Beratungsunternehmen Prognos schätzt, weiß keiner. Wie das so ist mit Prognosen. John Maynard Keynes, der große britische Ökonom, sagte für das Jahr 2030 voraus, dass die Menschen dann wegen des technischen Fortschritts nur noch wöchentlich 15 Stunden arbeiten müssten. Auch das wird voraussichtlich so nicht eintreten, aber die Tendenz ist richtig: durch die Digitalisierung der Arbeitswelt werden in den nächsten Jahren viele Jobs wegfallen. Roboter und Automaten werden Lastwagenfahrer und Lackierer, Buchhalter und Packer ersetzen. Aber eben nicht die Fachkräfte, die die Wirtschaft dringend braucht: die IT-Fachleute, die die Automatisierung im Anlagen- und Maschinenbau, bei der Automobil- und Chemieproduktion steuern.

Die Politik muss sich einschalten

Doch Klagen hilft nichts: die Wirtschaft muss sich an die eigene Nase fassen, dass sie jahrelang zu wenig für die Fachkräftebildung getan hat. Da sind die Gewerkschaften, die nicht in Quartalsbilanzen denken, weiter: Massiv fordert die IG Metall mehr Einsatz der Unternehmen für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Hier ist richtig erkannt: die Qualifizierung wird künftig wegen des immer schnelleren Takts der Digitalisierung in einer höheren Frequenz im Betrieb selbst erfolgen müssen.

Lange Jahre der Berufsvorbereitung werden schnell veraltet sein. Die Politik muss hier flankieren, und zwar nicht mit vagen Vorstellungen, den Fachkräftebedarf etwa durch Einwanderung zu lindern. Konkret müssen Familien so gefördert und unterstützt werden, dass sie flexiblere Arbeitszeiten in den Unternehmen auch bewältigen können. Dafür muss unbedingt auch die Infrastruktur stimmen: die Schulen, die Straßen, die Fahrradwege, die Bahn. Die Universitäten müssen für die Weiterqualifizierung von Berufstätigen geöffnet werden. Älteren Arbeitnehmern muss ein freiwilliger flexibler Übergang in die Rente ermöglicht werden. Schon die nächste Bundesregierung kann damit beginnen.  

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

 

 

 

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