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StartseiteKultur heuteEin Schwabe in Hollywood10.12.2016

Filmproduzent Carl LaemmleEin Schwabe in Hollywood

Vom Tellerwäscher zum Millionär: Carl Leammle wanderte 1884 im Alter von 17 Jahren nach Amerika aus und wurde zu einem der erfolgreichsten Filmproduzenten seiner Zeit. Nun erinnert zum ersten Mal eine Ausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg an ihn.

Von Josef Schnelle

Ein Schwarz-Weiss-Print zeigt am 08.12.2016 in der Ausstellung «Carl Laemmle presents... Ein jüdischer Schwabe erfindet Hollywood» im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart. (dpa/ picture alliance / Christoph Schmidt)
Ausstellung über Carl Laemmle im Haus der Geschichte Baden-Württemberg (dpa/ picture alliance / Christoph Schmidt)

O-Ton Carl Laemmle: "Es muss gemacht werden und es kann gemacht werden"

Das war schon der Wahlspruch von Carl Laemmle als er 1884 mit 17 Jahren seine oberschwäbische Heimat verließ, um in den USA sein Glück zu finden. Er war einer der wichtigsten Erfinder des Hollywood-Systems. Die Leistungen von Produzenten werden leicht übersehen. Carl Laemmles Beitrag zur Filmgeschichte wurde aber konsequent fast 150 Jahre lang kaum beachtet - wie die Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger betont.

"Zu seinem 100. Geburtstag in den 1960er-Jahren hat das eigentlich nirgends Erwähnung gefunden. In Deutschland nicht, in den USA nicht, nirgends."

Typische Einwandererkarriere

Carl Laemmle machte eine idealtypische amerikanische Einwandererkarriere vom "Tellerwäscher zum Millionär". Er war anfangs Laufbursche in einem Drugstore und arbeitete dann in einer Textilfirma, bevor er das Kino für sich entdeckte. Zu seinen größten Leistungen zählte die Errichtung eines gigantischen Studiokomplexes, von dem die Major-Company "Universal" noch heute profitiert, sagt Ron Meyer, der derzeitige Vizepräsident von Universal, der zur Ausstellungseröffnung in Stuttgart angereist war.

"Carl Laemmle hat das Fundament gebaut auf dem das Studio weiter gewachsen ist. Wir sind immer noch auf dem Grundstück, das er gekauft hat – auf den knapp 1000 Hektar, die er als Hühnerfarm vorgefunden hatte. Wir arbeiten genau an diesem Ort. Alles ist nur Drumherum gewachsen. Auch inhaltlich. Die Studio-Tour, die er erfunden hat, bei der die Leute 25 Cent zahlten um die Dreharbeiten zu beobachte, ist noch heute eine unserer größten Attraktionen. Viele Millionen Menschen machen jedes Jahr diese Tour."

Die Ausstellung präsentiert neben großen Exponaten wie Plakaten, Fotos und Filmausschnitten aus den wichtigsten Produktionen auch kleine und kleinste Details wie zum Beispiel Reste der Bandagen, in die Boris Karloff 1932 in "Die Mumie" eingewickelt war oder die eindrucksvolle Attrappe einer Fledermaus aus "Dracula" oder die Uniform und die Dienstmarke der ersten Polizeichefin von "Universal City" Laura Oakley aus dem Jahr 1915. Wegen solcher Stilelemente wirkt die Ausstellung sehr lebendig und unterhaltsam ohne ihre eindrucksvolle Tiefe und Vielschichtigkeit zu verlieren. Mit den Horrorfilmen der 1930er-Jahre hatte das Filmstudio auch eines der wichtigsten Genres des Hollywoodkinos eingeführt, das bis heute zu den Markenzeichen von Universal gehört.

"Wir machen diese Filme immer noch. Wir drehten "Die Mumie" und mehrfach Fortsetzungen davon und das sehr erfolgreich. Ein neuer Mumienfilm kommt jetzt raus mit Tom Cruise. Wir kümmern uns also um das sogenannte Monster-Erbe. Wir schufen weitere Monster-Filme und wirklich gute."

Enge Bindung an die Heimat

Zu jedem seiner Geburtstage ließ Carl Laemmle einen Kuchen mit dem Gewicht seines Lebensalters Pfund für Pfund backen und mit den Fotos dieser Feiern ist die Ausstellung gegliedert. Auf jedem der Bilder sieht man wichtige Hollywoodstars sowie Freunde und Familienangehörige. Laemmle vergaß nie die Bindung an die Heimat. 300 Affidavits - Bürgschaften für jüdische Mitbürger unterschrieb Laemmle und rettete unter anderen den Vater von Albert Einstein vor dem KZ. Paula Lutum-Lenger würdigt seine nimmermüden Bemühungen um Deutsche in Hollywood.

Paula Lutum-Lenger: "Aber trotzdem immer wieder Freunde, Familie, Verwandte. Dort hat er sich sicher gefühlt. So im Kreise seiner Entourage das hat ihm auch ein Stück Sicherheit gegeben um leisten zu können was er geleistet hat."

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