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StartseiteDie neue PlatteFast eine Referenzaufnahme13.05.2007

Fast eine Referenzaufnahme

Amandine Beyer und das Ensemble Gli Incogniti spielen Bachs Violinkonzerte

Heute stellen wir Ihnen Violinkonzerte von Johann Sebastian Bach vor, mit dem Ensemble Gli Incogniti unter der Leitung der Geigerin Amandine Beyer eingespielt im Januar dieses Jahres. Die CD erschien unter dem Titel 'Concerti a Violino certato' beim französischen Label Zig Zag Territoires im Vertrieb von Harmonia Mundi und wird in wenigen Tagen auch im deutschen Handel erhältlich sein.

Von Christiane Lehnigk

Bach-Denkmal in Arnstadt, Thüringen (AP Archiv)
Bach-Denkmal in Arnstadt, Thüringen (AP Archiv)

" Musikbeispiel: J. S. Bach, aus: Concerto BWV 1042 E-Dur "

Gli Incogniti - "Die Unbekannten", so nennt sich das von Amandine Beyer im vorigen Jahr gegründete Kammerensemble, das allerdings durchaus bekannte Musiker vereint. Mit einigen von ihnen spielt Beyer auch schon in der Formation L'Assemblée des Honnestes Curieux, das Ensemble der ehrenwerten Naseweise.

Der Name Gli Incogniti hat sein Vorbild in der venezianischen 'Accademia degli incogniti'. Das Unbekannte in all' seinen Formen soll zugleich Programm sein, das Experimentieren mit Klängen, die Suche nach einem neuen Repertoire wie auch die Wiederentdeckung von 'Klassikern'.

Hier haben sich junge französische, spanische, italienische und südamerikanische Musiker zusammengefunden, die sich schon aus verschiedenen anderen Projekten gut kannten, und denen es in kurzer Zeit gelungen ist, so etwas wie einen ganz eigenen 'Sound' zu entwickeln. Der Begriff vom 'lebendigen, frischen Musizieren' ist ja eigentlich schon reichlich abgenutzt, aber hier trifft er doch genau. Natürlich sind die Tempi schnell, klingen aber dennoch nie überzogen, es wird das Tänzerische, das diese Musik auch birgt, besonders betont, und es 'swingt' geradezu. Das Bestreben der Musiker war es, die Komplexität der Partitur darzustellen. So gibt es neben dem italienischen Modell des 'Concerto' mit der Alternation von Solo und Tutti und dem leidenschaftlichen Violinpart auch eine sehr komplexe polyphonische Textur. Und man könnte auch sagen, so Beyer, dass der Solo-Part zuweilen die 'Begleitung des prächtigen Kontrapunktes des Tuttis darstellt'. Polyphonie und Kontrapunktik gleichberechtigt zu vereinen, die Stimmen absolut transparent zu machen und ein konzertantes Miteinander zu kreieren, das war das erklärte Ziel.

Dass diese Konzerte, die hier nur mit jeweils einer Stimme besetzt sind, keinen zu mageren Klang haben, das verhindert der Kirchenhall des Aufnahmeraumes, der Église St. Marcel in Paris.

Hören Sie den ersten Satz aus dem Concerto Bachwerkeverzeichnis 1052 d-moll, das vor allem als Cembalokonzert bekannt ist, aber wohl ursprünglich ein Violinkonzert gewesen war und als solches wieder 'rekonstruiert' wurde.

Neben Amandine Beyer spielen Alba Roca und Flavio Losco - Violine, Marta Paramo - Viola, Marco Ceccato - Violoncello, Baldomero Barciala - Violone und Anna Fontana - Cembalo.

" Musikbeispiel: J. S. Bach, aus: Concerto nach BWV 1052 d-moll "

Amandine Beyer und Gli Incogniti spielten den ersten Satz aus dem Concerto nach Werkverzeichnis 1052 von Johann Sebastian Bach.

'Concerti a Violino certato due Violini una Viola obligati e Basso Continuo' so lautet der exakte, originale Titel, unter dem diese erste Einspielung des Ensembles erscheint.

Neben den beiden Violinkonzerten' BWV 1041 und 1042 gibt es hier noch die Konzerte BWV 1052 und 1056 zu hören, die vor allem als Cembalokonzerte bekannt sind. Ihnen soll jedoch jeweils ein Violinkonzert zugrunde gelegen haben, und so wurden diese, sozusagen 'zurückrekonstruiert'. Adaptionen, Übernahmen, Transkriptionen, Zitate, Pasticci, solche Stilmittel waren im 18.Jahrhundert durchaus gang und gäbe und so haben die großen und kleinen Meister der Zeit nicht nur bei anderen, sondern öfter auch bei sich selbst etwas 'geborgt'. Das folgende Largo stamm zum Beispiel ursprünglich aus der Sinfonia der Bach-Kantate "O Heilges Geist- und Wasserbad".

" Musikbeispiel: J. S. Bach, aus: Concerto nach BWV 1056 g-moll "

Amandine Beyer 1974 in Aix-en-Provence geboren, ist eine vielseitige Künstlerin und gehört als Geigerin zu den Besten ihrer Zunft. Sie studierte am Konservatorium ihrer Heimatstadt und in Paris zunächst moderne Geige und widmete sich dann der Barockvioline.

Neben ihrer weiteren Ausbildung unter anderem bei Chiara Banchini an der Schola Cantorum Basiliensis studierte Beyer noch parallel Musikwissenschaft und promovierte über Karlheinz Stockhausen. Mit L'Assemblée des Honnestes Curieux gewann sie 1999 den Premio Bonporti in Rovereto und 2001 erhielt sie den 1.Preis beim Antonio Vivaldi -Barockviolin-Wettbewerb. Amandine Beyer spielte und spielt in einer ganzen Reihe renommierter Formationen, wie zum Beispiel zusammen mit Pablo Valetti in den Ensembles Café Zimmermann und Stylus Phantasticus . Zudem ist sie Mitglied der Cornets noirs. Darüber hinaus unterrichtet sie gerne und hat unter anderem eine Professur an der Escuola superior im portugiesischen Porto.

Amandine Beyer hat mit diesen Violinkonzerten von Bach, diesmal einem populären Repertoire, fast eine Referenzaufnahme vorgelegt. Interpretatorisch stimmig, schwungvoll aber in sich ruhend und ausgeglichen im Zusammenklang, virtuos aber uneitel , kurzum, wer Bach im Sinne historischer Aufführungspraxis goutieren möchte, der sollte diese Einspielung nicht versäumen.

" Musikbeispiel: J. S. Bach, aus: Concerto BWV 1041 a-moll "

Die Neue Platte im Deutschlandfunk. Wir stellten Ihnen heute 'Concerti a Violino Certato' von Johann Sebastian Bach vor, mit der französischen Geigerin Amandine Beyer und ihrem neuen internationalen Ensemble Gli Incogniti. Erschienen ist die CD beim Label Zig Zag Territoires und wird in Kürze auch auf dem deutschen Markt erhältlich sein.

Diskographie:
Titel: Concerti a Violino Certato
BWV 1041, 1041, 1052, 1056
Ausführende: Gli Incogniti
Amandine Beyer, Violine + Leitung
Label: Zig Zag Territoires, LC 10894
(Vertrieb Harmonia Mundi)

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