Umwelt und Verbraucher / Archiv 21.07.2014

FernsehenWechsel von DVB-T auf Neuauflage steht anVon Wolf-Sören Treusch

Ein Kind schaut Fernsehen.  (picture alliance / dpa / Foto: Patrick Pleul)Für DVB-T2 werden viele Haushalte eine neue Empfangsbox benötigen. (picture alliance / dpa / Foto: Patrick Pleul)

Das bisherige digitale, terrestrische Fernsehen ist ein Auslaufmodell. So ist zum Beispiel HD-Fernsehen damit nicht zu empfangen. Mit dem geplanten Nachfolger DVB-T2 wird es möglich sein. Der Umstieg ist schon geplant. Für Verbraucher hat die Umstellung allerdings auch einen Nachteil.

Nicht mehr lange, dann sind die Fernseher mit integriertem DVB-T-Empfänger zu alt und müssen entweder ersetzt oder aufgerüstet werden. Denn: DVB-T2 steht vor der Tür. Peter Knaak von der Stiftung Warentest.

"T2 ist, wenn man mal so will, einfach die Erweiterung auf die neueste Zeit, die es eben ermöglichen soll, zum Beispiel Programme in HD-Auflösung zu übertragen, was mit dem bisherigen DVB-T-Standard nicht geht."

Umstieg startet Mitte 2016

Antennenfernsehen soll damit attraktiver werden. ARD und ZDF und die privaten Fernsehanbieter haben sich deshalb vor Kurzem darauf verständigt, ab Mitte 2016 mit dem Umstieg zu beginnen.

"Natürlich ist die Empfangsqualität einfach klasse. Wenn da ein HD-Programm kommt, dann weiß der DVB-T-Gucker erstmal, was sein Fernseher leisten kann, das ist dann fast schon so, als würde er einen Blue-Ray-Player anschließen, der reizt natürlich das Potenzial voll aus, und dann schließt das Antennenfernsehen auch auf, und das ist schon eine Augenweide, klar."

Für den Verbraucher hat der Umstieg jedoch einen Haken: Die meisten bisher verkauften Geräte können mit den schönen hochauflösenden DVB-T2-Signalen nichts anfangen.

"DVB-T2 kommt jetzt erst in die Fernsehgeräte, und Extra-Boxen gibt es noch gar nicht, das Alte ist entwertet. Der Zwischenweg wird natürlich sein, dann den Fernsehapparat mit einer Empfangsbox, die es dann ja geben wird, zu erweitern und die über HDMI an den anderen Fernsehapparat anzuschließen, unelegant ist das, weil es dann wieder eine Box mehr, einen Stecker und Netzteil mehr, eine Fernbedienung mehr gibt, das ist nicht so schön im Wohnzimmer."

Aber die bessere Bildqualität werde die Verbraucher bestimmt überzeugen, meint auch Thomas Fuchs, Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein, in dessen Bereich es schon erste kleine Modellversuche gab.

"Das hat alles hervorragend funktioniert, die Technologie ist durchaus im Griff, die entscheidende Frage wird sein, ob der Frequenzbereich, der dafür notwendig ist, ob der von der Politik für diesen Umstieg zur Verfügung gestellt wird."

Denn die Fernsehfrequenzen sind begehrt: Bundesverkehrsminister Dobrindt, der auch für die digitale Infrastruktur zuständig ist, will Teile dieser Frequenzen möglichst rasch über die Bundesnetzagentur an Mobilfunkunternehmen versteigern lassen. Die sollen darauf schnelle Internet-Dienste anbieten, um die Breitbandziele der Bundesregierung zu verwirklichen. Das bedeutet aber, dass der Wechsel vom bisherigen DVB-T-Standard zum neuen DVB-T2-Standard sehr schnell passieren muss. Bei Verbrauchern, die zum Stichtag keine Zusatzbox gekauft haben, bleibt der Bildschirm dann schwarz. Fernsehsender und Landesmedienanstalten verfolgen deshalb ein Konzept mit längeren Übergangsphasen:

"Wir brauchen drei Jahre, um diesen Umstellungsprozess durchzuführen, sodass momentan der Streit sich auf die Frage zuspitzt: Kriegen wir die Zeit, von 2016 bis 2019 von DVB-T1 auf DVB-T2 umzusteigen?"

Mit Kauf von einem neuen Fernseher warten

DVB-T2 wird also kommen. Nur wann? Und was bedeutet das für den Verbraucher? Peter Knaak von der Stiftung Warentest empfiehlt: Wer sich einen neuen Fernseher kaufen will, sollte abwarten.

"Wer wegen des Ausfalls seines alten Fernsehgerätes kaufen muss, der sollte unbedingt darauf achten, dass DVB-T2 drin ist, und das gibt es ja auch schon. Die ersten Geräte stehen tatsächlich schon bei den Händlern, wir haben sie auch schon im Prüflabor, und da reicht die Preisspanne, die fängt an bei 400, 450 Euro, das sind also schon vergleichsweise moderate Preise für Fernsehgeräte, und natürlich die Spitzenmodelle, die haben auch schon Tuner drin, aber da sind wir dann schnell mal bei 4.000 Euro, da kann man getrost warten."

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