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StartseiteLyrixFebruar 2014: Under Cover01.02.2014

Februar 2014: Under Cover

In Berlin findet im Februar auf Initiative der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft der „Queer History Month“ statt. Gleichzeitig ist »lyrix« mit dem Leitmotiv "Under Cover" zu Gast im Schwulen Museum* Berlin.

Schwules Museum* Berlin: Ansicht der Ausstellung "Transformation" (Foto: Tobias Wille)
Schwules Museum Berlin (Foto: Tobias Wille)

Auch wenn wir in einer aufgeklärten Gesellschaft leben - es ist auch heutzutage nicht immer leicht, sich offen zur Homosexualität zu bekennen. Die Diskussion um Homosexualität im Profisport oder auch die Petition gegen die Behandlung von Homosexualität im Schulunterricht zeigen, wie aktuell dieses Thema ist. Unser Leitmotiv "Under Cover“ steht somit für die Lebenswirklichkeit vieler Menschen, die ihre Homosexualität entdecken, sich jedoch aus Angst vor Ausgrenzung nicht "outen".

Figuren aus Kunst, Kultur und Konsum werden in unserem Kulturkreis in der Regel im heterosexuellen Kontext dargestellt. So auch der Heilige Sebastian und Barbie-Ken. Erst durch die Aneignung dieser Figuren vonseiten Homosexueller wurden diese auch in einen homosexuellen Bedeutungszusammenhang gestellt. Hierdurch konnten Künstlerinnen und Künstler Homosexualität teils verdeckt in ihre Arbeiten einbinden, sodass dieser Bezug nur von einem eingeweihten Publikum erkannt werden konnte.

Holzskulptur des Heiligen Sebastian, der nur einen Lendenschurz trägt, an einen Baum gefesselt ist und zahlreiche Wunden an seinem Körper aufweist.  (Schwules Museum* Berlin)Der Heilige Sebastian (Schwules Museum* Berlin)Der Heilige Sebastian setzte sich im alten Rom für die damalige Minderheit der Christen ein, woraufhin er getötet wurde. Später wurde er Schutzheiliger, der die Menschen vor der Pest bewahren sollte. Sein Bezug zur Homosexualität entstand in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem durch die Umdeutung seiner Schutzfunktion auf HIV/AIDS, weshalb er oft als der Schutzpatron der Homosexuellen bezeichnet wird.

 

 

  

 

 

Die Ken-Puppe ist blond, hat blaue Augen, trägt eineJeanshose, ein violettes Netzhemd wie auch eine entsprechendfarbigeKunstlederweste. Im linken Ohr trägt sie einen Ohrring und um den Hals eineKette. (Schwules Museum* Berlin)Ken (Schwules Museum* Berlin)Die vom Museum ausgewählte Barbie/Ken-Puppe entspricht mit ihrem Äußeren und ihrer Kleidung in vielen Teilen einem schwulen Stereotyp. Ken wurde 1961 als männliches Pendant der Spielzeugfigur Barbie - als "Perfektes Paar" - zur Seite gestellt. In der Kunst wurde Ken seitdem auch immer wieder in einem homosexuellen Kontext abgebildet.

 

Bei beiden Figuren/Objekten lassen sich also Deutungsmuster finden, die sich nicht aus der oberflächlichen Betrachtung ableiten lassen, sondern sozusagen nur "Under Cover" erkennbar sind. 

 

 

Für interessierte Schülerinnen und Schüler aus Berlin findet am 25. Februar im Schwulen Museum* eine Schreibwerkstatt mit dem Lyriker Mathias Traxler statt. Weitere Informationen hier

Als zusätzliche Inspirationsquelle verweisen wir in diesem Monat auf ein Gedicht aus Traxlers erstem Lyrikband "You're welcome" aus dem Jahre 2011. Der sprachlich vielschichtige Text kann als eine Art Gespräch gelesen werden, in dessen Verlauf unter anderem Assoziationen zum Aspekt der Fremd-/Selbsbestimmtheit ("Ich konnte mich nie/präsentieren") auftauchen bzw. unterschiedliche Richtungen des Sprechens und des Begehrens eingeschlagen werden - "Begehrensrichtungen", wie Mathias Traxler selber sagt.

"Die Liebesbilder, die nicht zu einem selbst gehören, weil der eigene Körper ganz anders fühlt, werden an einzelnen Stellen im Gedicht zurückgewiesen und es geschieht dadurch von einer aufgezwungenen Auffassung von Liebenmüssen eine Loslösung." (Anmerkung von Mathias Traxler zu seinem Text)

 


Irgendwas was (Opposition) mich anmacht, Stein.
Ich konnte mich nie/präsentieren.
Die Nichtbewegung fühlen. Den
Weg werde ich auch wieder zurückgehen. Treppen. Geh gibt es
Blutrausch. Weintee. Reicht es aus zu einem Zeitpunkt bloss das
unpassende mich
also von aussen mit einem fremden an
an


In diesem Winkel sind sie Waffen. Willst
du mich mit meinen eigenen bluffen.
versteh dich denke dich an bei mir
hantieren mit unseren wieder bin

ohne Der Hals hat uns schon längst
abgeworfen. An den Hals. Amor ich
sage dir, alle Bilder, die nichts mit
meinen Bedürfnissen zu tun haben,

wurden gelöscht.


Ich stürze mich auf Petrarca. Zu sagen, Amor,
das reizt mich nicht, hat mich noch längst nicht von einer Machtfrage
gelöst. Alles fusst auf dem Verzeihung Schatz. (Gelächter, wie Hühner)
Fahren Sie mich in die Stadt. Armes, armes, erfrorenes Krokodil.

(aus: Mathias Traxler, You're welcome, kookbooks 2011)

 

 

Welche Erfahrungen habt ihr mit Homosexualität und ihrem gesellschaftlichen Umgang gemacht? Vielleicht fallen euch auch noch andere Deutungen des Themas „Under Cover“ ein, die nicht im Kontext der Homosexualität stehen - zum Beispiel Themen oder Überzeugungen, die nicht konform mit dem gesellschaftlichen Mainstream sind und verdeckt bleiben (müssen)?

 

Wir sind sehr gespannt auf eure Einsendungen!

Hier findet ihr unsere E-Mail Vorlage. Die aktuellen Wettbewerbsbedingungen könnt ihr online nachlesen.

 

  

(Foto: Robert Golinski)Mathias Traxler (Foto: Robert Golinski)Mathias Traxler, geb. 1973 in Basel, studierte in Basel und Fribourg Jurisprudenz. Seit 1999 lebt er als freier Autor in Berlin. Seine Texte erschienen in verschiedenen Literaturzeitschriften, u. a. EDIT, Ostragehege, poet-mag, randnummer und IDIOME, sowie im Jahrbuch der Lyrik und kürzlich in der Anthologie "Moderne Poesie in der Schweiz". Er ist seit 2006 durch zahlreiche Leseauftritte hervorgetreten, in welchen er den Ereignisort von Literatur in immer wieder neuen Varianten erkundet hat, zuletzt in der Lettrétage Berlin als eine Mischung von Essay und Situation. 2011 erschien sein Debütband "You're welcome" im kookbooks-Verlag.

Hier kommt ihr zur Autorensseite von Mathias Traxler

 

Schwules Museum* Berlin: Ansicht der Ausstellung "Transformation" (Foto: Tobias Wille)Schwules Museum* Berlin: Ausstellungsansicht, Transformation (Foto: Tobias Wille)Das Schwule Museum* wurde 1985 als Projekt der Schwulenbewegung gegründet und ist heute mit seinen viel beachteten Ausstellungen, Archivbeständen, zahlreichen Forschungsbeiträgen und mehr als fünfunddreißig – überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter –  weltweit eine der größten und bedeutendsten  Institutionen für die Archivierung, Erforschung und Vermittlung der Geschichte und Kultur der GLBTIQ-Communities (Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender, Intersex, Queer and Questioning) Wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen beschäftigen sich auf vielfältige Weise mit lesbischen, schwulen, trans*identischen, bisexuellen und queeren Lebensgeschichten, Themen und Konzepten in Geschichte, Kunst und Kultur. Zum Museumsbetrieb gehören neben den Ausstellungen eine Präsenzbibliothek zu Homosexualität und verwandten Themen und ein Archiv mit zahlreichen Sammlungen und Nachlässen.

Die Unterrichtsmaterialien für Februar 2014 zum Download!

 

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