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Fitnessstudios: Vertragsbindung hat Grenzen

Gerichte stärken die Kündigungsrechte von Kunden

Von Lisa von Prondzinski

Fitness: Aus besonderem Grund kann der Vertrag gekündigt werden.
Fitness: Aus besonderem Grund kann der Vertrag gekündigt werden. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

So einfach lassen Fitnessstudios ihre zahlenden Mitglieder nicht ziehen: Erstmals hat nun der Bundesgerichtshof klargestellt, dass eine vorzeitige Kündigung bei Verträgen mit einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren rechtens ist, wenn ein wichtiger Grund vorliegt.

Monika Baumgartz kündigte von einen auf den anderen Monat ihren Vertrag im Fitnessstudio. Sie hatte gesundheitliche Probleme und glaubte, mit einem ärztlichen Attest sei eine vorzeitige Kündigung kein Problem. Doch so einfach war das gar nicht.

"Nach zwei Wochen habe ich einen Brief bekommen, dass es nicht möglich ist, die Mitgliedschaft zu kündigen aufgrund eines Attestes und dass ich in Verbindung mich mit einer Dame setzen soll wegen einer Ruhezeit, bis ich wieder fitter bin."

Eine Ruhezeit wiederum kam für die Kölnerin nicht infrage. Sie wollte definitiv vorzeitig aussteigen aus dem Vertrag.

"Ich hab' Mahnungen bekommen, ich habe darauf nicht reagiert. Und dann irgendwann hatte ich einen Brief von einem Anwalt im Briefkasten, dass ich damit rechnen müsste, dass rechtliche Schritte eingeleitet werden, wenn ich nicht überweisen würde."

Letzten Endes akzeptierte das Studio jedoch die Kündigung. Immer wieder mal aber enden ähnliche Vertragsangelegenheiten vor Gericht. Inzwischen jedoch hat der Bundesgerichtshof für mehr Rechtssicherheit gesorgt. Demnach dürfen Mitglieder ihre Studioverträge mit einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren jederzeit früher kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Eine Schwangerschaft oder eine ernsthafte Erkrankung gehören dazu.

Dabei muss das Attest nicht so formuliert sein,

"dass da ausführlich begründet wird, wie sich diese Krankheit zusammensetzt, was das Mitglied genau hat. Sondern es muss reichen, wenn der Arzt attestiert, die Person ist dauerhaft sportunfähig",

sagt Carolin Semmler, Juristin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dass auch ein Umzug zur außerordentlichen Kündigung berechtigt, darauf haben andere Gerichte hingewiesen. Nach wie vor kommt es hierbei künftig allerdings weiterhin auf den Einzelfall an, meint Carolin Semmler:

"Also, 'ne feste Kilometergrenze, ab wann ein Umzug zur Kündigung berechtigt, gibt es nicht. Es ist immer eine Abwägung zu treffen und im konkreten Einzelfall zu schauen, ist es für das Mitglied noch zumutbar. Bestehen zum Beispiel Möglichkeiten für öffentliche Verkehrsmittel, wo liegt das Fitnessstudio? Das sind alles Aspekte, die in die Abwägung mit einfließen."

Ab wann Anfahrtswege zu lang sind, das müsse der Sportler mit dem Studiobetreiber klären. Das Recht auf eine außerordentliche Kündigung besteht jedoch, wenn der Club umzieht – und sei es auch nur innerhalb des Stadtgebiets. Das gilt auch, wenn die Öffnungszeiten stark verkürzt werden oder die Zahl der Geräte deutlich verringert wird. Grundsätzlich gilt: Wer kündigt, sollte im Nachhinein beweisen können, dass die Kündigung tatsächlich im Studio angekommen ist:

"Das kann man natürlich zum einen so machen, dass man die Kündigung persönlich abgibt, sich dann aber auch den Empfang quittieren lässt. Kann man natürlich auch machen per Fax, wenn man so einen qualifizierten Sendebericht hat. Auch da wird ja nachgewiesen, dass das Schreiben eingegangen ist. Die teuerste Möglichkeit ist natürlich immer Einschreiben-Rückschein."

Für die reguläre Kündigung im Fitnessstudio sind Fristen von ein oder drei Monaten durchaus üblich. Ungekündigt verlängern sich die Laufzeiten häufig automatisch. Mehr als sechs Monate auf einen Schlag dürfen es nach Ansicht von Verbraucherexperten aber nicht sein.

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