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Mittwoch, 13.12.2017
StartseiteKulturfragen"Die Diskussion über den Völkermord emanzipieren"28.09.2014

Fatih Akins "The Cut""Die Diskussion über den Völkermord emanzipieren"

Begleitet von Bodyguards traf sich Fatih Akin zum Interview mit dem DLF. Seit seinem neuen Film "The Cut" über den Völkermord an den Armeniern muss sich der deutschtürkische Regisseur um seine Sicherheit sorgen. Ein Preis, den er für seinen kontroversen Film zu zahlen bereit ist, sagt der Macher von "Gegen die Wand".

Fatih Akin im Gespräch mit Christoph Schmitz

Schauspieler Tahar Rahim (links) und Regisseur Fatih Akin (rechts) auf der Premiere von "The Cut". (dpa / picture alliance / Jörg Carstensen)
Schauspieler Tahar Rahim (links) und Regisseur Fatih Akin (rechts) auf der Premiere von "The Cut". (dpa / picture alliance / Jörg Carstensen)
Weiterführende Information

Premiere von "The Cut" - "Die nennen das nicht Völkermord"
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 01.09.2014)

Seit über 2.700 Jahren leben die Armenier im Hochland Ostanatoliens und im Südkaukasus. Die größte Katastrophe in ihrer Geschichte war der erlittene Völkermord während des Ersten Weltkriegs. Hundertausende, möglicherweise mehrere Millionen wurden Opfer des Genozids gegen Ende des Osmanischen Reichs. Verantwortlich war die politische Bewegung der sogenannten Jungtürken, die die Macht ergriffen hatten.

Von den meisten Historikern und zahlreichen Staaten werden die Morde an den Armeniern als Völkermord anerkannt, so auch von Deutschland. In der heutigen Türkei bestreiten die offizielle Geschichtsschreibung und auch die Regierung nach wie vor, dass es einen Genozid gegeben hat.

"Hysterische türkische Haltung"

Das war es, was Filmemacher Fatih Akin an diesem Stoff neugierig gemacht hat. Stets habe er eine große Angst und eine Tabuisierung erlebt, wenn es um das Thema des Massenmords an den Armeniern gegangen sei, sagte Filmemacher Fatih Akin im Deutschlandfunk. Dabei habe er sich selbst bei der ersten Konfrontation mit dem Thema selbst die "hysterische Verteidigung der türkischen Haltung" zu eigen gemacht. Bei "Cut" sei es ihm nun darum gegangen, eine Diskussion des Völkermords zu ermöglichen und zu emanzipieren.

Die Brisanz des Thema zeigte sich Akin im eigenen türkischen und deutschtürkischen Umfeld. "Alte Freunde grüßen mich nicht mehr auf der Straße", sagte Akin – obwohl diese nicht einmal den Film gesehen hätten. Auch stellt er sich darauf ein, für mindestens ein Jahr erhöhte Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Ein Preis, den zu zahlen er jedoch bereit sei.

Nazaret (Tahar Rahim) mit seinen Zwillingstöchtern in Fatih Akins "The Cut" (dpa / picture alliance / Gordon Mühle)Nazaret (Tahar Rahim) mit seinen Zwillingstöchtern in Fatih Akins "The Cut" (dpa / picture alliance / Gordon Mühle)

Premiere in Venedig

Der Film lief bereits im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig und kommt in Deutschland Mitte Oktober in die Kinos. Fatih Akin wurde 1973 in Hamburg-Altona geboren. Sein Spielfilmdebüt "Kurz und schmerzlos" von 1998 über eine griechisch-türkische Freundschaft in Deutschland ist zugleich Integrationsstudie und Gangsterfilm.

Für "Gegen die Wand" wurde Akin 2003 mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet, ein Film über den Freiheitsdrang türkischstämmiger junger Menschen. Der Episodenfilm "Auf der anderen Seite" aus dem Jahr 2007 erzählt von sechs Personen, deren Lebenswege sich zwischen Bremen und Istanbul schicksalhaft kreuzen.

 

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