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StartseiteMarkt und MedienFast so mies wie die Parteien13.07.2013

Fast so mies wie die Parteien

Die Deutschen nehmen die Medien als zunehmend korrupt wahr

Derbe Watsche für die Medienbranche: Erstmals halten die Deutschen die Medien für korrupter als die öffentliche Verwaltung und das Parlament. Das ergab eine repräsentative Umfrage von Transparency International. Journalistenvertreter sprechen von einer verheerenden Entwicklung.

Von Dieter Wulf

Skandale wie die Abhöraffäre beim britischen Blatt "News of the World" dürften das Image der Branche kaum verbessert haben.  (AP - Sang Tan)
Skandale wie die Abhöraffäre beim britischen Blatt "News of the World" dürften das Image der Branche kaum verbessert haben. (AP - Sang Tan)

"Eine wesentliche Frage war, welche Institutionen oder welche Sektoren als besonders korrupt oder besonders sauber eingeschätzt werden. Und da hat zu unserer Überraschung der Mediensektor in Deutschland vergleichsweise schlecht abgeschnitten und gehört jetzt zum drittschlechtesten Sektor."

Erklärt Christian Humborg, der Geschäftsführer der Antikorruptionsvereinigung Transparency International. 54 Prozent der in Deutschland Befragten gaben an, dass sie die Medien hierzulande als korrupt ansehen. Nur politische Parteien und private Unternehmen erzielten noch schlechtere Ergebnisse.

Natürlich könne man mit einer solchen Umfrage nicht den Umfang der tatsächlichen Korruption erfassen, betont Transparency, da diese ja per Definition im Verborgenen stattfindet. Erfasst werde lediglich die gefühlte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Aber auch das sei bemerkenswert und besorgniserregend, meint der Pressesprecher des Deutschen Journalistenverbandes Hendrik Zörner.

"Dass die Medien in puncto Korruptionsanfälligkeit im Ansehen der Bürger jetzt nur noch vor der Privatwirtschaft und den politischen Parteien rangieren ist zumindest ein bemerkenswertes Signal, das eine Menge darüber aussagt, wie das Image der Medien im Augenblick in Deutschland ist."

Für Anja Pasquay vom Bundesverband deutscher Zeitungsverleger sind diese Ergebnisse schlicht unverständlich.

"Wir können natürlich in keiner Weise erfreut über eine solche Wahrnehmung sein und ich sage Ihnen auch ehrlich, ich versteh es nicht."

Sie vermutet, dass die Gründe für dieses negative Medienbild eher im Ausland liegen.

"Wir fragen uns liegt es nicht vielleicht daran, dass in den Medien in den letzten Monaten und auch im letzten Jahr sehr stark auch über die Verfehlungen von Herrn Murdock berichtet worden ist. Hat wohlmöglich der Skandal aus England hat der wohlmöglich Einfluss gehabt."

Tatsächlich sieht man im Korruptionsbarometer drei Länder, deren Mediensektor als der korrupteste überhaupt angesehen wird. In Ägypten glauben das 80 Prozent der Befragten. In Australien 58 Prozent und in Großbritannien, der Heimat der altehrwürdigen BBC, glauben dies, vermutlich Dank Rupert Murdock, 69 Prozent

Dass es in deutschen Medien im großen Maße Korruption gebe, also freundliche Berichterstattung gegen illegale Zahlungen, dafür gebe es keine Anzeichen, betont der Verband der Zeitungsverleger genauso wie der Journalistenverband. Selbst Transparency International glaubt nicht an umfassende Korruption bei deutschen Medien. Trotzdem sei auffallend, meint Christian Humborg, dass es gerade in der Medienbranche zu wenig Transparenz gebe.

"Es ist natürlich zum Beispiel in Deutschland nach wie vor nicht Standard, dass, wenn ein Journalist zu einer Reise eingeladen wird und dann für den Reiseteil einer Zeitung darüber schreibt, dass er das mit einer Zeile unter dem Artikel deutlich macht und sagt, diese Reise wurde finanziert von der Firma XY."

Auch hätten viele deutsche Medienhäuser im Vergleich zur sonstigen Privatwirtschaft immer noch keinen eigenen Verhaltenskodex, kritisiert Christian Humborg.

"Da ist es zum Beispiel so, dass viele Medienhäuser keinen eigenen Kodex haben. Viele verweisen dann auf den Kodex des Presserates, da sind aber auch keine Sanktionen mit verbunden, während die Verhaltenkodizes der Unternehmen mitunter arbeitsrechtliche Konsequenzen haben."

Leider macht der Korruptionsindex keinerlei Unterschiede zwischen Qualitätszeitungen, Boulevard, Online-Bloggern, elektronischen Medien, oder kleinen Anzeigenblättern. Auch gab es keine Nachfragen, weshalb die Befragten gerade den Mediensektor als korrupt wahrnehmen. Ein Grund für Entwarnung aber sei das nicht, meint Hendrik Zörner vom Journalistenverband DJV.

"Wenn Journalisten sowieso als korrupt gelten, dann wird es für sie schwieriger ihren Job zu machen, ihren Beruf auszuüben, denn die Gefahr besteht darin dass die Bürgen ihnen dann doch nichts mehr glauben, weil sie die Journalisten ja allesamt für korrupt halten. Das wäre eine verheerende Entwicklung."

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