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Finanzkrise, russische Kredite und Streit um Rohstoffe

Zypern vor der EU-Ratspräsidentschaft

Von Thomas Bormann

Die Flagge des Inselstaats Zypern. (picture alliance / dpa)
Die Flagge des Inselstaats Zypern. (picture alliance / dpa)

Zypern übernimmt zum 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft unter Präsident Dimitris Christofias: Das Land muss unter den EU-Rettungsschirm und hat auch wegen der Bankenkrise russische Milliardenkredite bekommen. Zudem plagt den Inselstaat der Streit um die Ausbeutung von Rohstoffen.

Ein Hubschrauber landet auf der Bohrplattform im südlichen Mittelmeer, etwa auf halber Strecke zwischen den Küsten Zyperns und Israels. Hier haben Forscher 5.000 Meter unter dem Meeresspiegel riesige Gasfelder entdeckt. Zypern und Israel wollen diesen Schatz heben und künftig Milliarden mit dem Gasexport verdienen.
Aber die Türkei protestiert. Sie nennt schon die Probebohrungen illegal:
Ach wissen Sie, illegal, so winkt Andreas Mavroiannis von der Regierung der Republik Zypern ab; die können sagen was sie wollen, aber sie sind die Einzigen, die das sagen.

"Wir handeln in Einklang mit internationalem Recht. Allein die Tatsache, dass so viele Firmen Interesse zeigen, ist ein Beweis. Keine Firma würde bei einer solchen Ausschreibung mitmachen, wenn sie nicht sicher wäre, dass das eine richtige Sache ist."

Die Republik Zypern hat die UN-Seerechtskonvention unterzeichnet und streng nach dieser Konvention eine Zone im Mittelmeer abgesteckt, in der sie Bodenschätze heben darf.

Die Türkei allerdings steht auf dem Standpunkt: Das Erdgas gehört auch den türkischen Nordzyprern; zuerst müsse das Problem der Teilung Zyperns gelöst werden, erst dann dürfe die Inselrepublik das Gas fördern. Zur Drohung ließ die Türkei sogar Kriegsschiffe nahe der südzyprischen Bohrinsel patrouillieren.

Dervis Eroglu, Präsident der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern, hatte seinem Amtskollegen in Südzypern aufgefordert, die Gasförderpläne zu stoppen:

"Diesen Vorschlag hat er aber abgelehnt. Daraufhin haben wir entschieden, auf unserem Gebiet selbst nach Öl und Gas zu suchen."

Seit acht Wochen nun bohrt eine türkische Spezialfirma in Nordzypern nach Öl, diese Arbeiten nennt die südzyprische Regierung illegal.

Dervis Eroglu, Präsident der türkischen Zyprer, hat unterdessen einen neuen Vorschlag gemacht, nachdem all die Bohrungen nicht mehr aufzuhalten sind: Alle Zyprer sollen etwas vom erhofften Geldsegen aus Öl- und Gasfunden haben:

"Lassen Sie uns das Erdgas gemeinsam nutzen. Die Einkünfte sollten auf ein Konto fließen, das der UNO-Generalsekretär verwaltet. Wenn wir das Zypernproblem eines Tages gelöst haben, werden Kosten entstehen. Lassen Sie uns das Geld für diese Ausgaben nutzen - nicht für die Aufrüstung!"

Die südzyprische Regierung geht bislang nicht direkt auf diesen Vorschlag ein, aber immerhin: Energieminister Neoklis Silykiotis, der in Aachen studiert hat und deshalb deutsch spricht, zeigt sich optimistisch:

"Wir glauben auch, dass diese Ressourcen, die können für die Vorteile ganz Zyperns sein, auch eine Katalysatorrolle spielen für die Vereinigung Zyperns."

Zumindest einen Teil der erhofften Einnahmen aus dem Gasgeschäft will die Republik Zypern in einen Fonds einzahlen und das Geld für die Zukunft zurücklegen; möglichst für eine Zukunft, in der der Norden und der Süden der Insel wieder vereint sind.

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