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Fall Weinstein"Es geht um eine Machtdemonstration"

Anne Wizorek spricht auf der Internetkonferenz republica am 7. Mai 2015 in Berlin (imago stock&people)
Die Aktivistin Anne Wizorek (imago stock&people)

Der Fall Weinstein macht nach Ansicht der Aktivistin und Medienberaterin Wizorek deutlich, dass Machtstrukturen ausgenutzt würden.

Bei Sexismus und sexueller Belästigung gehe es am Ende immer auch um eine Machtdemonstration, sagte Wizorek im Deutschlandfunk (Audio-Link). Sie sei sich sicher, dass der Skandal um Weinstein genauso hätte in Deutschland passieren können, "weil leider eben genau dieselben Dynamiken greifen". Wizorek verwies auf eine Studie des Bundesfamilienministerium zur Sicherheit und Gesundheit von Frauen. Diese habe ergeben, dass etwa 58 Prozent der Frauen und Mädchen ab dem 16. Lebensjahr bereits eine sexuelle Belästigung im eigenen Umfeld erlebt hätten. Speziell am Arbeitsplatz seien jede Dritte Frau in Deutschland von sexueller Belästigung betroffen. Obwohl die Zahlen so hoch seien, rede man aber kaum darüber, kritisierte Wizorek.

Oftmals werde Frauen nicht geglaubt oder sogar eine Mitschuld gegeben, wenn sie von Übergriffen berichteten. "Das ist ein Risiko, das alle im Hinterkopf haben." Denn das könne starke Einschnitte für die eigene Karriere bedeuten. Wizorek forderte, den Betroffenen zu vermitteln, dass sie selbst keine Schuld haben und sich Hilfe suchen dürfen. Dass man den Weinstein-Fall nun zum Anlass nehme, über den Status quo zu sprechen, sei ein Zeichen dafür, dass sich langsam etwas ändere. Allerdings brauche der Kulturwandel Zeit.