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StartseiteForschung aktuellFehler in der Augensteuerung beheben07.01.2004

Fehler in der Augensteuerung beheben

Richtig gucken - richtig lesen, Teil 2

<strong> Medizin. - Das Blicktraining bei Schreib-Leseschwäche hat der Freiburger Neurophysiologe Professor Burkhard Fischer entwickelt. 1991 hat das Team um den Biophysiker damit begonnen, Augenbewegungen und Hördaten von Kindern beim Lesen, Schreiben und Rechnen auszuwerten. Inzwischen hat der Freiburger Neurophysiologe Augenbewegungs- und Hördaten von über 3000 Menschen in der Freiburger Datenbank erfasst. Und bei der Auswertung dieser Daten ist ihm schnell klar geworden, was wirklich wichtig ist beim Sehen und Hören. </strong>

Von Peter Welchering

Lehrer und Schüler an der Tafel. (AP)
Lehrer und Schüler an der Tafel. (AP)

Beim Sehen ist es das dynamische Sehen. Wie schnell kann ich gucken? Wir wissen immer nur von der Sehschärfe. Das können die Augenärzte und Optiker sehr gut messen. Aber wie schnell man gucken kann, das wird ganz vergessen, dass man auch eine gewisse Sehgeschwindigkeit braucht. Wir brauchen die Blicksteuerung, die Augenbewegung, ganz wichtig beim Lesen. Die werden gesteuert von ganz verschiedenen Hirnzentren, unter anderem vom frontalen Gehirn. Das frontale Hirn greift auch ein in die Blick- und Sehfunktionen. Beim Hören sind es Unterscheidungsaufgaben, die das Gehör im Gehirn treffen muss, damit Sie die Sprache verstehen können.

Nur in einem sehr kleinen Teil unseres Gesichtsfeldes können wir scharf sehen. Deshalb bewegen Menschen ständig ihre Augen, um alle Details wahrzunehmen. Pro Sekunde sind dafür mehrere Blicksprünge erforderlich. Das stellt hohe Anforderungen an die Augenbewegungen. Fehler bei ihrer Steuerung können eine Ursache für Lese- und Rechenschwächen sein. Die Freiburger Forscher diagnostizieren das so:

Es wird infrarotes Licht benutzt. Das wird mit einem kleinen Lämpchen auf die Augen gebracht. Die Augen, vor allem die Hornhaut, reflektieren das infrarote Licht. Es wird wieder aufgefangen, rechts und links. Und wenn sich nun die Augen drehen, ändern sich die Reflexionsverhältnisse zwischen rechts und links, und die Fotozellen geben einen unterschiedlichen Strom ab. Aus der Differenz kann man die Position des Auges sehr genau mit einer Auflösung von einer Tausendstel Sekunde und einem Zehntel Grad bestimmen.

Werden so Fehler bei der Augensteuerung festgestellt, lassen die sich zum Glück recht einfach durch Üben beheben. Beim Blicktraining mit dem Gameboy-ähnlichen Übungsgerät funktioniert bei 85 Prozent der vom Freiburger Team behandelten Kinder. Die Lesefehler reduzierten sich schlagartig auf die Hälfte. Noch besser klappt es bei Hörfehlern.

Beim Hören sind es Höraufgaben. Da kriegt man zwei verschiedene Töne vorgespielt. Man muss dann immer sagen: War der erste Ton der höhere, war der zweite Ton der höhere? Hier muss man Tasten bedienen, je nachdem, was man gehört hat. Man kann es falsch gehört haben, oder man kann es richtig gehört haben. Je besser man es kann, desto besser macht man es richtig, und um so schwerer wird die Aufgabe.

Und das bessere Hören überträgt sich direkt auf die Rechtschreibung. Die Wahrnehmungsfehler reduzieren sich, die Rechtschreibefehler werden weniger. Beim Rechnen haben Professor Fischer und sein Team fast 700 Kinder auf eine ganz besondere Blicksteuerung hin untersucht.

Die Kinder entwickeln irgendwann, vielleicht auch schon im Vorschulalter, eine spezielle Sehfähigkeit, die nennt man die Simultanerfassung. Die entwickelt sich dann weiter, auch bis ins Erwachsenenalter, da wird man immer besser. Und wenn man nun die Zahlwörter hört und die Ziffern sieht, kann man, wenn man diese Menge sieht, ganz leicht erfassen, wie viel sind es denn - aufs Mal kann man das sehen. Es sind drei, es sind fünf, es sind vier. Und man kriegt dann sozusagen eine innere Vorstellung davon, was mit drei oder vier gemeint ist. Und diesen Lernprozess erleichtert es, wenn man die Simultanerfassung beherrscht.

Und auch die kann trainiert werden. Professor Fischer hält da viel von einem ganz einfachen Prinzip.

Was man nicht kann, muss man üben. Ein ganz uraltes Lernprinzip, für das das Gehirn sozusagen gemacht ist. Alles, was wir erlernt haben im Leben, auch den aufrechten Gang, haben wir durch Üben gelernt. Immer wieder dasselbe machen. Es ist eine nicht sehr erfreuliche Lernmethode, die Kinder mögen es nicht, aber es ist die effektivste.

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