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StartseiteVerbrauchertippStreit um den Pfandbon12.02.2018

FlaschenpfandStreit um den Pfandbon

Den Einkauf nach Hause geschleppt, die Lebensmittel ausgepackt, und wieder wurde der Pfandbon nicht eingelöst. Schnell verschwindet er in einer Jackentasche und gerät in Vergessenheit. Wird er später wieder entdeckt, stellt sich die Frage, ob er überhaupt noch gültig ist.

Von Anne Sailer

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Ein Kundin legt eine PET-Flasche in einen Pfandautomat (imago/Gerhard Leber)
Pfandbons nicht zu lange liegen lassen, neue Pfandautomaten könnten die Auszahlung des Geldes verhindern (imago/Gerhard Leber)

Eine typische Szene Zwei Kassiererinnen einer Supermarktkette diskutieren: "Pfandbons kann man bei uns nur innerhalb von 14 Tage einlösen", sagt die eine. Die andere entgegnet: "Nein! Neuerdings geht das ein ganzes Jahr lang!" Mag sein, bemerkt dazu Georg Tryba, der Sprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Beide Regelungen sind gegen das geltende Gesetz:  

"Es passiert immer wieder, dass Leute in den Laden kommen, finden einen alten Pfandzettel irgendwo in der Tasche und dann sagt der Händler zum Beispiel: Nein, den nehmen wir nicht mehr an. Das ist bei uns höchstens 30 Tage gestattet. Das hält rechtlichen Vorgaben nicht stand. Man hat mindestens drei Jahre, oftmals etwas länger, weil das Jahr, in dem man es findet, gilt vielleicht auch noch."

Der Kunde kann den Händler in solchen Fällen auf das Gesetz hinweisen. Doch viele Händler beeindruckt das wenig. Das zeigen Beschwerden, die immer wieder bei den Verbraucherzentralen eingehen. Niemand wird wegen der geringen Beträge gleich vor Gericht ziehen. Die Beschwerde bei der Verbraucherzentrale - so Tryba - empfiehlt er dennoch. Liegen genug Beschwerden vor, können Händler abgemahnt werden oder müssen Ordnungsstrafe zahlen. Allerdings ist das Gesetz in anderen Punkten längst nicht so klar. Beispielsweise bei der Frage: Wo kann ich meinen Pfandbon einlösen: Nur in der Filiale, in dem ich die Flaschen abgegeben habe? Georg Tryba:

"Es gibt ja mittlerweile viele Ketten, die bundesweit vorhanden sind und dann kauft man irgendwelche Pfandflaschen, ist man weitergereist, versucht das dann in der nächsten Filiale dieser Kette einzulösen, die können sich weigern, denn da kann es auch Vorgaben geben, das sind Probleme, die rechtlich noch nicht geklärt sind."

Pfandbon nicht lange liegen lassen

Auf Anfrage erklärte beispielsweise der Lebensmittelkonzern REWE, die Rückgabe der Pfandbons werde auch innerhalb des Unternehmens sehr unterschiedlich geregelt. Es sei nämlich ein Unterschied, ob eine Filiale verpachtet sei oder vom Konzern selbst betrieben werde. Der Handelsverband Deutschland HDE e.V. unterstreicht das. Geschäftsführer Kai Falk:

"Der Pfandbon sollte am besten gleich mit dem nächsten Einkauf und unbedingt im gleichen Supermarkt, denn es ist nicht garantiert, dass andere Händler den Bon akzeptieren. Einige Handelsketten arbeiten mit unabhängigen Kaufleuten zusammen, diese sind dann nicht in jedem Fall verpflichtet, den Pfandbon ihrer Kollegen anzunehmen. Hintergrund ist ein kompliziertes Mengen- und Pfandclearing zwischen den Einzelhandelsketten. Damit wird sichergestellt, dass Pfand und Leergut deutschlandweit erfasst beziehungsweise zwischen den Supermärkten verrechnet werden können."

Kai Falk rät zudem, den Kai Falk rät zudem, den Pfandbon nicht lange liegen zu lassen. Es könnten neue Pfandautomaten die Auszahlung des Geldes verhindern. Zudem seien die Bons aus sehr dünnem Papier und die Druckerfarbe nicht lange haltbar. Ist der Barcode nicht mehr zu lesen, gibt es auch kein Geld zurück. Das gilt auch für stark beschädigte Flaschen, bei denen das Etikett mit dem Pfandsiegel nicht mehr zu erkennen ist. Grundsätzlich müssen aber auch zerdrückte oder leicht beschädigte Flaschen zurück genommen werden. Falls der Automat eine Flasche nicht erkennt – geht der Kunde an die Kasse und bekommt dann dort sein Geld. Allerdings müssen beispielsweise kleine Kioske nicht alle Verpackungen mit Einwegpfand annehmen, erklärt Georg Tryba, der Sprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen:        

"Es ist so, dass kleinere Läden bis 200 Quadratmeter Verkaufsfläche, die müssen nur das annehmen, was bei ihnen auch gekauft wurde."

Bei größeren Läden kommt es dagegen ausschließlich auf die Art der Einweg-Verpackung an: Wer nur Plastik-Flaschen im Sortiment hat – muss alle Plastik-Flaschen mit Einwegpfand zurücknehmen. Also auch beispielsweise Pfandflaschen vom Konkurrenten um die Ecke, die es im eigenen Laden nicht gibt. Für Dosen gilt das gleiche: Nur wer Getränke in Dosen verkauft, muss später auch entsprechendes Leergut zurück nehmen. Egal wo es gekauft wurde.

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