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Seit 05:00 Uhr Nachrichten
StartseiteKommentare und Themen der WocheTrügerische Stimmung bei den Liberalen28.04.2017

FDP-Parteitag Trügerische Stimmung bei den Liberalen

Beim FDP-Parteitag sei das Image der Ein-Mann-Partei nicht bekämpft worden, kommentiert Klaus Remme. Christian Linder wurde mit 91 Prozent im Amt bestätigt. Die wohlige Stimmung bei den Liberalen sei jedoch trügerisch. Bundesweit entwickelten sich Lindner und seine Mitstreiter in Umfragen schon längere Zeit nicht mehr nach oben.

Von Klaus Remme

Christian Lindner steht nach seiner Rede beim FDP-Bundesparteitag in Berlin winkend auf der Bühne. (dpa)
Christian Lindner beim FDP-Bundesparteitag in Berlin (dpa)

Also, tief im Dreck steckt diese Karre schon lange nicht mehr. Man kann die Delegierten des Parteitags verstehen, wenn sie optimistisch in die Zukunft schauen. Bevor sie in die Versammlungshalle kommen, bietet sich ausreichend Gelegenheit an den Ständen der Sponsoren entlang zu schlendern. Vorbei das Elend der vergangenen Jahre. Sie sind alle wieder da, das Audi-Modell funkelt, der VW glänzt, die Versicherungen, das Handwerk, die Industrie, alle sind sie wieder interessiert an der FDP. Und wenn die Delegierten dann im abgedunkelten Plenum angelangt sind, dann sehen sie dort Kameras und Mikrofone im Dutzend. Auf der Bühne wartet eine 81 Quadratmeter große Videowand auf den Star dieser Show.

Und Christian Lindner liefert als starker Redner verlässlich! Seine Rede ist als Rechenschaftsbericht nüchtern angekündigt, es wird eine Generalabrechnung mit der parteipolitischen Konkurrenz. Braungebrannt beschreibt er die neue Stärke der Partei nach 1315 Tagen – wie er sagte - in der außerparlamentarischen Opposition als "wettergegerbt". Während er redet, verschwindet das gesamte Präsidium auf der Bühne vor dem extrem vergrößerten Gesicht des Hoffnungsträgers. So wird das Image der Ein-Mann-Partei nicht bekämpft, so wird es bedient.

Die Partei steht vor zwei wichtigen Landtagswahlen

Wenig später wird Lindner von den Delegierten mit 91 Prozent im Amt bestätigt. Einen Tick schwächer als beim letzten Mal, doch egal, das ist nicht der Grund, warum die wohlige Stimmung bei den Liberalen trügerisch ist. Die Partei steht vor zwei wichtigen Landtagswahlen, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen schielt die FDP nicht bange nach unten auf die fünf, sondern ehrgeizig nach oben auf die zehn Prozent. Doch dieser Rückenwind für die Bundestagswahl wird erwartet, er ist sozusagen eingepreist. Bundesweit entwickeln sich Lindner und seine Mitstreiter in Umfragen nämlich schon längere Zeit nicht mehr nach oben. "Selbstbewusst in der Sache, demütig mit Blick auf uns selbst", so beschreibt Christian Lindner die Partei, nur um sich dann wenig später mit Emanuel Macron zu vergleichen.

Die Mitgliederentwicklung stimmt, die Finanzen werden besser

Fast erstaunlich, provoziert das doch die Frage, warum der eine in Frankreich landesweit aus dem Stand über 20 Prozent holt und der andere nach Jahren harter Aufbauarbeit schon mit deutlich weniger als der Hälfte zufrieden sein müsste. Um Missverständnissen vorzubeugen: Noch immer sind die Vorzeichen für einen Wiedereinzug der FDP in den Bundestag günstig. Der Schock von 2013 scheint bis heute zu disziplinieren. Die Mitgliederentwicklung stimmt, der Finanzen werden besser. CDU und SPD signalisieren mit Blick auf mögliche Koalitionen Interesse. Alles gut, aber auch alles gut für ein Gefühl falscher Stärke. Am 24. September bedeutet ein Balken von 4,9 Prozent das Aus. Auch auf 81 Quadratmetern!

Klaus Remme  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Klaus Remme (Deutschlandradio / Bettina Straub)Klaus Remme, geboren in Cloppenburg. Studium der Politischen Wissenschaften und Osteuropäische Geschichte in Freiburg und Wien. Berufliche Stationen: Institute for Defense & Disarmament Studies, Boston, BBC World Service, London, Norddeutscher Rundfunk. Seit 1996 beim Deutschlandfunk. Von 2007 bis 2012 Korrespondent von Deutschlandradio in Washington. Seitdem Korrespondent im Hauptstadtstudio mit Schwerpunkt Außen- und Sicherheitspolitik. 

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