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StartseiteKommentare und Themen der Woche"Dank" geht an die Lufthansa und die Bundesregierung14.12.2017

Ferienflieger Niki ist pleite"Dank" geht an die Lufthansa und die Bundesregierung

Gestrandete Passagiere, wütende Mitarbeiter und eine verärgerte Bundesregierung: Die Nikipleite darf nicht davon ablenken, dass die Lufthansa in Deutschland auf dem Weg zum Monopolisten ist, meint Dlf-Wirtschafts-Redakteurin Sina Fröhndrich.

Von Sina Fröhndrich

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Ein Flugzeug der Lufthansa rollt am Flughafen Düsseldorf an Flugzeugen der Fluggesellschaften Niki und Air Berlin vorbei.  (dpa)
Einer zieht vorbei: Lufthansa, Niki und Air Berlin (dpa)
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Wie muss eine Pizza Napoletana belegt werden? Für diese Frage ist die EU-Kommission eine gute Ansprechpartnerin: Es gibt durchaus bizarre Beispiele für Brüsseler Regulierungswut. In solchen Fällen wird dann gern mit dem Finger auf die Kommission gezeigt. Bei der Pleite des Ferienfliegers Niki sollte die Hand aber lieber in der Hosentasche bleiben. Denn Brüssel trägt keine Schuld daran, dass jetzt 1000 Mitarbeiter auf der Straße stehen und noch viel mehr Passagiere gestrandet sind.

Dass die Lufthansa die gutlaufende Air-Berlin-Tochter Niki übernehmen wollte, hat den Wettbewerbshütern von Anfang an zu Recht große Bauchschmerzen bereitet. Denn für den österreichischen Flugverkehr hätte sich eine Monopolstellung ergeben – die Lufthansa ist in dem Land bereits mit ihrer Tochter Austrian Airlines vertreten. Dass die EU-Kommission genau hinschaute und auch länger prüfen wollte, war richtig. Dafür kann die Hand also wieder aus der Hosentasche geholt werden, nämlich für Applaus.

Wettbewerb heißt im besten Fall faire Preise

Die Lufthansa darf nicht zum Platzhirsch werden. Vor allem aus Sicht all jener, die fliegen möchten. Mehr Wettbewerb heißt im besten Fall faire Preise. Was nun aber auch passieren muss: Dieses Maß sollte auch für den deutschen Markt angelegt werden – denn hier hat die Lufthansa schon viel von dem bekommen, was sie wollte. Auch ohne Genehmigung aus Brüssel gehören ihr längst frühere Air-Berlin-Maschinen. Die Nikipleite darf nicht davon ablenken, dass die Lufthansa in Deutschland auf dem Weg zum Monopolisten ist. Hier sind die Wettbewerbshüter weiter gefragt, auch die deutschen.

Auf wen aber können gestrandete Passagiere und verärgerte Mitarbeiter jetzt mit dem Finger zeigen?
Da ist einmal die Lufthansa: Wie ehrlich war ihr Interesse an Niki tatsächlich? Warum hat sie ihr Kaufangebot zurückgezogen bevor die EU-Kommission ihre Prüfung beenden konnte? Der Rückzug hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Lufthansa Niki eigentlich nicht brauchte, um zumindest in Deutschland ein nationaler Champion zu werden.

Vor der Wahl flink und großzügig gewährt

Genau das, was Berlin so gern wollte. Die Bundesregierung ist der nächste Akteur, an den sich Passagiere und Mitarbeiter jetzt wenden sollten. Sie hat gestern sehr schnell deutlich gemacht, dass sie alles andere als amused ist. Berlin hätte sich eine einvernehmliche Lösung gewünscht. Klar, denn wenn Lufthansa kein Geld für Niki zahlt, fehlt auch Geld, um den Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro in voller Höhe zurückzuzahlen – den die Bundesregierung vor der Wahl flink und großzügig gewährt hatte. Weil sie einen geordneten Übergang für Air Berlin ermöglichen wollte. Jetzt ist genau das Gegenteil eingetreten – die Bundesregierung hätte sich das Geld sparen können und sollen. Statt sich von der Lufthansa vor den Karren spannen zu lassen.

Sicher: Eine Insolvenz von Air Berlin im Sommer wäre schmerzhaft gewesen, aber mal ehrlich, die Beschäftigten stehen heute kaum besser da. Der Markt hätte es geregelt – auch ohne Steuergeld.

Nun ist ein Teil des Geldes sicher futsch. Die Kosten trägt der Steuerzahler – und der darf sich jetzt gern überlegen, ob er klatschen möchte, mit dem Finger nach Berlin und auf die Lufthansa zeigt oder ob er nicht sogar einen ganz anderen Finger ausstrecken möchte.

Sina Fröhndrich, Jahrgang 1984, ist Redakteurin in der Abteilung "Wirtschaft und Gesellschaft". Sie ist aufgewachsen in Brandenburg und hat Alte Geschichte, Evangelische Theologie und Journalistik in Leipzig und Florenz studiert. Vor ihrem Volontariat beim Deutschlandradio hat sie beim Lokalradio der Universität Leipzig mephisto 97.6, MDR Info, MDR Sputnik und DRadio Wissen gearbeitet.

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