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Fipronil-SkandalVorwürfe aus Belgien gegen die Niederlande

Der belgische Agarminister Denis Ducarme kommt am 09.08.2017 in Brüssel (Belgien) zur Sondersitzung der Ausschüsse für Landwirtschaft und Gesundheit im belgischen Parlament. (dpa /BELGA /Virginie Lefour)
Der belgische Agrarminister Denis Ducarme auf dem Weg in den Sitzungssaal (dpa /BELGA /Virginie Lefour)

Im Skandal um mit dem Insektengift Fipronil verseuchten Eier erhebt die belgische Regierung Vorwürfe gegen die Niederlande. Agrarminister Ducarme sagte, die belgischen Behörden hätten wochenlang auf Informationen aus dem Nachbarland warten müssen. Auch die belgische Behörde für Lebensmittelsicherheit gerät weiter unter Druck.

Ducarme sagte im Parlament in Brüssel, seinem niederländischen Kollegen habe schon im November 2016 ein Bericht vorgelegen, wonach Fipronil in Eiern aus niederländischen Betrieben aufgetaucht sei. Die niederländischen Behörden hätten von dem Fund gewusst, ihre EU-Partner aber nicht informiert. Er habe die Regierung in Den Haag um eine Erklärung gebeten - auf die man dann wochenlang habe warten müssen.

Der BBC-Reporter Adam Fleming über die Stellungnahme Ducarmes:

Der Korrespondent des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der Niederlande zitiert Ducarme mit den Worten, man habe in dem Nachbarland mindestens sieben Mal um eine Kundenliste der Firma ersucht, in dessen Reinigungsmittel Fipronil aufgetaucht sei - diese aber nie bekommen:

Auch in der Behörde für Lebensmittelsicherheit FASNK gab es offenbar Verzögerungen: Am 2. Juni erfuhr die FASNK von einem Fipronil-Verdachtsfall, am 20. Juli gab Belgien die Informationen an andere EU-Staaten weiter. Den Vorwurf, etwas verschleiern zu wollen, hat der Vorsitzende der Behörde, Diricks, zurückgewiesen. Er sagte dem Sender VRT: "Wir werden alles, was wir getan haben, erklären."

"Zwei unterschiedliche Labortests: Das darf nicht passieren."

Seit gestern sieht sich die Lebensmittelsicherheitsbehörde mit neuen Fragen konfrontiert: Die Analyse einer Eier-Probe in zwei unterschiedlichen Laborbetrieben ergab zwei signifikant unterschiedliche Fipronil-Werte - einer davon bei 0,92 Milligramm pro Kilogramm und damit um exakt 0,2 Milligramm höher als die EU als Grenzwert für eine Gesundheitsgefahr. Wie es dazu kommen konnte, ist noch nicht geklärt.

Die FASNK hat versprochen, die Sache binnen 48 Stunden aufzuklären. Der liberale Minister Ducarme, dem auch die FASNK untersteht, stellte dennoch klar: "So etwas darf nicht passieren." Nach seinen Worten hat die belgische Regierung als Konsequenz die Sperrung aller Legehennen-Betriebe auf den Weg gebracht, deren Proben von jenem Labor untersucht wurde, das auf die niedrigen Fipronil-Werte kam.

EU-Kommissarin informiert

Wie die belgische Zeitung "De Morgen" schreibt, hat Ducarme am Abend mit der EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andriukaitis, telefoniert und dieser bei der Aufklärung des Skandals vollständige Transparenz zugesagt. Andriukaitis betrachte den Fipronil-Skandal inzwischen als europäisches Problem. Neben den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Schweden und Dänemark sei inzwischen auch Großbritannien betroffen.

Das Schädlingsbekämpfungsmittel war zunächst in Eiern aus Belgien und den Niederlanden nachgewiesen worden. Etwa zehn Millionen belastete Eier wurden nach Deutschland geliefert.

(kb/fwa)

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