Samstag, 21.04.2018
 
Seit 11:05 Uhr Gesichter Europas
StartseiteSport AktuellVergleich im Prozess gegen Trainer13.04.2018

FechtenVergleich im Prozess gegen Trainer

Die Parteien haben einen Vergleich geschlossen. So die überraschende Nachricht des Landesarbeitsgerichts in Stuttgart. Ein Fechttrainer hatte gegen seine fristlose Kündigung durch den Landessportverband geklagt. Der hatte ihm sexuelle Belästigung einer Athletin vorgeworfen. Nun ist das Verfahren beendet.

Von Andrea Schültke

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Zwei Fechter kämpfen gegeneinander. (Imago)
Im Fechtzentrum in Tauberbischofsheim soll es zu mehreren Fällen sexueller Belästigung gekommen sein. (Imago)
Mehr zum Thema

Fechten Trainer klagt gegen fristlose Kündigung

Vorwürfe sexuellen Missbrauchs am Fechtzentrum Task Force in Tauberbischofsheim gibt sich vage

Olympiastützpunkte in Baden-Württemberg "Wir bündeln die Kräfte, wir verbinden die Netzwerke"

Missbrauchsvorwürfe Tauberbischofsheim Aufklärung oder Feigenblattpolitik?

Task Force Tauberbischofsheim "Ermitteln nicht für oder gegen irgendjemanden"

Verfahren beendet – Fragen offen. Es wird nicht aufgeklärt werden, ob der Landestrainer am Fechtzentrum Tauberbischofsheim vor 15 Jahren am Rande eines Turniers eine minderjährige Fechterin sexuell belästigt hat. Das hatte die Athletin in ihrer Aussage behauptet. Genauso wenig wird geklärt werden, ob die Behauptung des Trainers stimmt, er sei das Opfer einer Intrige.

Als die Vorwürfe gegen den Mann Ende 2016 bekannt wurden, hatte der Landessportverband Baden-Württemberg seinem Angestellten fristlos gekündigt. Der hatte die Anschuldigungen stets bestritten, von einer Intrige gegen ihn gesprochen, und war gegen seine Kündigung vor dem Arbeitsgericht vorgegangen. In erster Instanz hatte er Recht bekommen.

Überraschend einen Vergleich geschlossen

In zweiter Instanz sollte das Verfahren am kommenden Dienstag fortgesetzt werden. Der Trainer hatte wohl weitere Unterlagen vorgelegt, die seine These stützen sollten. Wie 'Spiegel Online' berichtet, hat auch der Landessportverband einen Schriftsatz mit weiteren, belastenden Aussagen gegen den Trainer eingereicht. Beides wird durch den überraschend geschlossenen Vergleich nicht weiter bearbeitet.

"Insbesondere für den Standort Tauberbischofsheim ist das Ende des Verfahrens positiv zu bewerten, dort kann nun wieder in Ruhe gearbeitet werden", schrieb Elvira Menzer-Haasis, Präsidentin des Landessportverbands auf Anfrage des Deutschlandfunks. Der Trainer erklärte uns ebenfalls schriftlich: "dass ich mir im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit nichts zu Schulden habe kommen lassen, was einen solch öffentlichen Feldzug gegen mich rechtfertigen würde".

Aufgeworfene Fragen bleiben unbeantwortet

Im Laufe des Verfahrens hatten sich die beiden Zeuginnen des Landessportverbandes, die mutmaßlich Betroffene und ihre Zimmerkollegin, in Widersprüche verwickelt und sich in wichtigen Details auf Erinnerungslücken berufen. Beiden Parteien hatte der Richter am Landesarbeitsgericht Stuttgart vorgeworfen, "Einer von ihnen lügt" und immer wieder einen Vergleich vorgeschlagen.

Zu dessen Inhalt schreibt Elvia Menzer-Haasis, man habe sich auf eine "zeitlich befristete Weiterbeschäftigung nach der Kündigung mit gleichzeitiger Freistellung geeinigt. Das Arbeitsverhältnis mit dem Trainer ist beendet". Heißt, der Trainer bekommt eine Gehaltszahlung für das vergangene Jahr bis jetzt. Eine Abfindung sei, so Menzer-Haasis, im Vergleich nicht enthalten. Mit der Beendigung des Verfahrens bleiben die im Prozess aufgeworfenen Fragen unbeantwortet.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk