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StartseiteKommentare und Themen der WocheMehr Fragen als Antworten09.08.2017

Fipronil-SkandalMehr Fragen als Antworten

Verseuchte Eier, schlampige Kontrollen und kriminelle Panscher: Aus diesen Zutaten rührt sich der Fipronil-Skandal zusammen. Besonders die belgischen Behörden hätten versagt, meint Jörg Münchenberg. Sie haben Informationen zu lange zurückgehalten. Und noch immer liefern sie keine klaren Antworten.

Von Jörg Münchenberg

Ein Mitarbeiter vom Chemischen Veterinäruntersuchungsamt Krefeld schlägt am 07.08.2017 in Krefeld (Nordrhein-Westfalen) ein Ei auf. Das Chemische Veterinäruntersuchungsamt in Krefeld untersucht Eier auf Fipronil-Rückstände. (dpa / Marcel Kusch)
Insektengift Fipronil - und kein Ende: die belgischen Behörden weisen nun mit dem Finger auf die Niederlande. (dpa / Marcel Kusch)
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Der Skandal um die mit Fipronil verseuchten Eier nimmt kein Ende. Dabei hatten viele auf mehr Klarheit gehofft, nachdem sich der belgische Landwirtschaftsminister Denis Ducarme heute den Fragen der zuständigen Fachausschüsse im belgischen Parlament stellen musste. Außerdem musste die Lebensmittelkontrollbehörde AFSCA einen Zwischenbericht vorlegen, wer wann was von den verunreinigten Eiern wusste.

Doch statt Antworten gibt es nun noch mehr Fragen. Denn die wegen ihrer hanebüchenen Informationspolitik völlig zu Recht kritisierten belgischen Behörden weisen nun ihrerseits mit dem Finger auf den Nachbarn. Die Niederlande haben demnach viel früher von dem Fipronil-Problem gewusst, ohne diese Informationen zu teilen. Außerdem hätten sie nur unzureichend mit den belgischen Behörden kooperiert.

Eier schon seit 2016 belastet?

Absehbar ist damit: Der Skandal um die verseuchten Eier, schlampige oder gleichgültige Behörden und kriminelle Panscher, die das Mittel überhaupt erst in Umlauf gebracht haben, zieht immer weitere Kreise. Und womöglich haben die Verbraucher schon sehr viel länger belastete Eier oder mit Eiern verarbeitete Lebensmittel verspeist. Entsprechende Rechnungen über Fipronil-Lieferungen nach Belgien, so wurde heute deutlich, stammen bereits aus dem Frühjahr 2016.

Fingerzeig auf die Niederlande hilft nicht weiter

Nur Zyniker werden argumentieren, die Gesundheitsgefährdung halte sich dennoch in Maßen. Zumal vielerorts die entsprechenden EU-Grenzwerte nicht einmal überschritten worden sind. Das ändert jedoch nichts am Grundproblem: Fipronil hat - wie andere verbotene Stoffe auch - in Lebensmitteln nichts zu suchen. Werden die Behörden aber dennoch fündig, müssen sie schnellstens informieren.

Gerade bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips aber haben zumindest die belgischen Behörden kläglich versagt. Warum die entscheidenden Informationen über sechs Wochen lang zurückgehalten worden sind, darauf konnte auch der belgische Landwirtschaftsminister heute keine überzeugenden Antworten geben. Wenn es in den Niederlanden ähnlich gelaufen sein sollte, umso schlimmer. Die belgische AFSCA wird damit nicht entlastet.

Jörg Münchenberg (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Jörg Münchenberg (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Jörg Münchenberg, geboren 1966; studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Volkswirtschaftslehre in Freiburg, Kanada und Nürnberg-Erlangen. Seit 1997 beim Deutschlandfunk als Moderator und Redakteur zunächst in der Wirtschaftsredaktion; später Korrespondent für das Deutschlandradio im Berliner Hauptstadtstudio, seit Herbst 2012 europapolitischer Korrespondent in Brüssel.

 

 

 

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