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StartseiteCorsoRobert de Niro - ein Abgesang10.02.2016

Film Robert de Niro - ein Abgesang

Wer möchte nicht in Ehrfurcht erstarren, wenn von ihm die Rede ist: Robert de Niro. Er war 'der Pate', der 'Taxi Driver', war 'Al Capone', 'der wilde Stier'. Aber was hat dieses Schaudern noch mit den aktuellen Rollen zu tun, die er heute, mit über 70 Jahren, im Kino spielt? Auch seine neue Komödie "Dirty Grandpa" gibt lediglich Anlass zu einem traurigen Abgesang.

Von Hartwig Tegeler

Schauspieler Robert de Niro, aufgenommen 2014 (picture alliance / dpa / Fabio Frustaci / Eidon)
Schauspieler Robert de Niro, aufgenommen 2014 (picture alliance / dpa / Fabio Frustaci / Eidon)
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Was für ein Werk über das Altern. Würdevoll, betörend. Harvey Keitel als alter Regisseur an der Seite von Michael Caine in "Ewige Jugend" von Paolo Sorrentino. Keitel ist hier 76 Jahre alt.

Was für eine Rolle, was für ein Werk über das Alter. Dämlich, obszön, pubertär. Robert de Niro als verrenteter Witwer auf Sauf-, Kiff- und Sextour an der Seite seines Enkels in "Dirty Grandpa". 'On the road' muss der Enkel mit seiner Zukünftigen telefonieren. Opa ist immer dabei.                            

"[Enkel:] Verdammt, ich muss sie auf Lautsprecher stellen. Sag nichts! - [de Niro:] Ich sage kein einziges Wort. - [Die Zukünftige:] Jason Richard Key, der Sohn von … - [de Niro:] Dr. Smigma von Pflaumenschlecker. Furz- und Arschstöpsel. - [Die Zukünftige:] Okay, wer ist das?"

Vom Olymp aus ist die Fallhöhe am Ende gewaltig

Pflaumenschlecker, Furz- und Arschstöpsel, tja, solche Dialogzeilen hat Robert de Niro als versauter Großvater abzuliefern. "Dirty Grandpa" zeigt de Niro an einem Punkt, wo man lieber nicht daran denken möchte, dass dieser Schauspieler als der größte seiner Generation galt.

1973. de Niro, Scorsese und Keitel. Scorseses vibrierender, düsterer New-York-Film "Hexenkessel".

"Was ist los mit dir, Johnny. - Was? - Du kannst nicht einfach die Leute verscheißern. - Du hast doch keine Ahnung, ich bin so fertig von anderen Sachen, da kümmerst du dich nicht um Raten. Verstehst du?"

In "Hexenkessel" spielt Harvey Keitel auf Platz 1 der Besetzungsliste, de Niro auf Platz 2. Drei Jahre später, 1976, hat sich das Blatt gewendet: In "Taxidriver" ist de Niro in der Hauptrolle zu sehen. Keitel spielt in einer Nebenrolle den Zuhälter, den der 'Taxidriver' killt:

"Irokese, verpiss dich zu deinem Stamm und lutsch am Büffelknochen, bevor mir der Kragen platzt. Ich will keinen Krieg, verstanden? Mach, dass du wegkommst! - Lutsch mal dran. [Schuss.]"

Vielleicht, rückblickend, hat Harvey Keitel am Ende vielleicht doch eher fast sein bisschen Glück gehabt, dass Martin Scorsese sich in den 1970er-Jahren sich nicht für ihn, sondern sich für de Niro als Stammschauspieler entschied. Denn da, vom Olymp aus, ist die Fallhöhe am Ende gewaltig. Und dahin, auf den Olymp, den der Schauspieler, da kam de Niro bald.

"Taxi Driver", zwei Jahre vorher die oscar-prämierte Rolle des Mafia-Bosses Don Vito Corleone im zweiten Teil von  Coppolas "Pate(n)"-Saga, dann die Rolle des Vietnam-Veteranen in Ciminos "Die durch die Hölle gehen" und 1980 die des Boxers - Oscar Nummer zwei - in Scorseses "Wie ein wilder Stier":

Fremdschämen statt Langeweile

Die 1970er-Jahre - nein, keine Angst, dies ist kein Nachruf, sondern nur trauriger Abgesang eines ehemaligen Fans -, die siebziger Jahre bauten den Mythos, die Statue, das Monument, vor dem sich auch ein bissiger Satiriker und Talkshow-Mann wie Stephen Colbert in seiner CBS-Late Show meinte, sich nicht anders als verbeugen zu können:

"Holy cow, Robert de Niro. This why you wanna have one of these shows. This is why you want these shows to talk with Robert de Niro."

Das Problem war nur, dass de Niro irgendwann anfing, die eigenen Klischees wiederzukäuen. Beispielsweise in den beiden Teilen von "Reine Nervensache", dieser Story über den Mafiaboss mit Erektionsproblemen, der den Alltag seines ängstlichen Therapeuten okkupiert. Diese Figur war Wiedergänger des Dons aus dem "Paten", komisch, aber nur aufgewärmt, nur recycelt. Um dann, ein weiteres Mal durch die Mangel gedreht, 2013 wieder aufzutauchen in Luc Bessons Film "Malavita - The Family". Der Mafioso gespielt von de Niro.

Der Groß-Schauspieler und eingefleischte New Yorker, der - wie er einmal sagte - nur nach Los Angeles, also Hollywood ginge, wenn er dafür bezahlt werde, hat offenbar noch einige Rechnungen zu zahlen, wenn man sich anschaut, wie häufig und für welchen Filmschrott er in den letzten Jahren tatsächlich nach L. A. ging und Hollywood-Mainstream fabrizierte. Bei all diesen Filmen wurde man das Gefühl nicht los, dass Robert de Niro unendlich müde, gelangweilt und angeödet war von diesem ganzen Spielen. Gut, Geld verdienen müssen wir alle, aber wir stürzen dabei in der Regel eben nicht aus solchen Höhen ab wie de Niro, um bei einem sexgeilen "Dirty Grandpa" zu landen.

"Jetzt lass uns in deine Muschi-Karre springen, und wir verpissen uns."

de Niro spritzt in seinem aktuellen Film einer jungen Frau im Bikini, die seine Enkelin sein könnte, Sonnenmilch zwischen die Brüste - ja, Metapher für Sperma, verstanden.

"[de Niro:] Oops, das passiert mir sonst nie. - Echt, mir passiert das nämlich dauernd."

Irgendwann hat Robert de Niro einmal die Bemerkung fallen gelassen, er möge seine eigenen Filme nicht ansehen, er schliefe dabei ein. Das geht auch mir seit ein paar Jahren so. Bei "Dirty Grandpa" funktioniert das allerdings nicht, weil der gähnenden Langeweile systematisch das Fremdschämen in die Quere kommt. Aber, ich weiß, das alles ist nur Projektion, es ist nur Enttäuschung. Und das steckt eben drin im letzten Wort, das von der Täuschung!

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